Zusätzliche Belastungen Finanzchef der Deutschen Bank verschreckt Investoren – Aktie stürzt ab

Der Finanzvorstand verkündet schwache Zahlen im Investmentbanking. Aktionäre reagieren dünnhäutig, auch wenn einige Analysten abwiegeln.
Update: 21.03.2018 - 17:23 Uhr 6 Kommentare

Milliarden-Boni für Bank-Manager – trotz jahrelanger Verluste

Milliarden-Boni für Bank-Manager – trotz jahrelanger Verluste

FrankfurtNur selten war ein Quartal in der Geschichte der Deutschen Bank so wichtig wie die ersten drei Monate dieses Jahres. Die leidgeprüften Aktionäre der Frankfurter wollen endlich Fortschritte bei der Sanierung sehen. Doch jetzt erschreckte Finanzvorstand James von Moltke die Investoren mit einer Warnung für das wichtige Investmentbanking.

Wegen des starken Euros und höherer Refinanzierungskosten rechne die Bank mit Belastungen von rund 450 Millionen Euro, sagte von Moltke auf einer Investorenkonferenz der US-Bank Morgan Stanley. 300 Millionen Euro gingen auf das Konto des für die Bank derzeit ungünstigen Wechselkurses der Gemeinschaftswährung zum US-Dollar, 150 Millionen Euro kämen durch höhere Kosten bei der Refinanzierung zustande.

Die Folgen der Aussagen waren dramatisch. Die Aktie des Geldhauses fiel am Mittwoch um bis zu sieben Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Deutsche Bank damit rund ein Viertel ihres Börsenwerts verloren. Der prominente Analyst Stuart Graham vom britischen Research-Haus Autonomous hält von Moltkes Aussagen allerdings nicht für eine verkappte Gewinnwarnung, sondern für einen Sturm im Wasserglas.

Sein Kommentar zu den Kursverlusten: „Fake News“. Bei den höheren Refinanzierungskosten handle es sich lediglich um einen internen Verrechnungseffekt, und die Währungsbelastungen seien am Markt bereits bekannt gewesen.

Tatsächlich betonte von Moltke, dass inklusive der Belastungen die Einnahmen im Investmentbanking im ersten Quartal leicht unter dem Vorjahreswert lägen. Das deckt sich mit den Durchschnittsschätzungen der Analysten, die für den Bereich Einnahmen von 4,3 Milliarden Euro erwarten nach 4,4 Milliarden Euro 2017.

Daraus ergibt sich eine Prognose für den Gewinn vor Steuern von 692 Millionen Euro nach 706 Millionen Euro. Für die gesamte Bank erwarten die Analysten für die ersten drei Monate ein Nettoergebnis von 662 Millionen Euro, das wäre ein Plus von 15 Prozent.

Die Verwirrung rund um die Aussagen von Moltke war nicht die einzige schlechte Nachricht für die Frankfurter. Die sogenannten League Tables, die die Performance der Investmentbanken messen, scheinen auf den ersten Blick einen Absturz der Deutschen Bank auf dem Heimatmarkt zu zeigen.

Die vorläufigen Daten des Informationsdienstes Thomson Reuters führen das Geldhaus in der Königsdisziplin, der Beratung von Fusionen und Übernahmen (M&A), im ersten Quartal nicht mehr unter den ersten 15. Das hängt allerdings mit dem Stichtag 19. März zusammen. Dadurch wurde ein Verteidigungsmandat des Energiekonzerns Innogy für die Deutsche Bank nicht mehr eingerechnet.

Berücksichtigt man diesen Deal, würde die Deutsche Bank in den League Tables gemessen am Wert der betreuten Fusionen nach internen Berechnungen auf dem vierten Rang rangieren. Nimmt man nicht das Volumen der Deals als Maßstab, sondern die Gebühren, die die Banken im deutschen M&A-Geschäft verdienen, hätte die Deutsche Bank ihren ersten Platz so oder so verteidigt.
Einige Stunden nach den Aussagen von Finanzvorstand von Moltke lag die Aktie der Frankfurter trotz aller Erklärungsversuche noch immer mit knapp sechs Prozent im Minus. Unabhängig von den „Fake News“ hätten viele Investoren auf ein besseres erstes Quartal gehofft, meint Analyst Graham. Aber eigentlich wäre es für die Deutsche Bank bereits ein Erfolg, im ersten Quartal die Analystenschätzungen zu treffen - nach fünf Enttäuschungen in Folge.

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6 Kommentare zu "Zusätzliche Belastungen: Finanzchef der Deutschen Bank verschreckt Investoren – Aktie stürzt ab"

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  • Irgendwo habe ich das Gefühl, bei der DB liegt noch eine sehr große Leiche im Keller.
    In einer Welt voller Sanktionen, kann man was übersehen...oder so ähnlich

  • Wenn Sie - egal ob als Selbständiger oder Arbeitnehmer - wissen, dass Sie jeden nur erdenklichen Bockmist verzapfen können und jedes nur erdenkliche Risiko eingehen können, man Sie IMMER decken wird, und Sie niemals (auch finanziell) abgestraft werden oder gar pleite gehen können, da sie UNENTBEHRLICH = SYSTEMRELEVANT SIND, dann kommt es zum MORAL HAZARD.
    Und selbstverständlich werden Sie dann Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren.
    Das Grundproblem ist eben NICHT der böse, böse Kapitalismus, sondern der KORPORATISMUS zwischen Hochfinanz und Politik. Die Politik deckt die Hochfinanz (in den USA besonders extrem, da einige der größten Banken des Landes Miteigentümer der Zentralbank sind).
    Im Falle der DB sieht es so aus: würde die Politik die DB nicht mehr "decken", dann wäre schlicht und ergreifend eine $55 Billionen-Derivate-Bombe (Stand 2014) "ungedeckt":
    "As always, there is nothing to worry about: this €55 trillion in derivative exposure, should everything go really, really bad is backed by the more than equitable €522 billion in deposits, or just over 100 times less."
    https://www.zerohedge.com/news/2014-04-28/elephant-room-deutsche-banks-75-trillion-derivatives-20-times-greater-german-gdp

  • Dicke Boni und schwache Erträge, ist das die neue "Kultur"? Die Aktie der Deutschen Bank hat sich zu einem Zuckerpapier entwickelt! Wenn der Kursverfall so weitergeht dann ist die Aktie bald ein Penny Stock. Die Erträge für den Börsengang der DWS (1,6 Mrd EUR?) werden gleich den Investmentbankern in die Taschen gesteckt und die "performen" nicht einmal gut.

  • Wie kann man nur den unfähigen Investmentbanker 2,3 Mio Boni zahlen?
    Bei Währungsschwankungen sollten gerade die Investmentbanker durch kluges handeln profitieren können.
    Es ist absoluter Schwachsinn zu glauben, dass man schlechte Leute mit viel Geld zu guter Leistung motivieren kann!

  • Wenn man sich auf etwas wirklich verlassen kann, dann sind es die
    schlechten Nachrichten zur Deutschen Bank.

  • Parallelen zu Lehman Brothers würden sich bei erster Betrachtung aufdrängen. Aber diese Bank ist viel zu unbedeutend als das ihre Pleite oder Übernahme große Wellen schlagen könnte.
    Die Probleme der Deutsche Bank beruhen zur Gänze auf der Unfähigkeit und Inkompetenz ihrer Mitarbeiter auf allen Ebenen. Verkrustet, im Gestern verhaftet, eitel und gierig darauf bei den großen Jungs mitspielen zu dürfen, waren diese Lächerlinge jahrzehntelang ein dankbares Opfer der Vollprofis. Bei uns hieß es immer: Hast Du irgendwelchen Müll, lad ihn bei der Deutsche Bank ab, die fühlen sich sogar noch geehrt und balgen sich um den Sch...!
    Nächstes Problem in der Zukunft: Kein "High Potential" wird auch nur in Erwägung ziehen, zur Deutsche Bank zu gehen und wenn doch, ist er kein wirklicher "High Potential" Die Personaler müßen sich also immer fragen: "Warum will der zu uns, was stimmt mit dem nicht?"

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