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12.01.2009 
Schwellenländer

Börse Ghana: Ein Bündel Dollar für die Rally

von Wolfgang Drechsler

30 Prozent Jahresplus auf Euro-Basis: Mit dieser Erfolgsbilanz hätte die Börse des afrikanischen Musterschülers Ghana noch vor zwei Jahren Fondsgesellschaften und Zertifikate-Emittenten begeistert. Doch die Zeiten haben sich gewandelt, in der Finanzkrise scheuen sie exotische Märkte. Den Höhenflug in Ghana hat das paradoxerweise sogar unterstützt.

Der neue Präsident John Atta Mills gilt in Ghana als Hoffnungsträger. Festigt sich die Demokratie in dem afrikanischen Land, könnte auch die Börse weiter zulegen. Foto: ReutersLupe

Der neue Präsident John Atta Mills gilt in Ghana als Hoffnungsträger. Festigt sich die Demokratie in dem afrikanischen Land, könnte auch die Börse weiter zulegen. Foto: Reuters

ACCRA. Manchmal reicht eine halbe Stunde am Tag. Dann ist die Handelszeit im fünften Stock des schmucklosen Gebäudes an der Liberia Road im Herzen von Accra auch schon vorüber. Ein bisschen Anglogold Ashanti, ein paar Anteile von Golden Star Resources, vielleicht noch einige Papiere von Ecobank Transnational. Dann kehrt wieder Ruhe ein an der Ghana Stock Exchange (GSE), einer der kleineren Börsen der Welt. An manchen Tagen liegt der Umsatz der Papiere bei gerade einmal 5 000 Dollar. Gelegentlich kommt es sogar vor, dass in der ghanaischen Hauptstadt gar nicht gehandelt wird.

Umso überraschender mutet es an, dass ausgerechnet der winzige Aktienmarkt des westafrikanischen Landes, das wirtschaftlich vor allem als Kakao- und Goldproduzent in Erscheinung tritt, im letzten Jahr weltweit für Schlagzeilen sorgte. Mit einem Plus von 30 Prozent wurde Ghanas Aktienmarkt im Horrorjahr 2008 zum Weltchampion der Börsen vor Ecuador und Tunesien - und das währungsbereinigt in Euro.

Der gebeutelte deutsche Anleger sollte sich allerdings davor hüten, sein Geld postwendend in die frühere britische Kolonie zu tragen, auch wenn diese einst Goldküste hieß. Denn ganz so "bullish" wie manche Fondsmanager das Szenario an Afrikas Börsen gerne malen, sind die Aussichten nicht. Im Gegenteil: Ghana ist mit seinen rund 30 notierten Unternehmen ein Musterbeispiel dafür, wie klein und eng die Märkte auf dem schwarzen Kontinent noch immer sind.

Welten liegen zwischen dem gemächlichen Treiben im Cedi House von Accra und dem Handelsgeschehen im Johannesburger Vorort Sandton, wo die an der Johannesburg Stock Exchange (JSE) notierten knapp 400 Unternehmen fast 50 Prozent des gesamten schwarzafrikanischen Sozialprodukts auf sich vereinen. In weniger als einer Woche werden am Kap so viele Aktien umgeschlagen wie in Ghana in einem ganzen Jahr. Wie begrenzt die Aufnahmefähigkeit der ghanaischen Börse ist, lässt sich schon daran ablesen, dass nahezu jede etwas größere Investition dort heftige Kursausschläge nach sich zieht - genau wie jeder kleinere Abfluss.

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