Zwielichtige Geschäfte
Erdbeben in der Vatikanbank

Die Direktoren der Vatikanbank IOR treten zurück. Sie stehen unter Verdacht, Offshore-Geschäfte gedeckt zu haben. Damit wird das Schicksal des seltsamen Finanzinstituts immer ungewisser.
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MailandAm Anfang war das Konto. Kontonummer 49577 bei der römischen Filiale des Credito Artigiano. Das stand im Visier der Ermittlungen der Staatsanwälte, die zunächst den spätberufenen Ex-Banker Monsignore Nunzio Scarano zu Fall brachten und nun auch die Direktoren des IOR.

Der Generaldirektor Paolo Cipriani und der Vizedirektor Massimo Tulli haben beide ihren Rücktritt eingereicht, „im besten Interesse des Instituts selbst und des Heiligen Stuhls“ wie es in einer Mitteilung heißt. Vorübergehend nimmt der deutsche Präsident Ernst von Freyberg den Posten, den der scheidende Papst Benedikt XVI noch in seinen letzten Tagen ernannt hatte.

Das Erdbeben im Ior kommt nicht von ungefähr. Papst Franziskus, der sich nach dem Freund der Armen, dem Heiligen Franziskus von Assisi nennt, räumt auf. Erst vergangene Woche hat er eine Untersuchungskommission eingesetzt, die Licht ins Dunkel des Instituts bringen soll. Seitdem überschlagen sich die Ereignisse.

Am Wochenende wurden die Machenschaften von Scarano bekannt, dessen Spitzname „Monsignore Cinquecento“ war, weil er über so viele 500-Euro – Scheine verfügte. Der Monsignore, der früher bei der Banca d`America gearbeitet hatte, die als Mafia-Bank bekannt ist, hat den Ruf Gottes erst mit Mitte 30 erhört. Sein Faible für Geld verließ ihn jedoch nie.

Über das Ior soll der Monsignore Nunzio Scarano illegale Gelder gelaufen lassen haben. Zuletzt hatte er versucht, für befreundete Reeder 20 Millionen Euro aus der Schweiz zu schaffen – an der Steuer vorbei und übers Ior. Die beiden Direktoren Cipriani und Tulli sollen davon gewusst oder zumindest nichts dagegen getan haben.

Cipriani war auch die Person, den der ehemalige Santander-Banker Ettore Gotti Tedeschi als seinen internen Feind ausgemacht hat, als er bei dem Skandal-Institut aufräumen wollte. Gotti Tedeschi musste gehen, ohne dass die Gründe je ganz klar geworden sind. Er selbst sagte, er sei bei seiner Arbeit behindert worden und fürchte um sein Leben.

Das Institut verwaltet rund sieben Milliarden Euro, machte im vergangenen Jahr 87 Millionen Euro Nettogewinn und hat 114 Mitarbeiter und offiziell 18.900 Kunden. Wer genau die Kunden sind, ist jedoch unklar. Offiziell dürfen nur Bewohner des Vatikans und Mitglieder verschiedener kirchlicher Organisationen ein Konto beim Ior haben. Es sind aber mehrere Fälle an die Öffentlichkeit gekommen, in denen die Konten tatsächlich anderen Menschen wie Politikern oder Unternehmen dienten, die nicht zur Kirche gehörten und  stattdessen das Ior nutzten, um ihre Zahlungsströme geheim zu halten.

Wie es mit dem Institut weiter geht, ist unklar. Der Papst ist kein Freund des Ior und hat auch schon gesagt, dass der „Heilige Petrus kein Bankkonto“ hatte. Er könnt das Haus theoretisch auch schließen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Zwielichtige Geschäfte: Erdbeben in der Vatikanbank"

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  • Die geldgeilen Pfaffen gehören vor den Kadi geschleppt!!!

  • Welchem Gott dienen den den Überhaupt?
    Dem Gott namens Mammon? Oder gar Lucifer?

    Wie tief kann man noch fallen und trotzdem oben bleiben!?

  • Wurde offensichtlich bei der Sekularisation übersehen. Never too late.

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