Zinsskandal
Ermittler setzen auf weitere Libor-Anklagen

Die Britischen Libor-Ermittler bleiben ihrer Linie treu und wollen in den kommenden Monaten sowohl hochrangige Banker als auch ganze Unternehmen anklagen. Doch das ist nicht genug, sagen Kritiker.
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LondonIm weltweiten Zinsskandal rechnen die britischen Ermittler in den kommenden Monaten mit weiteren Anklagen. Hochrangige Banker stünden dabei genauso im Fokus wie ganze Unternehmen, sagte eine Sprecherin des Serious Fraud Office (SFO) am Donnerstag in London. Die hohen rechtlichen Hürden seien keine Abschreckung. Es gehe darum, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. „Wir gehen dorthin, wo uns die Beweise hinführen“, betonte sie. Möglicherweise gebe es schon im Herbst weitere Entscheidungen.

Weltweit wird in dem Skandal gegen mehr als ein Dutzend Banken ermittelt, auch gegen die Deutsche Bank. Der Vorwurf lautet, dass mehrere Ringe von Händlern in der Finanzkrise Referenzzinsen wie Libor und Euribor zu ihren Gunsten manipuliert haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Der Libor beispielsweise ist einer der wichtigsten Referenzzinssätze für Hypotheken und andere Kredite. Von ihm hängen weltweit Finanzgeschäfte im Volumen von mehreren Hundert Billionen Dollar ab. Einige Geldhäuser haben die Affäre durch hohe Strafzahlungen beigelegt: UBS, Barclays und die Royal Bank of Scotland drückten zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar ab. Andere verhandeln noch über einen Vergleich.

Das SFO ist nur eine von mehreren Behörden, die in dem Zinsskandal rund um den Globus ermitteln. Die Zwischenbilanz der Londoner Behörde fällt Kritikern zufolge allerdings bescheiden aus: So hat sie bislang erst drei Banker vor Gericht gebracht, die in der Hierarchie zudem relativ weit unten angesiedelt waren. Weil das SFO als chronisch unterfinanziert gilt, erhält es für die Libor-Ermittlungen jetzt finanzielle Unterstützung von der Regierung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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