Zinswetten
Deutscher Bank droht Ärger in Österreich

Das österreichische Bundesland Salzburg prüft Schadensersatzansprüche gegen Banken, die dem Land riskante Finanzprodukte verkauft haben. Auch der Deutschen Bank droht neuer Ärger nach dem Zinswetten-Skandal in Italien.
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FrankfurtDer Deutschen Bank droht dem „Spiegel" zufolge neuer Ärger im Zusammenhang mit Zinswetten. Schon seit einiger Zeit prüfe die Regierung des österreichischen Bundeslandes Salzburg Schadensersatzansprüche gegen Banken, die dem Land über Jahre riskante Finanzprodukte verkauft hätten, meldete das Magazin am Sonntag. Ein Untersuchungsausschuss befasse sich mit der Affäre.

Quartalszahlen

Ergebnisse der Deutschen Bank (nach Steuern)

in Milliarden Euro


Meinhard Lukas, Berater des Landes bei der Aufarbeitung des Finanzskandals, wolle nun die Rolle der Deutschen Bank genauer durchleuchten. „Die Deutsche Bank hat die Salzburger Finanzverwaltung auf diesem Weg intensiv begleitet. Das wirft zahlreiche Rechtsfragen auf", sagte Lukas dem Magazin. So habe die Bank dem Land hochkomplexe Produkte verkauft, ohne über deren anfänglichen Marktwert aufzuklären. Auch habe die Bank eine Doppelrolle gespielt, da sie Risikoberichte über das gesamte Finanzportfolio für Salzburg erstellte, zugleich aber einer der wichtigsten Lieferanten der umstrittenen Produkte war.

Die Deutsche Bank erklärte am Sonntag, „die Transaktionen erfolgten im Einklang mit den gesetzlichen Regelungen und den Richtlinien der Bank." Weiter wollte sich ein Sprecher nicht äußern.

Riskante Zinswetten gegen Städte und Kommunen haben die Deutsche Bank und andere Investmentbanken bereits in Italien in die Schlagzeilen gebracht. Ein Gericht in Mailand hatte die Banken im Dezember des schweren Betrugs für schuldig befunden. Die Banken hatten Derivate an die Stadt Mailand verkauft, die sie mit der Aussicht auf niedrigere Zinsen köderten.

Doch letztlich kosteten die Zinsswaps die Stadt Millionen. Das Urteil war nur der Auftakt zu einer ganzen Serie von Prozessen: Rund 600 italienische Kommunen haben Derivate im Volumen von 36 Milliarden Euro gekauft, nun drohen ihnen nach Daten der heimischen Notenbank daraus Verluste von fast vier Milliarden Euro. Alle Banken hatten Berufung gegen das Urteil angekündigt.

Auch in Deutschland wollten Kommunen mit riskanten Zinsswaps - Wetten auf die künftige Zinsentwicklung - ihre Zinslast senken und häuften stattdessen Verluste an. Schlagzeilen machten etwa Pforzheim und Landsberg am Lech, die jeweils mehrere Millionen in den Sand setzten und sich noch heute mit der Aufarbeitung ihrer Finanzskandale beschäftigen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich kann es langsam nicht mehr hören: die ganze Welt hat mitgezockt und keiner will es verstanden haben. Es ist doch keine Überraschung, dass eine Bank, die die Finanzverwaltung Salzburg berät, auch versucht eigene Produkte abzusetzen. Jede Finanzabteilung einer Unternehmung beachtet dies und steuert ihre Bankverbindungen am sogenannten cross-selling. Will man einen Interessenkonflikt vermeiden, zieht man (bank-) unabhängige Berater hinzu, die Neutralität gewähren können. Alles andere ist schon nicht mehr als naiv sondern eher als fahrlässig zu bezeichnen.

  • So ist es doch überall im Salestrading/Sell-Side: Wenn sie Verluste machen versuchen sie die Schuld bei andern zu suchen. Bei Gewinnen bekommt man nicht einmal ein Dankeschön.

    Versagerpack !

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