Zur Commerzbank-Hauptversammlung
Lieber Martin Blessing...Ihr Wolfgang Schäuble

Martin Blessing stellt sich der Kritik der Aktionäre, zu denen auch die Bundesregierung zählt. Handelsblatt Online schreibt einen Brief an den Commerzbank-Chef, wie ihn Finanzminister Schäuble hätte verfassen können.
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Lieber Martin Blessing,

Sie sitzen heute auf dem Podium bei der Hauptversammlung jener Bank, an der auch ich beteiligt bin. Vielleicht haben Sie, lieber Herr Blessing, ja zwischendurch kurz Zeit, meine Zeilen zu lesen. Seien wir ehrlich zueinander: Wir haben immer nur zusammengearbeitet, weil wir mussten, nicht weil wir wollten. Das ist nichts Persönliches, sondern so ist das Leben. Und wir müssen beide nur abarbeiten, was unsere Vorgänger uns hinterlassen haben. Und so müssen Sie mit den Folgen der Übernahme der Dresdner Bank kämpfen, und ich eben mit den Anteilen an ihrer Bank.

Erinnern Sie sich noch? Damals hatte die Bundesregierung über den Soffin einen Anteil von 25 Prozent an der Commerzbank erworben, um durch die Krise zu helfen. Pro Aktie haben wir im Schnitt 34,70 Euro bezahlt. Wir als Bundesregierung und ich im Besonderen haben damals viel Prügel bezogen. Aber Sie waren eine Bank in Not, und wir wollten nicht, dass sich das Lehman-Desaster in Deutschland wiederholt. Also haben wir geholfen: 18,2 Milliarden Euro haben wir damals über den Soffin in ihre Bank gesteckt. 16,4 Milliarden Euro davon als stille Beteiligung.

Das ist selbst für einen Bundesfinanzminister von meinem Kaliber viel Geld: Mehr geben Innenministerium, Außenministerium und Finanzministerium zusammen in einem Jahr nicht aus. Wir hätten auch drei Jahre die Mütterrente auszahlen können. Einfach so. Aber wir haben Ihnen geholfen. Wahrscheinlich war das vernünftig, ganz sicher war es teuer.

Wissen Sie noch, was mein Vorgänger Peer Steinbrück damals bei „Beckmann“ verkündete? „Wenn es nach mir geht, veräußern wir diese 25 Prozent so schnell wie möglich, möglichst zu einem besseren Preis als zu unserem Einstand.“ Das ist mittlerweile fünf Jahre her. Von einem besseren Preis sind wir immer noch weit entfernt. Und Dividende haben wir seitdem nie bekommen.

Trotzdem haben wir sogar noch einmal nachgelegt, als Ihre Bank im Jahr 2011 einen Großteil der stillen Einlagen mit einer Kapitalerhöhung zurückzahlte. Damals haben wir sogar noch einmal Aktien gekauft, um unsere Anteile bei 25 Prozent zu halten. Im Grunde haben wir ihre Schulden bei uns selbst übernommen.

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Lassen Sie nicht nach!

Kommentare zu " Zur Commerzbank-Hauptversammlung: Lieber Martin Blessing...Ihr Wolfgang Schäuble"

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  • Was soll der ganze Zirkus?
    H. Blessing hatte bereits bei der Dresdner Bank versagt und ist geblieben. Also hat er irgendwo in der Finanzwelt
    einen Schutzengel oder so ähnlich.

  • ENTWURFSVORSCHLAG als Rückantwort

    Lieber Herr Schäuble!

    Das haben Sie aber sehr nett geschrieben. Aber Ihre Argumentation stimmt nicht.

    Die Commerzbank hat Aktien ausgegeben und die sind noch alle da. Es ist keine einzige Aktie verloren gegangen.

    Wenn Sie sich beschweren, dass "Sie" 34 € für Commerzbank-Aktien seinerzeit bezahlt haben, so muss man feststellen, dass Sie einem Dritten sehr aus der Patsche geholfen haben. Die Commerzbank hat davon keinen einzigen Cent gesehen.

    Sie haben also besagte 34 € einem anderen als der Commerzbank gegeben. Das war sehr großzügig von Ihnen, aber eine Verpflichtung hatten Sie dazu nicht.

    Ich weise Sie aber darauf hin, dass Sie diese noble Vorgehensweise nicht erstmalig vorgenommen haben. Bereits früher hatte Sie der ALLIANZ mit der Begründung der Entflechtung der Deutschland AG mehr als 6 Mrd. DM geschenkt.

    Lassen Sie uns aber dennoch festhalten, dass der vorherige Eigentümer der Commerzbank-Aktie sich über diesen, Ihren großzügigen Schritt mehr als gefreut hat.

    Aber lassen Sie uns einen Blick auf einen anderen, ähnlichen Fall werfen. War es nicht die Bundesregierung, die seinerzeit bei der Privatisierungsaktion der TELEKOM die kleinen Privatkunden so richtig ausgenommen hat?

    Blättern Sie nach. Viele Aktionäre sind heute noch sauer auf Sie bzw. Ihren Vorgänger Peer Steinbrück.

    Denken Sie bitte noch einmal darüber nach was Sie über die KfW "gemacht" haben. Den Privaten hatten Sie damals die TELEKOM-Aktien teuer angedreht und dann anschließend über Großinvestoren die Aktien verliehen, die diese wiederum im Markt sofort verkauften, billiger zurück kauften und große Gewinne gemacht haben.

    Wenn Sie also, wie ich Ihrem Schreiben entnehme, mit der Commerzbank nicht zufrieden sind, müssen wir dennoch gemeinsam festhalten, dass wir mit unseren Aktionären aber nicht so umgesprungen sind, wie die Bundesregierung seinerzeit. Derartiges Handeln würden wir in der Commerzbank als Vorstand nicht zulassen.

    Mit freundlichen Grüßen

  • Zitat : Handelsblatt Online schreibt einen Brief an den Commerzbank-Chef, wie ihn Finanzminister Wolfgang Schäuble hätte verfassen können.

    - der Finanz - Fuzzi hätte tatsächlich aber einen ganz anderen Brief verfasst, er hätte nämlich geschrieben :

    - Sie sind auf dem richtigen Weg, obwohl dieser Weg zur Zeit sehr schwierig sein mag, zumal sehr viele Hürden auf dem Weg gepflastert sind und um so mehr ist es wichtig zu wissen, dass dieser Weg nicht verlassen werden dürfe bevor man den Weg zu Ende gegangen sei, weil im Falle des Verlassens des aufgezeigten Weges der Weg nicht mehr klar strukturiert sein würde und auf diesem Weg könnten dann noch mehr Pflastersteine auftauchen , die den Weg auch schwierig gestalten könnten und die notwendige Ausweichmanöver vom richtigen Weg uns auch abbringen könnten und den im allgemeinen richtig gewählten Weg in Abwege verleiten würden, die man dann, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen beseitigt werden müßten !

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