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08.07.2006 
Literatur

Börsenweisheiten: Je einfacher, desto besser

von Ulf Sommer

Simple Börsenregeln à la Kostolany und Buffett feiern Renaissance. Einzige Bedingung: Erfolg in der Vergangenheit – über Jahrzehnte.

DÜSSELDORF. „Aktien sind die beste Langfristanlage.“ Wer mit dem Werbespruch der Investmentbranche reich werden möchte, sollte nicht die zweite Weisheit vergessen: Simple Anlagestrategien sind komplizierten überlegen.

Doch was einfach klingt, ist im Alltag gar nicht so leicht zu beherzigen. Schließlich verleiten die schnelllebigen Finanzmärkte oft genug dazu, mit raschen Käufen und Verkäufen die große Masse schlagen zu wollen. Dabei zeigt die lange Börsengeschichte, dass am Ende der vielen Auf und Ab derjenige am besten wegkommt, der Weisheiten à la André Kostolany folgt. Der Börsenaltmeister empfahl Anlegern, Aktien zu kaufen und sich dann für lange Zeit schlafen zu legen.


» Special: Was Analysten meinen, wenn sie „kaufen“ sagen


Als Binsen verschrien, mit denen sich in der globalisierten Welt kaum noch ein Cent verdienen lässt, erleben solche Regeln ein großartiges Comeback. Keineswegs aus purer Lust zur Schlichtheit, sondern als Ergebnis nackter Zahlen. Denn die wie Pilze aus dem Boden sprießenden „Daytrader“ belegen mit ihren komplexen Computerprogrammen, wie erfolglos das tägliche „Rein und Raus“ aus Aktien ist. Mehr noch: Kaum ein Investmentfonds, geschweige denn ein Hedge-Fonds, schafft es, mit immer neuen Anlagestrategien, herkömmliche Börsenindizes wie Dax und Dow zu schlagen.

Zum eigentlichen Durchbruch verhilft den alten Meistern aber die Renaissance von „harten Zahlen“, also Firmenumsätzen und -gewinnen, und die Wiederentdeckung der Aktie als Wertanlage, nachdem zuvor die großen Börsenträume geplatzt waren. Auf der anderen Seite haben es die rasch emporgestiegenen und selbst ernannten Gurus schwer, ihre Ware mit all der Liebe zum Neuen und Unbekannten feilzubieten.

Nur wer an der Börse über einen langen Zeitraum erfolgreich handelt, qualifiziert sich fortan als Lehrmeister. Die Lehrmethoden können gar nicht alt genug, zu einfach gestrickt und zu klar strukturiert sein. Dafür steht kein anderer als Warren Buffett.

Der geachtete und wegen seiner Kauzigkeit geliebte amerikanische Investor spendete gerade 37 Milliarden Dollar seines Privatvermögens. Seine Essays über Unternehmen und Märkte zeichnen eine verständlich geschriebene Sprache und jederzeit nachvollziehbare Diktion aus. Buffetts Legitimation: Eine Aktie seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway kostet heute über 90 000 Dollar – nach knapp 20 Dollar vor vierzig Jahren. Seite für Seite drängt sich in seinen Schriften der Königsweg auf, dass auf lange Sicht allein die Geldanlage in solide, preiswerte und vor allem jedermann bekannte Anteilsscheine erfolgreich ist.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Mehr als Geld und Gier“

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