Zocker-Skandal
UBS-Chef Grübel klammert sich an seinen Job

UBS-Händler Adoboli hat wahrscheinlich schon seit 2008 unerlaubt Milliarden verzockt, doch das Risikomanagement der Bank bemerkte nichts. Trotzdem denkt UBS-Chef Grübel nicht an Rücktritt. Politiker fordern Konsequenzen.
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Genf/Zürich/FrankfurtUngeachtet des Milliardenverlusts der Schweizer Großbank UBS durch illegale Geschäfte eines Londoner Händlers lehnt der UBS-Vorstandsvorsitzende Oswald Grübel einen Rücktritt ab. "Ich habe die Verantwortung für alles, was in  der Bank passiert - ich fühle mich aber nicht schuldig", sagte Grübel der Schweizer Zeitung "Sonntag". Mit Blick auf Rücktrittsforderungen linker Politiker sagte er, diese seien "rein politisch" motiviert. Er denke nicht über einen Rücktritt nach,  letztlich liege die Entscheidung aber beim UBS-Verwaltungsrat.

"Wenn jemand mit krimineller Energie vorgeht, können Sie nichts machen. Das wird es in unserem Job immer geben", sagte der UBS-Chef zu den betrügerischen Geschäften, die am Donnerstag in der Londoner Zentrale aufgedeckt worden waren. Grübel wollte in dem Interview keine näheren Angaben dazu machen, wann er selber von dem Milliarden-Verlust erfahren hat: „In dem Zeitpunkt, wo wir es entdeckt haben“, sagt er auf die entsprechende Frage. Der Vorfall wird derzeit von den Finanzaufsichten der Schweiz und Großbritanniens untersucht. Mit der Untersuchung ist ein außenstehendes Unternehmen beauftragt, das unabhängig von der UBS sein soll.

Der Deutsche Grübel hatte die Führung der UBS mitten in der Finanzkrise übernommen und die angeschlagene Bank bis 2010 aus der Verlustzone geführt. Seit Bekanntwerden der illegalen Geschäfte steht er ebenso wie der Chef der Investment-Sparte, Carsten Kengeter, aber zunehmend unter Druck.

UBS-Großaktionär Singapur hält laut "NZZ am Sonntag" an Grübel fest. Die Frage nach dem Chefposten sei Sache des Verwaltungsrats, sagte Grübel. In diesem Gremium hat der UBS-Chef Berichten anderer Sonntagszeitungen der Schweiz zufolge weiter Rückhalt. Die UBS stellt zudem ihr Investmentbank-Geschäft auch nach den entdeckten illegalen Geschäften nicht grundsätzlich infrage. Analysten gehen aber davon aus, dass die größte Schweizer Bank ihr Investmentbanking nach dem Handelsskandal verkleinern und neu ausrichten muss.

UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger sagte dazu der „Neuen Zürcher Zeitung“ vom Samstag zufolge, die Investmentbank als solche stehe für die UBS nicht zur Disposition. Sie werde gebraucht. Die Strategie einer auf Dienste für die Kunden ausgerichteten Investmentbank bewähre sich. Abzuklären gelte es jedoch, ob und wie die Kundenfokussierung und die Kontrolle noch weiter verbessert werden könnten. Klar sei auch, dass die Investmentbank künftig mit weniger Kapital werde auskommen müssen.   

Der Handelsskandal komme zur Unzeit, sagte Villiger der Zeitung zufolge weiter. Er sei eigentlich wirklich überzeugt, dass es der UBS-Führung gelungen sei, das Risikomanagement und die Kontrolle auf die Höhe der Zeit zu bringen. Die Tatsache, dass so etwas trotzdem habe passieren können, zeige, dass es irgendwo noch Lücken gebe, die geschlossen werden müssten.  

Die Schweizer Großbank hat mittlerweile eine unabhängige Untersuchungskommission auf den Fall angesetzt und eine externe Prüfungsgesellschaft engagiert, teilte das Unternehmen mit. Die Kommission wird von dem UBS-Verwaltungsrat David Sidwell geleitet, der früher Finanzchef bei Morgan Stanley war.      

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"Der Fall UBS macht eine Neuordnung des Bankensektors nötig"

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  • Aber ist das nicht eh alles wertloses Monopoly-Geld? Der Typ hatte einfach kein Würfelglück. Aber vielleicht kommt er ja per Pasch wieder aus dem Gefängnis frei ;)

  • Man kann sich kaum vorstellen, dass der etwas dunkler pigmentierte Kollege, der mit Bubigesicht freundlich bei seiner Festnahme in die Kamera auf der Welt am Sonntag-Ausgabe lächelt, ohne Kontrolle und am wenn denn existenten Riskmanagement dieser Bank vorbei, 2 Mrd $ in die Grütze fährt. Aber es scheint zu funktionieren. Und den Verantwortlichen geht das total ab. Wenn die Führung so denkt, warum sollte das Kerlchen da nicht lächeln? Was für ein Sumpf! Nichts gelernt, aber auch gar nicht, hat die UBS.

  • Findet man irgendwo im Netz Details zu den schief gelaufenen Wetten? Mich würde das echt mal interessieren wofür das ganze Geld eigentlich drauf gegangen ist.

    Aber eigentlich sollte man das locker sehen, die Kohle ist ja nicht weg. Sie hat nun bloß jemand anders ;)

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