Zypern-Krise
Warum Laiki nicht Lehman ist

Als die USA die Pleite von Lehman Brothers beschlossen, geriet das globale Finanzsystem in eine Schockstarre. Mit dem Ende der zyprischen Laiki Bank soll das nicht passieren. Handelsblatt Online analysiert die Risiken.
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Düsseldorfi

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kam plötzlich und unerwartet. Im September 2008 schien es zunächst so, als würde das Institut vor der Pleite gerettet werden – sowie Monate zuvor der Konkurrent Bear Stearns. Doch es kam anders: Lehman wurde der Insolvenz überlassen. Von einem auf den anderen Tag versiegte damit weltweit das Vertrauen der Banken ineinander.

Die Finanzinstitute gewährten sich untereinander keine Kredite mehr, das globale Finanzsystem geriet in eine Schockstarre und an den Nebenwirkungen der Insolvenz knapste die Weltwirtschaft noch Jahre. „Nie mehr Lehman“, lautete danach die Parole. Die Furcht vor einer unkontrollierten Bankenpleite machte den Begriff der systemrelevanten Bank populär. Wer zu dem erlesenen Kreis der Systemrelevanten gehört, sollte im Zweifelsfall vom Staat gerettet werden.

Jetzt starrt die Wirtschaftswelt auf das nächste „L“ – „L“ wie Laiki Bank. Das zweitgrößte zyprische Geldhaus war zwar von der Europäischen Zentralbank zur systemrelevanten Bank gekürt worden, indem es in diverse EU-Stresstests einbezogen wurde. Dennoch haben die EU-Finanzminister jetzt das Aus des Geldhauses beschlossen. Und wieder geht es ganz schnell. „Die Abwicklung der Laiki Bank wird bereits heute gemacht, weil sie keine Liquidität mehr hat“, sagte Österreichs Finanzministerin Maria Fekter am Montag. Dabei werde es zu einer Aufteilung in eine sogenannte Bad Bank und eine Good Bank kommen. Alle gesicherten Einlagen sollen in die größte Bank des Landes, die Bank of Cyprus, überführt werden, sagte Fekter. Die meisten anderen zyprischen Geldhäuser dürfen ihre Filialen am Dienstag wieder öffnen, Laiki Bank und Bank of Cyprus bleiben aber noch geschlossen.

Von der Sorge einer neuen Systemkrise ist dennoch kaum eine Spur. So begrüßte etwa Volksbanken-Präsident Uwe Fröhlich die Einigung. Zypern stabilisiere durch die Abwicklung der Laiki Bank seinen Finanzsektor: „Damit begrenzt Zypern seinen Finanzsektor auf ein vertretbares Maß.“ Ist die Gelassenheit angebracht?

„Aus der Perspektive Zyperns ist die Schrumpfung des Bankensystems ein weitaus dramatischerer Eingriff als es die Pleite Lehmans beispielsweise für die USA war“, sagt Jochen Felsenheimer, Geschäftsführer von Xaia Investment, zu Handelsblatt Online. Im Jahr 2011 hatte der Bankensektor in dem Land das siebenfache Volumen der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes betragen.

Anhand der schlimmsten Nebenwirkungen der Lehman-Pleite analysiert Handelsblatt Online, ob die Entscheidung zum Aus der zyprischen Großbank auch für Europa und den Rest der Welt eine Bedrohung darstellt.

Kommentare zu " Zypern-Krise: Warum Laiki nicht Lehman ist"

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  • Was kostet der "Deal" eigentlich den den deutschen Steuerzahler jetzt? 30%? also um 3 Milliarden Euro?

  • Das ist ein Krieg der Basnken gegen alle Menschen. In Zypern verlieren jetzt kleine und mittlere Unternehmen 40 Prozent ihrer einlagen.
    Zusätzlich werden diese Betriebe sich nicht mehr rekapitalisieren können. Bestimmte -ungenannte- Vermögen wurden trotz Bankferien über das Wochenende ins Ausland (City of London) transferiert. Die zypriotische Kirche verliert 100 Millionen Euro. Die Troika ist eine Bande von Räubern und Erpressern. Die Politik desaströs.
    Das alles natürlich unter Umgehung der Bevölkerung.
    Es gibt keine Demokratie mehr in Europa. Heil dem Bankenfaschismus.

  • Egal welche noch so verschleiernde Verfahrensweisen angewand werden, zuletzt zahlt für die immer noch unregulierte Finanzmafia weltweit der klein Mann und Steuerzahler für die Gewinne und die Verluste der Bankster.

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