Auch in der kommenden Woche legen zahlreiche Unternehmen Zahlen vor. Ein Ende der Zitterpartie ist somit für die deutschen Aktienanleger nach Einschätzung von Börsianern vorerst nicht in Sicht. Marktbeobachter haben unterschiedliche Szenarien im Angebot.
HB FRANKFURT. Die Unsicherheit über die Aussichten für die Weltkonjunktur und die Unternehmensgewinne werde wohl auch in der neuen Woche für größere Kursausschläge beim Dax sorgen, heißt es am Markt. Entsprechend gespannt warten die Investoren auf eventuelle Reaktionen der Notenbanken in den USA und der Euro-Zone.
"Berichtssaison und Konjunktursorgen werden gegeneinander antreten müssen", sagt Kapitalmarktanalyst Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors. "Deshalb gehe ich eher davon aus, dass der Markt schwächelt und volatil bleibt. Wir sind noch nicht an dem Punkt, an dem die Bullen aus dem Gatter kommen." Die Bullen symbolisieren an der Börse die Optimisten.
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Aktienstratege Thomas Grüner von der Landesbank Berlin urteilt ähnlich. "Wir sind skeptisch, ob die Rally der vergangenen Wochen die Trendwende bedeutet, und rechnen damit, dass sich der Dax in den kommenden Wochen wieder in Richtung 6 000 Punkte bewegt.
Einige Charttechniker sehen indes einen anderen Trend: Der habe mit seiner kurzfristigen Übertreibung in Richtung 6 000 Punkte sein Abwärtspotenzial ausgereizt. Für die kommende Woche rechnen sie daher mit einer Fortsetzung der zuletzt gesehenen Konsolidierung im Bereich 6 200 bis 6 600 Punkten. Im Windschatten der Wall Street könnte ein Wiedereintritt in die im Frühjahr ausgebildete Handelsspanne im Bereich von 6 600 bis 7 000 Punkten mittelfristig gelingen. Für ein solches Szenario dürfte allerdings kein Hurrikan den Ölpreis in Richtung 150 Dollar je Barrel blasen.
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Der Leitindex hatte nach dem Fall auf ein Zwei-Jahres-Tief Mitte Juli binnen weniger Tage knapp 600 Zähler zugelegt. Am Freitag lag er wieder knapp unter 6 400 Zählern. Im Spannungsfeld zwischen einer leicht positiv überraschenden Berichtssaison in den USA und den bisher eher verhaltenen Zahlenwerken der europäischen Unternehmen hat der deutsche Aktienmarkt in der abgelaufenen Woche damit eher seitwärts tendiert. Dabei zeigte sich, dass die den Zyklikern zugerechneten Unternehmen aus Europa die Erwartungen nicht erfüllten. Positiv ist dagegen zu vermerken, dass die Banken - zumindest teilweise - die in den Kreditportfolios schlummernden Risiken langsam in den Griff bekommen.
Liquidität ist weiterhin im Überfluss vorhanden, allerdings gehen Investoren sehr behutsam damit um. Anleger behalten ihr Cash auf den eigenen Büchern, nachdem sie den Finanzjongleuren in den vergangenen Jahren blind vertrauten. Dass die niedrigen Aktienkurse einiger deutscher Unternehmen Investoren zum Einstieg verführen, zeigt der Einkauf von Maria-Elisabeth Schaeffler bei Continental
und von Susanne Klatten bei Nordex
. Während der Einstieg bei Continental
eher strategisch einzustufen ist, wird die Beteiligung an Nordex
als langfristiges Finanzinvestment gewertet. Aber auch der globale Player TDK will seine Position mit Epcos
stärken.
Nachdem in den vergangenen Jahren Private-Equity-Unternehmen kurzfristige Beteiligungen an deutschen Unternehmen eingegangen waren, treten nun längerfristig denkende Investoren in den Vordergrund. So wurde in den vergangenen Wochen zudem darüber spekuliert, ob Kuwait seinen Stake an Daimler
ausbauen wird. PPR
hat bei Puma
zuletzt einige Stücke eingesammelt, und die internationalen Pharmakonzerne flirten mit den Biotechnologieunternehmen. Ein Paukenschlag wäre allerdings, wenn sich ein chinesischer Staatsfonds in ein Dax-Unternehmen einkaufen würde. Einigen Siemens
-Managern wird daher ein sorgenvoller Blick in Richtung China nachgesagt.
Chartanalyse: Wie Techniker Aktien und Märkte einschätzen
Bei einigen Metallen sind die hochgefahrenen Förderkapazitäten auf eine sinkende Nachfrage getroffen und haben zu rückläufigen Preisen geführt. An den Kapitalmärkten wird die Entwicklung des Ölpreises mit größtem Interesse verfolgt. Dabei ist zu vermerken, dass die Opec bei der Förderung nie größere Zugeständnisse gemacht hat und das Angebot damit relativ stabil verharrte. Dagegen stellt sich vielmehr die Frage, wie viel spekulatives Geld aus dem Öl fließen wird.
Denn eines zeigt sich: Der Rückgang des Ölpreises von knapp 150 auf unter 125 US-Dollar hat jüngst positive Impulse geliefert. Zum einen führen sinkende Rohstoffpreise in vielen Industrien zu einer Verbesserung der Marge und liefern zudem einen Wachstumsimpuls. Zum anderen werden die Notenbanker die Entwicklung mit einem lachenden Auge verfolgen, denn mit einem abnehmenden Inflationsdruck können sie sich stärker der flauen Wirtschaftsdynamik zuwenden.
Notenbanken im Fokus
Die Mitglieder der Notenbanken diesseits wie jenseits des Atlantiks werden sich in der kommenden Woche treffen, um über die künftige Zinspolitik zu beraten. Dabei werden die Themen bei der US-Notenbank Fed (Federal Reserve), der Bank of England wie der Europäischen Zentralbank (EZB) nur in Nuancen abweichen. Einer starken Abkühlung des Wirtschaftswachstums stehen weiterhin hohe Inflationsraten gegenüber. Einhellig gehen Marktbeobachter davon aus, dass die Notenbanker im Gleichschritt ihre Zinsen bestätigen werden. Daher dürften vor allem die Ausblicke das Interesse auf sich ziehen. Der in die heiße Phase startende Präsidenten-Wahlkampf in den USA dürfte dabei die US-Notenbank in den kommenden Monaten lähmen.
In der neuen Woche werden wieder Auguren Hochkonjunktur haben, die glauben, auf Basis der Aussagen der Notenbanker die künftige Geldpolitik vorhersagen zu können. "Die Frage bei der Fed ist, wie viele Stimmen sich für Zinserhöhungen aussprechen", betont Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB. "Je stärker der Druck steigt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed noch vor dem Jahresende die Zinsen erhöht." Am Markt sei ein solcher Schritt aber noch nicht vollständig in den Kursen enthalten. Der Führungszirkel der Fed hat ihre Zusammenkunft für kommenden Dienstag geplant. Die Ratssitzung der EZB soll zwei Tage später folgen.
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Termine der kommenden Woche
Nachdem in den vergangenen beiden Wochen allein drei Dax-Konzerne die Anleger mit Gewinnwarnungen geschockt haben, müssen sich die Investoren nach Einschätzung der Experten auf weitere Hiobsbotschaften gefasst machen. "Die Tendenz zu Gewinnrevisionen wird anhalten", betont LB Berlin-Stratege Grüner. Er rechne damit, dass spätestens zur Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal viele Unternehmen ihre Ziele, vor allem für 2009, revidieren werden.
Die Berichtssaison liefert erneut eine Menge zu verarbeitender Daten für den Aktienmarkt. Den Reigen starten am Montag Qiagen
, am Dienstag folgen aus dem Dax Adidas
sowie zahlreiche Unternehmen aus der zweiten Reihe: Heidelberg-Cement, Heidelberg-Druck, Kuka
, Singulus
und Beiersdorf
.
Am Mittwoch stehen Münchner Rück, Commerzbank
, Henkel
, Rofin
-Sinar und ProSieben im Blick. Auch beim Konsumgüter-Hersteller Henkel
nährte die Enttäuschung über die Bilanz des Konkurrenten Unilever
die Befürchtung vor einer ähnlich negativen Überraschung.
Am Donnerstag fordern mit Allianz
, Drägerwerk, AMB Generali
, Altana
, Aixtron
, freenet, Deutsche Telekom Fraport
, Rhön Klinikum, Hannover Rück
, Douglas, Puma
, Premiere und Demag Cranes
die volle Aufmerksamkeit. Nach der Gewinnwarnung der Münchener Rück
warten die Börsianer gespannt auf die Zahlen der Allianz
. Sie erhoffen sich zudem Hinweise auf die Zukunft der verlustreichen Allianz
-Tochter Dresdner Bank.
Am selben Tag will sich Hannover Rück
in die Bücher schauen lassen. Der Rückversicherer hatte seine Gesamtjahresziele vergangene Woche infrage gestellt. Der Freitag wird mit Conergy
aus dem TecDax wieder ruhig.

