Zloty-Hypotheken
Polen drangsaliert ausländische Banken

Der Kursverfall des Zloty besorgt die polnische Politik. Nun sollen ausländische Banken in die Pflicht genommen werden, um die Währung zu stärken. Doch die wehren sich mit allen Mitteln.
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Warschau/WienWahlkampf statt Sommerloch: Ausländische Geldhäuser in Polen wie die Commerzbank, die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI) und die spanische Banco Santander sehen sich plötzlich in der Rolle des Spielballs im Kampf um Wählerstimmen wieder. Es geht um Kredite in Schweizer Franken, die die polnischen Kunden begierig aufgenommen hatten. Doch nach dem Kursverfall des Zloty zur Schweizer Währung will das Parlament die Banken zwingen, die Darlehen in Zloty-Hypotheken umzutauschen. Im Fokus stehen Kredite von gut 34 Milliarden Euro - das entspricht acht Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Der Zwangsumtausch könnte die Banken fünf Milliarden Euro kosten - doch die wollen sich das nicht bieten lassen.

Die Institute haben sich zusammengetan, um die Politik von dem umstrittenen Vorhaben abzubringen. Schreiben an die Regierung und Parlamentarier sind schon verschickt, wie mehrere Banker sagten. Sollten sie sich davon nicht erweichen lassen und der vorliegende Gesetzesentwurf in Kraft treten, wären Klagen und langwierige internationale Schiedsverfahren der nächste Schritt. Denn die Banken sehen mit dem Gesetz Verfassungsrecht und Investitionsschutzabkommen verletzt. „Die Politiker verstehen das einfach nicht“, beschwert sich ein hochrangiger polnischer Banker. „Die Konsequenz ist folgende: Die ausländischen Banken rufen ein Schiedsgericht an, und nach zwei Jahren muss Polen die Schäden begleichen.“

60 Prozent des polnischen Bankensektors stehen im Besitz ausländischer Großbanken: Die Commerzbank-Tochter mBank ist mit einem Schweizer-Franken-Kreditvolumen von umgerechnet 5,2 Milliarden Euro am zweitstärksten betroffen. Mehr Franken-Hypotheken hatte nur die heimische PKO vergeben. Bei der RBI-Tochter Raiffeisen Polbank geht es immerhin um fast drei Milliarden Euro.

Der Ursprung des Problems reicht Jahre zurück: Vor der Finanzkrise hatten sich viele Polen den Traum von den eigenen vier Wänden mit einem Fremdwährungskredit finanziert - zumeist in Schweizer Franken. Das schien damals wegen der niedrigen Zinsen ein gutes Geschäft. Doch die vermeintlichen Schnäppchen entpuppten sich als Kostenfalle - denn der Franken hat seither im Vergleich zum Zloty mehr als 80 Prozent an Wert gewonnen. Die Polen müssen also deutlich tiefer in die Tasche greifen, um ihre Hypotheken-Kredite zurückzuzahlen.

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