Zweifelhafte Geschäfte
Infinus-Skandal erreicht Ergo

Auch der Versicherungskonzern Ergo schloss dubiose Deals mit der Skandalfirma Infinus ab. Es geht um Lebensversicherungen im dreistelligen Millionenbereich.
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DüsseldorfDer Anlegerskandal um die Dresdner Finanzfirma Infinus erreicht die Ergo-Versicherung. Wie die digitale Tageszeitung Handelsblatt Live berichtet, haben Töchter des Düsseldorfer Versicherungskonzerns fragwürdige Lebensversicherungen mit Unternehmen aus der Infinus-Gruppe geschlossen. Damit gerät nach der Gothaer Versicherung und den österreichischen Assekuranzen Uniqa und Wiener Städtische ein weiteres Versicherungsunternehmen in den Skandal.

Die Geschäftsbeziehung zwischen Ergo und Infinus besteht demnach seit mehr als 20 Jahren. Zwischen 1990 und 2008 liefen die Deals vor allem über die Ergo-Tochter Victoria Lebensversicherung ab. Allein die Policen mit der Victoria haben einen Rückkaufswert von 150 Millionen Euro, ähnliche Policen wurden im Zeitraum von 2008 bis 2013 mit einer zweiten Ergo-Tochter, der Vorsorge Lebensversicherung Luxemburg, geschlossen. Sie belaufen sich auf 33 Millionen Euro. Für die Vermittlung der Policen überwiesen die Ergo-Töchter hohe Provisionen – und zwar zurück an Unternehmen der Infinus-Gruppe.

Laut der Staatsanwaltschaft Dresden hatten solche „gruppeninternen Geschäfte“ vor allem einen Zweck: Sie stellten einen „künstlichen Ertrag“ in den Bilanzen dar. Mit aufgeblähten Zahlen wie diesen soll die Infinus-Mutter „Future Business“ (Fubus) Zehntausende Anleger für ihre Orderschuldverschreibungen begeistert haben. Die Staatsanwaltschaft wirft zehn Infinus-Managern vor, ein Schneeballsystem betrieben zu haben. 25.000 Anleger mit einem Anlagevermögen von 400 Millionen Euro sind laut Staatsanwaltschaft betroffen. Nach dem Zusammenbruch des Firmengeflechts dürfte die Zahl inzwischen höher liegen. 18 Firmen der Gruppe sind zahlungsunfähig.

Die Staatsanwaltschaften Dresden und Luxemburg haben bei der Ergo um Auskunft gebeten. „Wir unterstützen die Strafverfolgungsbehörden bei ihren Ermittlungen. Mitarbeiter der Ergo Versicherungsgruppe sind nicht Beschuldigte des Verfahrens“, heißt es aus dem Unternehmen.

Massimo Bognanni ist Reporter im Handelsblatt Investigativ-Team.
Massimo Bognanni
Handelsblatt / Reporter im Investigativ-Team

Kommentare zu " Zweifelhafte Geschäfte: Infinus-Skandal erreicht Ergo"

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  • Das ist ein Hammer! Nach den Skandalen um Riester, baV und Budapest dachte man immer, bei der Ergo hätte man aufgeräumt. Pustekuchen. Verglichen mit dem mutmaßlichen Betrugsfall Infinus war die HMI der reinste Knabenchor - mit Verlaub. Warum gibt es immer wieder diese negativen Schlagzeilen zur Ergo? Was macht die Allianz anders?

  • Wenn es sich um ein Schneeballsystem gehandelt haben sollte (bis heute noch nicht bewiesen) ist die neue Erkenntnis, das renomierte Versicherungen mit darin verstrickt sein sollen, für die Gläubiger eine gute Nachricht. Falls sich das bewahrheiten sollte könnte die Staatsanwaltschaft gegen die Versicherer vorgehen. Das könnte für gothaer und Ergo sehr sehr teuer werden, zu gunsten der Infinus Geschädigten.
    Das wird noch weitere Kreise ziehen.
    Man darf gespannt sein...

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