Zinsmanipulationen
„Wenn Du willst, kann ich den Zins auch senken“

Nach dem Urteil gegen den einstigen UBS-Starhändler Tom Hayes kommen im Skandal um Zinsmanipulationen jetzt seine angeblichen Helfer vor ein Londoner Gericht: ehemalige Mitarbeiter von Brokerfirmen.
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LondonEs sollte eigentlich eine völlig neutrale Einschätzung sein. In einer täglichen E-Mail an ihre Kunden haben Brokerfirmen, die im Auftrag von Banken eine ganze Reihe von Finanzgeschäften abwickeln, ihre Prognose für den Zinssatz Libor verschickt – einen wichtigen Referenzwert in der Branche, an dem sich Firmenkredite, Immobiliendarlehen und Finanzprodukte aller Art orientieren. Die Vorhersage sollte auf dem basieren, was sich im Markt abzeichnet, und unvoreingenommen entstehen.

„Wenn Du willst, dann kann man diesen Orientierungswert aber bei Bedarf auch etwas senken“, soll ein Broker dem einstigen UBS-Starhändler Tom Hayes Ende 2006 Gerichtsunterlagen zufolge angeboten haben. Es war eine Offerte, die dieser nicht ausschlug und die sich nach Einschätzung von Ermittlern zu einem wichtigen Element in der Libor-Manipulationsaffäre sowie bei den fragwürdigen Machenschaften von Hayes entwickelte.

Der 35-Jährige ist für die Zinstricksereien bereits im August zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Jetzt müssen sich zum ersten Mal ehemalige Mitarbeiter von Brokerfirmen in dieser Sache vor einem Londoner Gericht verantworten. Sechs seiner mutmaßlichen Komplizen, die bei Icap, Tullett Prebon und RP Martin beschäftigt waren, müssen ab heute vor einer Jury erscheinen.

Ihnen wird Betrug vorgeworfen. Sie hätten in dem Zeitraum zwischen August 2006 und September 2010 dazu beigetragen, dass Banken falsche oder irreführende Angaben zum Libor machten, heißt es in der Anklageschrift. Das Vorgehen habe dazu gedient, dass Tom Hayes und auch andere am Ende davon profitierten. Die Angeklagten haben in vorangegangenen Anhörungen auf unschuldig plädiert. Mit einem Urteil ist nicht vor Ende des Jahres zu rechnen.

Es ist der zweite Prozess in der Libor-Affäre, die vor etwa sieben Jahren ihren Anfang nahm. Die US-Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ veröffentlichte damals die ersten Hinweise, dass beim Libor möglicherweise getrickst wurde. Doch Untersuchungen von Regulierern in den USA und in Europa förderten die Belege dafür erst deutlich später zutage.

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Bußgeld: Neun Milliarden Dollar

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  • Da der Handel von Zins- und Devisengeschäften vor allem OTC im Interbankenhandel gemacht wird, also unreguliert von irgendwelchen Börsen, sind Manipulation dort Tür und Tor geöffnet.

    Gleiches gilt auch auf außerbörslichen Pseudo Retail-Plattformen, wo Privat- oder Kleinanleger reihenweise mit CFD-Schrott o.ä. Produkten abgezockt werden. Aber die wollen das ja scheinbar auch so haben.

  • Man kann nur hoffen, das der Finanzmarkt endlich einmal strenger kontrolliert wird. Was im Dax abgerechnet wird ist auch eine "Manipulation". Dax-Kurse ausserhalb des Xetrahandels die es gar nicht gibt. Es werden Derivate auf Dax darauf berechnet bei 9890 die im regulären Handel wertlos verfallen wären, aber eben nur während des Xetrahandels. Augenblicklich hat man wieder 100 Punkte Plus!
    VW Aktie wird von Leerverkäufern "bearbeitet". Wenn man über Nacht aus wertlosen
    Derivaten wieder fette Gewinne erzielt, ist das schon sehr dubios.

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