Zu strenge Bankenaufsicht
Barclays droht mit Wegzug aus London

Das Verhältnis zwischen der britischen Regierung und den Banken des Königreichs hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die Barclays-Bank denkt intensiv darüber nach, ihre weltweite Konzernzentrale ins Ausland zu verlegen.
  • 6

LondonEine als zu streng empfundene Bankenaufsicht macht der britischen Bank Barclays offenbar die Heimat madig. Das Londoner Traditionshaus erwägt einen Umzug in ein ausländisches Finanzzentrum, wie am Mittwoch aus mit der Sache vertrauten Kreisen verlautete. Damit würde sich die Bank die hohen Kosten sparen, die durch die härteren Eigenkapitalvorschriften auf sie zukämen.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge ist eine Verlegung des Konzernsitzes nach New York im Gespräch. Dies würde die Bank zunächst mehrere Hundert Millionen Pfund kosten, berichtete die Zeitung. Barclays prüfe derzeit, ob ein Umzug sinnvoll sei. Es gebe bereits erste Gespräche mit den US-Aufsichtsbehörden. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, ein Umzug der Bank in seine Stadt wäre „großartig“. Allerdings biete New York keine speziellen Anreize dafür an.

Die Bank wollte sich nicht äußern. Sie hatte zwar bereits deutlich gemacht, einen Verbleib in London zu bevorzugen, wo Barclays seit mehr als 300 Jahren zu Hause ist. Manager Marcus Agius sagte aber schon im August, Barclays und andere Institute müssten sich wegen der weltweit geänderten Aufsichtsregeln Gedanken über ihre Firmensitze machen. Sein HSBC-Kollege Douglas Flint erklärte erst am Dienstag, unter Umständen könnten die britischen Banken durch Auflagen Kunden verlieren und müssten daher „Entscheidungen treffen, um ihre Geschäfte zu sichern“. Und Konkurrent Standard Chartered sprach zuletzt von einer nachlassenden Attraktivität des Finanzplatzes London.

Barclays könnte sich nach Einschätzung der Analysten der Schweizer Bank UBS aus Rücksicht auf die eigenen Aktionäre zu einem Abzug gezwungen sehen. „Während die Bezahlung des Personals durch den internationalen Vergleich bestimmt wird, wird die Entlohnung der Anteilseigner offenkundig zunehmend von den nationalen Aufsehern bestimmt“, heißt es in einer UBS-Studie. „Wenn sich dieser Unterschied verfestigt, hat Barclays unserer Auffassung nach kaum eine andere Wahl, als eine Änderung des Firmensitzes ins Auge zu fassen.“

Wenn Banken ihre Geschäfte mit mehr Eigenkapital absichern müssen, schränkt das ihre Gewinnchancen ein - und damit am Ende auch die Ausschüttungen an die Aktionäre. Die unter dem Schlagwort Basel III bekannten künftigen internationalen Regeln sehen eine harte Kernkapitalquote von sieben Prozent vor. In bestimmten Ländern wie Großbritannien und der Schweiz setzen die Aufseher hier die Latte noch höher. Außerdem gibt es in Großbritannien Überlegungen, dass die Institute ihre Investmentbanken gesondert mit Kapital ausstatten. Dazu müssten Milliarden aufgebracht werden.

Experten zufolge könnte ein Wegzug aus London auch ein großer finanzieller Verlust für die Stadt sein. Allein in Großbritannien zahlte Barclays im vergangenen Jahr 2,8 Milliarden Pfund (3,2 Milliarden Euro) Steuern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Zu strenge Bankenaufsicht: Barclays droht mit Wegzug aus London"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • das gesamte Bankwesen ist nur eine Serviceindustrie, die geschaffene Werte auf jede Art und Weise auf den Level einer Spielbank bringt.
    Es wird nichts hergestellt oder geschaffen, sondern nur Gelder und Werte anderer Leute verschoben. Die eigentlichen Werte muessen Arbeiter erwirtschaften. Und wenn die Geldinstitute Geld verlieren, muessen die Arbeiter dafuer haften. Keine kommunistische oder sozialistische Traumtaenzerei, sondern nur klare Fakten.

  • Es ist eine unbeschreibliche Frechheit, wenn Barclays mit Wegzug droht, weil die Gesetze etwas den Realitäten angepasst werden. Fast möchte man Barclys helfen die Koffer zu packen. Es kann Großbritannien und Europa nichts besseres passieren, als dass solch tickende Zeitbomben woanders explodieren.

  • Text:
    Die unter dem Schlagwort Basel III bekannten künftigen internationalen Regeln sehen eine harte Kernkapitalquote von sieben Prozent vor.

    Mit dieser Kernkapitalquote sind immer noch gut 18 Prozente Rendite zu erwirtschaften!
    (Ich müsste es genauer durchrechnen)

    Das sind keine HARTEN Regelungen!

    Der Vergleich hinkt!
    Wenn ein Industrieunternehmen nur eine Kernkapitalquote von 7 Prozent besitzt, sind die Renditen auf das Eigenkapital hoch und die Steuern gering.

    Wenn dieses Unternehmen in eine normale Rezession kommt, wird das Eigenkapital weniger (Verluste) damit wird die Hausbank die Kredite zu Recht kündigen weil keine Sicherheiten mehr vorhanden sind. Es droht eine Insolvenz!

    Wenn eine Bank eine Kernkapitalquote von weniger als 7 Prozent besitzt, sind die Renditen auf das Eigenkapital hoch (20 Prozent sind kein Problem) und die Steuern gering.

    Bei einer normalen Wirtschaftsflaute wird die Bank dann vom STAAT gerettet!

    Wir sollten doch nach HGB Bilanzieren!


Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%