Zinsmanipulationen
Auf Deutsche Bank könnte Milliarden-Strafe zukommen

Analysten von Morgan Stanley haben die potenziellen Strafzahlungen der Libor-Manipulatoren geschätzt. Die Deutsche Bank müsste besonders tief in die Tasche greifen. Die Schätzung ist allerdings hoch spekulativ.
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FrankfurtUnter den 16 Banken, die sich dem Vorwurf der Manipulation des Londoner Interbankensatzes Libor ausgesetzt sehen, kommen die Deutsche Bank und die Royal Bank of Scotland (RBS) wohl die höchsten Kosten zu. Analysten von Morgan Stanley sagen beiden Banken Kosten in Höhe von jeweils über einer Milliarde Dollar für potenzielle Strafen und Gerichtsverfahren voraus. Am billigsten käme demnach Lloyds davon. Ihre Gerichtskosten im Zusammenhang mit den Vorwürfen der Libor-Manipulation schätzt Morgan Stanley auf 59 Millionen Dollar.

Für die Deutsche Bank dürfte es mit bis zu 1,04 Milliarden Dollar (852 Millionen Euro) teurer werden, während die RBS sich auf bis zu 1,06 Milliarden Dollar einstellen sollte. Anfallen würden die Kosten voraussichtlich in den Jahren 2013 und 2014, schrieben zwei Analysten von Morgan Stanley in einem am Donnerstag vorgelegten Bericht.

Die Analysten der US-Bank schätzen, dass sich die juristischen Auseinandersetzungen der Libor-Affäre für die betroffenen Banken am Ende auf rund sechs Milliarden Dollar belaufen könnten. Dabei nehmen sie an, dass der Zins pro Tag auf einen Zeitraum von vier Jahren um einen Basispunkt zu niedrig angesetzt wurde.

Die Stichhaltigkeit der Schätzung ist allerdings fragwürdig. Ein Branchenbeobachter in Frankfurt bewertete die Kalkulation gestern als „extrem willkürlich“. Den Gesamtschaden für Banken, Investoren und Anleger durch die Manipulationen schätz die „Financial Times“ auf 22 Milliarden Dollar.

Barclays, die zweitgrößte britische Bank, hatte sich im vergangenen Monat zur Zahlung von 290 Millionen Pfund (367 Millionen Euro) an die Aufsichtsbehörden bereit erklärt. Die Unternehmensspitze war zudem zurückgetreten. Diese Strafe löste Spekulationen darüber aus, wie hoch wohl die Kosten für die anderen potenziellen Libor-Sünder ausfallen könnten.

Die Banken dürften „einen Aufschlag zahlen“ auf die Strafe für Barclays, da die Briten einen Nachlass von 30 Prozent von der Finanzdienstleistungsaufsicht FSA erhalten hätten, erklärten die Analysten. Dieser sei gewährt worden, da sich Barclays schnell kooperativ gezeigt habe.

„Wir gehen von einer Basisstrafe von 650 Millionen Dollar“ für die anderen Banken aus, hieß es in dem Bericht. Auch die UBS werde wohl mit einer ermäßigten Strafzahlung von etwa 250 Millionen Dollar davonkommen, da die Bank frühzeitig gestanden und mit den Ermittlern kooperiert habe.

Die Strafen der Regulierer dürften den Gewinn je Aktie bei den betroffenen Banken 2012 wohl um sieben bis zwölf Prozent reduzieren, schrieben die Morgan-Stanley-Analysten. Zudem könnten die Gerichtskosten ihren Gewinn je Aktie über 2013 und 2014 hinweg um sieben Prozent belasten.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Keiner von euch kommt auf den eigentlichen Punkt: Bei AGs ist es wie bei Wohnungseigentumsgemeinschaften: Die Mehrheit der Stimmen setzt Entscheidungen in Kraft oder außer Kraft. Ebenso werden Hausverwaltungen ( genau wie Bankmanager ) von der Stimmenmehrheit gewählt oder entlassen. In der letzten Hauptversammlung meiner deutschen Großbank AG gab es nur 3% Anteil an Privat-aktionären !!! Ich wiederhole: Nur 3 % !!! Also: die vorgeschlagenen Punkte der HV wurden exakt wie vom Vorstand gewollt 1 : 1 von 97 % der Anteilseigner genehmigt. Ich fragte mich, warum die Privaten Anteileigner so viel anders entscheiden wollten als die Institutionellen inkl. Bundesregierung ?
    Mit unserer Normal-Logik ist das nicht erklärbar. Aber ihr alle könnt die Anteile zur Zeit gerade für ein Appel + halbes Ei selber kaufen...! Ich habe es heute bereits wieder getan und werde auch weiterhin billigst zukaufen.
    Somit sind bereits hübsche Mengen Anteile in meinem Depot zusammengekommen. Wenn 30000 von euch von meinem Großbankladen soviel hätten wie ich selbst, könnten wir ihn rein rechnerisch übernehmen bzw. den weiteren Weg der Bank neu justieren. Außerdem erfahrt ihr auf der Hauptversammlung jedes Mal mehr über eure Bankmanager bzw.
    Gegner ...? . Macht mit und hört auf, das System zu bedauern, zu erklären oder sonstigen sinnlosen Schnurz zu machen. Großen Einfluss mit der MASSE der KLEINEN auf die Aktionen der Großen nehmen, dann zittern den Bankakteuren eines Tages möglicherweise die Knie ...!
    Macht es zunächst NICHT aus materiellen Erwägungen, da es vorwärts UND rückwärts laufen kann. Gemeinsam mehr erreichen, mit leisem Schleichen. Viele kluge Entscheidungen und ein sicheres Händchen bei eurem neuen Bankdepot wünscht euch euer Freund Karsten aus Sachsen.

  • öhm....joa? weil dann endlich mal jemand hautnah mitbekommt was hier abgeht und VIELLEICHT der eine oder andere aufwacht.

  • hallowach
    ich kann Ihre Aufregung gar nicht verstehen. Die DB hat Veluste gemacht und jemand muss den Verlust ersetzen. So sieht das System vor. Also, Sie wollen doch nicht etwa das gut funktionierende Finanzsystem abschaffen. Sind Sie vielleicht ein Sozialist?

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