Die Nervosität an den Aktienmärkten dürfte auch kommende Woche anhalten, glauben Marktbeobachter: Zahlreiche Unternehmen werden ihre Quartalszahlen vorlegen. Entspannung erhoffen sich die Aktienstrategen vom Ölpreis, der kräftig nachgegeben hat. Konjunkturnachrichten könnten indes neue Sorgen auslösen.
Die Nervosität an den Aktienmärkten dürfte auch kommende Woche anhalten, glauben Marktbeobachter: Zahlreiche Unternehmen werden ihre Quartalszahlen vorlegen.
HB FRANKFURT. HB FRANKFURT. Angesichts einer Flut von Unternehmensbilanzen aus den USA und Europa mögen die meisten Analysten für die neue Woche keine konkreten Prognosen abgeben. „Bei den Kursbewegungen der letzten Tage ist es einfach zu sagen, dass wir weiterhin mit hohen Schwankungen rechnen“, sagt NordLB-Analyst Tobias Basse. Der Dax hat in dieser Woche zeitweise 2,5 Prozent auf 5 999,32 Zähler verloren und damit am Mittwoch vorübergehend den tiefsten Stand seit zwei Jahren erreicht. Doch mit den positiven Überraschungen einiger US-Banken und des weltgrößten Handy-Herstellers Nokia setzte anschließend die Erholung ein.
Unterstützt wurde die Dax-Erholung vom stark fallenden Ölpreis. Mussten vor einer Woche noch 145 Dollar bezahlt werden, kostete das Fass US-Leichtöl am Freitagmittag keine 131 Dollar mehr. Am Donnerstag war der Ölpreis sogar unter 130 Dollar gefallen. Auch andere Rohstoffe wie Zink und Nickel verzeichneten deutliche Einbrüche. Für die Konjunktur ist dies indes kein gutes Zeichen. Die konjunktursensiblen Aktien dürften daher weiter auf der Verkaufsliste stehen, vermuten Händler. Die deutlich gesenkte Prognose des US-amerikanischen Stahlkochers Nucor bestätigte diese Einschätzung am Donnerstagabend.
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Trotz einer erleichternden Woche am deutschen Aktienmarkt warnen Marktbeobachter die Anleger davor, bereits in Euphorie zu verfallen. Dass der Dax die Woche mit mehr als 350 Punkten Zugewinn beenden konnte, sei nur eine Korrektur der vorherigen Überreaktion. „Bodenbildungen dauern nun mal länger“, dämpfte ein Händler die bullischen Erwartungen.
Arnim E. Kogge vom Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger befürchtet sogar noch eine Verschärfung bei den Kreditinstituten insbesondere in den USA. Allerdings sei „die Stimmung schlechter als die eigentliche Lage“. Recht optimistisch vermutet Kogge: „Wir bewegen uns auf die Endphase der Korrektur hin“. Kurzfristig seien noch weitere Rückschläge möglich, „aber auch das aktuelle Kursniveau bietet inzwischen durchaus interessante Einstiegsmöglichkeiten“. Anleger sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass die Gesamtkreditkrise noch nicht überstanden sei.
Auch andere Aktienstrategen mahnen zur Vorsicht. Da die Berichtssaison soeben erst begonnen habe, müssten Überraschungen und Rückschläge weiter einkalkuliert werden. Nach unten scheint der Dax indes abgesichert zu sein; die Marke von 6 000 Punkten hat sich – so Charttechniker – als tragfähige Unterstützung erwiesen. Dafür sorgten die erwähnten positiven Nachrichten. Entspannende Unternehmensdaten von JP Morgan und Citigroup sorgten für Erleichterung im gebeutelten Finanzsektor. Zudem zeigte Nokia, dass es auch in anderen Branchen durchaus gut läuft. Der Konzern erhöhte gleich den Ausblick für die ganze Branche.
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Fundamental stützte das Rettungspaket der US-Regierung für die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac die Märkte. Wäre dies nicht – etwas überstürzt – vergangenen Sonntag publik gemacht worden, sei durchaus ein Kurs-Crash drin gewesen, hieß es dazu im Handel. Vor allem eine Aktion der US-Börsenaufsicht SEC hat dann einen Kurssprung ausgelöst: Mit der Ankündigung eines Verbots für eine beliebte Art von Leerverkäufen wurde den Wall-Street-Bären der Teppich unter den Füßen weggezogen. „Das hat den Markt zu massiven Eindeckungen gezwungen“, sagte ein Händler. Das Verbot gilt ab Montag und bezieht sich vor allem auf US-amerikanische, aber auch europäische Bankentitel. Folgerichtig kam es bereits vorher zu einer undifferenzierten, marktbreiten Rally aller Finanzwerte.
Eine gute Nachricht versteckt sich zudem hinter den extrem schlechten Geschäftszahlen von Merrill Lynch: Obwohl der US-Broker mit fast fünf US-Dollar Verlust pro Aktie in einem einzigen Quartal auffiel, ging die Rally im Banken-Sektor weiter. „Die wirklich gute Botschaft dahinter ist, dass der Markt wieder anfängt zu differenzieren“, kommentierte ein Analyst die Entwicklung. Zuvor hätten schlechte Nachrichten einer Bank den gesamten Sektor abgeschossen, nun habe es nur noch Merrill getroffen; der restliche Sektor habe zugelegt. „Das zeigt, dass die Vernunft zurückkehrt“, so der Analyst weiter: „Unbeteiligte werden nicht mehr in Sippenhaft genommen“.
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Technische Analysten rechnen nun mit einer breit angelegten Bodenbildung in den europäischen Aktienmärkten. Mit seinem neuen Jahrestief und dem kurzfristigen Fall durch die 6 000er-Marke habe der Dax wohl sein „Panik-Potenzial“ nach unten ausgereizt. Bis zu rund 6 600 Punkten könne sich der Index noch erholen, bevor mit Gewinnmitnahmen zu rechnen sei. So gehen zum Beispiel die Analysten Commerzbank davon aus, dass die Kurserholung im Dax erst einmal weitergeht. Dafür sprächen technische Stimmungsindikatoren.
Helaba-Analyst Markus Reinwand sieht zwar mit Blick auf die US-Bilanzsaison Chancen für positive Überraschungen, warnt aber vor weiteren Risiken. „Es ist zu früh, um Entwarnung zu geben“, erklärt er. Die 6 000-Punkte-Marke könnte noch einmal getestet und auch unterschritten werden. Die nächste Unterstützung liege dann bei 5 800 Zählern. Wie Reinwand erwartet auch NordLB-Analyst Tobias Basse kein langfristiges Abtauchen des Dax unter die 6 000er-Marke.
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Viele Termine in der kommenden Woche
Nachdem schon zahlreiche US-Konzerne ihre Quartalszahlen vorgelegt haben, folgen in der kommenden Woche nun weit über 100 S&P-Unternehmen – allein mehr als jeweils 40 am Mittwoch und Donnerstag. Unter anderem stehen Bank of America, Apple und Texas Instruments am Montag, Yahoo, DuPont und UPS sowie Caterpillar – als Indikator für alle konjunktursensiblen Aktien – am Dienstag, Amazon, Boeing, Pfizer und der gebeutelte Autohersteller General Motors am Mittwoch, 3M und Eli Lilly am Donnerstag an. Analysten gehen laut einer Studie von Thomson Reuters davon aus, dass die im S&P500-Index gelisteten Unternehmen im Schnitt für das zweite Quartal einen Gewinnrückgang von 16 Prozent ausweisen werden. Die Gewinne der Finanzinstitute dürften deutlich stärker um 76 Prozent gefallen sein.
Auch in Europa nimmt die Bilanzsaison Fahrt auf: So werden die Autokonzerne Daimler, VW, Peugeot, Renault und Fiat am Mittwoch und Donnerstag ihre Zwischenberichte vorlegen. Am Mittwoch berichten auch Merck und Software AG. Börsianer sind gespannt, wie sehr die Finanzkrise und der hohe Ölpreis über das Verhalten der Verbraucher auf die Industrie durchschlagen. Daneben werden der Spezialchemie- und Pharmakonzern Merck ebenfalls am Mittwoch und der Chiphersteller Infineon am Freitag ihre Quartalszahlen veröffentlichen.
Auf der Konjunkturseite steht der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland im Fokus. „Nach dem dicken Minus im ZEW-Index. wird auch der Ifo-Index nach unten zeigen“, erklärt NordLB-Experte Basse. Im Juni war der Index unerwartet deutlich auf 103,5 Zähler gefallen. „Der Ölpreis, der hohe Euro-Kurs und die Finanzkrise werden auch im Juni Spuren hinterlassen haben“, vermutet Helaba-Analyst Reinwand. „Der Aktienmarkt hat sich darauf schon eingestellt.“ Aus den USA stehen mit den Absatzzahlen für bestehende und neue Einfamilienhäuser laut Commerzbank „womöglich weitere Hiobsbotschaften“ an. Beachtung dürften auch die US-Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter finden. Basse empfiehlt zudem, auf den Konjunkturbericht zu achten. Das sogenannte Beige Book wird am Mittwoch veröffentlicht.

