Zentralisierung der Wertpapierabwicklung: Banken streiten über europäische Börsenstruktur

Zentralisierung der Wertpapierabwicklung
Banken streiten über europäische Börsenstruktur

Vier große europäischen Bankenverbände fordern die Bildung einheitlicher Abrechnungs- und Abwicklungsdienstleister nach dem Vorbild der USA. Das würde im Extremfall die gesetzlich verordnete Aufspaltung der Börsen Frankfurt, Madrid und Mailand bedeuten.

ben FRANKFURT. Diese bieten bislang Handel, Abrechnung und Abwicklung aus einer Hand an. Die internationalen Großbanken erhoffen sich von ihren Vorschlägen geringere Gebühren im grenzüberschreitenden Aktienhandel und neuen Raum für eigenes Geschäft.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) befürchtet dagegen Nachteile vor allem für deutsche Kleinanleger, sollten die Ideen der Großbanken Realität werden. Der genossenschaftliche Bankenverband BVR hält die Forderung für überzogen und übereilt. Der Privatbankenverband BdB äußerte sich nicht.

In einem am Montag vorgelegten Papier der Verbände aus Frankreich, Italien und Großbritannien wird EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy nun gedrängt, die Auftrennung der so genannten „Silo-Strukturen“ bei den Börsen notfalls per Gesetz durchzusetzen. Die Deutsche Börse enthielt sich eines Kommentars.

Unter der Abrechnung- und Abwicklung (Clearing & Settlement) versteht man die Dienstleistungen etwa nach einem Aktienkauf an der Börse. Geld muss vom Konto des Käufers auf das des Verkäufers übertragen werden, die Aktien von einem Depot ins andere. Rund um dieses Transaktionen gibt es eine Vielzahl von Dienstleistungen, mit denen die Börsen viel Geld verdienen. In vielen Ländern lagen diese Aufgaben früher bei einem von Banken genossenschaftlich betriebenen Unternehmen. In dem Maße, wie die Börsen selbst zu gewinnorientierten Firmen wurden, verkauften die Banken ihre Anteile an die Börsen. So erwarb die Deutsche Börse 2002 für 1,5 Mrd. Euro ihren Abwicklungsdienstleister Clearstream von einer Gruppe großer europäischer Banken. Die internationalen Bankenverbände fordern nun eine Rückführung des Geschäftes in ein nicht börsennotiertes Unternehmen, das sich im Besitz der Banken befinden könnte. Dieses soll sich auf die Kernfunktionen beschränken und den Geldhäusern weitere Dienstleistungen überlassen. Die Begründung: Die Zersplitterung des Marktes für Clearingdienstleistungen führe zu Ineffizienzen und hohen Gebühren im grenzüberschreitenden Handel. Die Deutsche Börse argumentiert dagegen seit Jahren, nicht die Zersplitterung der Märkte, sondern die unterschiedlichen regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa seien für die Probleme verantwortlich.

Im Sparkassenlager befürchtet man nun, eine Umsetzung der Vorschläge könnte zu Lasten der deutschen Anleger gehen. „Die niedrigen Kosten für die inländische Wertpapierabwicklung in Deutschland würden voraussichtlich steigen“, sagte ein DSGV-Sprecher. Dies würde Privatanleger treffen, schließlich kauften sie Aktie vor allem auf dem nationalen Markt. „Vor diesem Hintergrund können wir in einer Fusion der europäischen Abwickler keinen Vorteil erkennen“, fügte er hinzu.

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