Zinsskandal
Jeder vierte Deutsche hält Banker für „äußerst kriminell“

Die Manipulationen des Referenzzins Libor durch Großbanken schaden dem Ansehen der ohnehin verrufenen Branche. Die Vertrauenswerte sinken. Banker gelten bei vielen sogar als kriminell - nicht ganz zu unrecht.
  • 67

Düsseldorf/LondonDas Ansehen der Finanzbranche nimmt nach dem Skandal um die Libor-Manipulationen weiteren Schaden: Fast jeder vierte Deutsche hält Banker für äußerst kriminell. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Mafo exklusiv für Handelsblatt Online durchgeführt hat. Dafür wurden in dieser Woche 1000 Personen nach ihrer Meinung zu den Manipulationen des Referenzzins Libor durch diverse Großbanken befragt.

24,2 Prozent der Umfrageteilnehmer halten Banker demnach für äußerst kriminell. Weniger als ein Prozent der Befragten meint, dass Banker allgemein unschuldig sind. Auf einer Skala von null (äußerst kriminell) bis zehn (unschuldig) ergibt sich ein Durchschnittswert der Antworten von 3,3.

Aktueller Hintergrund: Einer ganzen Reihe von internationalen Großbanken wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor-Zinssatz mit falschen Angaben manipuliert zu haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern. Der Libor wird einmal täglich in London ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Institute und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar.

Am Freitag will die New Yorker Federal Reserve neue Dokumente zum Libor-Skandal veröffentlichen. Die Schriftstücke sollen zeigen, dass sie vor vier Jahren sofort agiert habe, sagte ein Sprecher der Notenbank. Man habe auf die Probleme bei dem Zinssatz hingewiesen und auf Reformen bestanden. Nach der britischen Notenbank war am Mittwoch auch die britische Finanzaufsicht FSA in die Schusslinie geraten. Am Montag muss sich der Chef der FSA vor dem Parlamentsausschuss in London rechtfertigen, warum die Manipulationen jahrelang unbemerkt blieben.

Seite 1:

Jeder vierte Deutsche hält Banker für „äußerst kriminell“

Seite 2:

Mehr als die Hälfte hat Vertrauen verloren

Kommentare zu " Zinsskandal: Jeder vierte Deutsche hält Banker für „äußerst kriminell“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Stehphan
    Ach ja die bösen, bösen Banker. Da haben wir die Sündenböcke der Nation.

    Keiner schreibt "die bösen Banken" sondern ganz gezielt wurden die Verantwortlichen, welche Schattenbanken, und die Auslagerung von Risiken etc. Produkte entwickelten, wo keiner mehr wusste was wirklich in diesen angeblich sicheren Anlagen steckte? Gezielt verschleiert wurde, ein paar gute "Risiken" und den Rest mit vergifteten Papieren, zu Paketen verschnürte, und somit in vielen weiteren Finanzinstituten weltweit vermittelt und verkauft wurden? Dies waren keine Einzelfälle, sondern wurde systematisch betrieben. Exorbitante Provisionen abkassiert, die Risiken aber wurden sozialisiert? Wieso wurden in den USA bisher über 60 Verantwortliche angeklagt und verurteilt? Banken mussten bisher über 200 Milliarden an Strafe zahlen? Und Europa oder Deutschland, da gibt es nicht einmal Gesetze die so ein Vorgehen unter Strafe stellt?

  • Ach ja die bösen, bösen Banker. Da haben wir die Sündenböcke der Nation.

    Vergessen wir die hunderttausende Anleger, die auch nur Profit machen wollen. Meiner Meinung nach ist jeder selber Schuld, der sich nicht mit Finanzprodukten auskennt und trotzdem gutgläubig sein gesamtes Ersparrtes investiert oder obwohl er es besser weiß in hochriskante Produkte versenkt. Man sollte sich zuerst die Geldgeber für die Banken ansehen, bevor man jene verteufelt. Wer Renditen jenseits von 10% erwartet, ist mit Schuld!!

    Lasst uns auch bloß nicht die Staaten anschauen, die durch ihre gnadenlose Überschuldung eine auf Pump,nicht auf reale Wirtschaftsleitung basierende, Gesellschaft aufgebaut haben. Die hochristkannte, auf Fonds aufgebaute Renten sogar noch fördern und ständig mehr und mehr Wirtschaftswachstum fordern. Die marode Banken retten und fördern, obowhl diese immer wieder gezeigt haben, dass man ihnen nicht trauen kann.

    Außerdem drucken die Staaten Geld ohne Ende, was die Inflation rasend schnell wachsen lässt. Allein um sein Vermögen zu halten sollte man schon 2%-5% Rendite jährlich haben(Kapitalsteuer nicht eingerechnet). Wen wundert es da, dass die Banker und Anleger zu hochriskanten, teilweise kriminellen Methoden greifen.

    Das es schwer ist in einem solchen System "sauber" zu bleiben, ist offensichtlich. Doch man sollte nicht alle Banken und Banker über einen Kamm scheren. Es gibt da draußen immer noch viele, die ordentliche Arbeit leisten und versuchen das Beste aus dem System zu machen und für die Menschen arbeiten.

    Der zurzeitigen einseitigen Populismus ("Die Banker sind an allem Schuld!!!"), ist einfach falsch.

  • "Es hat nur jemand anderes - haha" höre ich jetzt jemanden sagen
    Er hat recht, aber jemand anders sind sicher nicht diejenigen, die es nötig hätten.

    Etwa 90% der Angestellten können sich keine andere Anlageform als das Sparkonto leisten, und was passierte damals Ende 80er mit diesen Konten? Die Zinsen wurden von den Banken in konzertierter Aktion innert weniger Jahren von ca 3-5% auf lächerliche 1% oder weniger runtergedrückt. E-on Aktien, die Volksaktie, die weiss nicht wieviele hunderttausend Kleinverdiener in den Ruin trieb? Die genaue Zahl wird natürlich tunlichst unter Verschluss gehalten...
    Immer mehr Banken streichen ab einem gewissen Kontobetrag die Kontoführungskosten, wieder schauen die Kleinen in die Röhre. All die Spezialarrangements für Superreiche, Pauschalbesteuerung, Bermuda-Produkts, Scheinstiftungen in Liechtenstein, Scheinversicherungen etc.... Den Preis für Die ganze Kacke, wenns wie jetzt steil runter geht, bezahlt natürlich wieder der Kleine mit Steuer/mehrwertsteuer -erhöhung, unverschämten Mietzinserhöhungen, all die kleinen Preiserhöhungen im täglichen Leben etc
    So wie sie schreiben, muss ich annehmen, dass sie ein stiller Teilhaber dieses Kuchens, der vor allem auf Kosten der weniger Betuchten (die sich nicht wehren können) gebacken wird und dann unter den Aasgeiern eines jeden Staates, den Oligarchen und deren Schergen, zu finden auch in den Regierungen, aufgeteilt wird, sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%