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18.05.2008 
Anleger sind optimistisch

Dax-Ausblick: Aufwärtspotenzial vorhanden

Der deutsche Leitindex Dax hat sich zu erstaunlichen Höhen aufgeschwungen und einen Widerstand nach dem anderen überwunden. Viele Marktbeobachter hoffen nun auf mehr, und einiges spricht dafür, dass sie Recht behalten. So erscheint die konjunkturelle Lage besser als noch vor kurzem. Alles Pfeifen im Walde, meinen hingegen skeptische Aktienstrategen.

HB FRANKFURT. In der neuen Woche müssen die Anleger am Aktienmarkt kaum Konjunkturdaten oder Unternehmensberichte verdauen. „Jetzt, mit dem Ende der Berichtssaison, gehen uns die Impulse aus“, sagte Markus Wallner, Aktienstratege der Commerzbank. Für Gesprächsstoff bei den Anlegern könnten eine Vielzahl von Hauptversammlungen - unter anderem von Allianz, Deutsche Börse und Fresenius Medical Care - sorgen.

Lange hat der Dax sich an dem Widerstandsbereich bei 7 100 Punkten abgearbeitet, doch am Freitag ist der Sprung über diese Marke endlich gelungen, kurzzeitig sogar über die Marke von 7 200 Punkten. Der Index verbuchte in den vergangenen Tagen ein Plus von rund 2,5 Prozent. Im Vergleich zum Mitte März erreichten Jahrestief hat er damit über 1 000 Punkte gut gemacht, liegt aber immer noch rund zwölf Prozent unter den Niveau zum Jahreswechsel. Optimisten sehen nun Chancen für weitere Kursgewinne gut, denn mit den Gewinnen ist zugleich der Ausbruch aus einer mehrmonatigen Konsolidierung gelungen.

Mit dem nahenden Ende der Berichtssaison entfällt zudem in der kommenden Woche ein Faktor, der bisher entscheidend zur Zurückhaltung der Anleger beigetragen hat. Zwar haben nicht alle Unternehmen überzeugende Zahlen vorgelegt. In den meisten Fällen wurden aber die Prognosen bestätigt. Vor allem die Banken hätten für den Anstieg des Dax gesorgt, sagt Wallner. Die Finanzinstitute hätten zwar erneut hohe Abschreibungen vorgenommen, aber im Markt die Hoffnung geweckt, dass nun das Schlimmste der Finanzkrise vorbei sein könnte. Damit haben sich für einige Börsenexperten auch die Sorgen über die weitere konjunkturelle Entwicklung gelegt.


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Sie verweisen zum Beispiel auf die jüngsten Konjunkturdaten aus Deutschland, die eine erstaunlich robuste Lage zeigen. Das allen Widrigkeiten zum Trotz überraschend starke Wachstum der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal, das mit 1,5 Prozent mehr als doppelt so stark ausgefallen ist wie erwartet, gibt den Optimisten Anlass zur Hoffnung. Sollte einer der großen Belastungsfaktoren wie Ölpreis, Euro-Stärke oder die Lage der US-Wirtschaft an Bedeutung verlieren, könnte dies nachgerade als Initialzündung wirken.

Für einen weiteren Anstieg des Aktienmarktes spricht auch die technische Lage. Durch das Überschreiten der Marke von 7 100 Punkten ist eine Konsolidierung in Form einer Flagge nach oben hin aufgelöst worden. Damit ergebe sich Potential bis zunächst 7 350 Punkte, stellen die technischen Analysten der DZ Bank fest. Ähnlich sieht das Mathieu Driol, der als unabhängiger Analyst für den Daytradebroker Clickoptions tätig ist. Voraussetzung: Der Dax durchbricht die Widerstandlinie bei 7 200 Punkten nach oben.

Auch Anleger sind optimistisch. Viele sehen die Kurse im deutschen Leitindex weiterhin auf einem stabilen Niveau und bleiben für die kommenden Wochen zuversichtlich, wie die aktuelle Sentimentanalyse des Daytradebrokers Clickoptions zeigt. 43 Prozent der Anleger entschieden sich in dieser Woche dort für Tunnel-Optionen mit einem Korridor zwischen 6 900 und 7 170 Punkten. "Die Anleger rechnen nicht damit, dass die Kurse im Leitindex zu einer Baisse ansetzen könnten. Sie sehen den Dax auf einem hohen Niveau, das er halten wird", erklärt Clickoptions-Sprecher Richard Ohl.



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Dass der deutsche Aktienmarkt angesichts eines Ölpreises von rund 127 US-Dollar je Barrel, eines Euro bei 1,55 Dollar und einer gewaltigen Bankenkrise über 7 000 Punkte geklettert ist, spricht für die innere Stärke des Marktes, der nur auf einen Ausbruch nach oben hin zu warten scheint. Günstig wirkt auch die abnehmende inflationäre Gefahr. Die jüngsten Preisdaten aus den USA, aber auch aus dem Euro-Raum signalisieren einen abnehmenden Druck. Das Thema Stagflation hat damit an Relevanz verloren.

Für die Notenbanken ergibt sich damit wieder größerer Spielraum bei der Ausschöpfung ihrer Spielräume. Zwar dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Politik der ruhigen Hand noch über einen gewissen Zeitraum beibehalten, doch eine nachlassende Inflation würde die Möglichkeit eröffnen, bei sinkender Wachstumsdynamik im Euroraum in der zweiten Jahreshälfte eine Zinssenkung vorzunehmen.


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Mit dem Ende der Berichtssaison erlangen die Konjunkturdaten wieder größere Bedeutung. Hohe Relevanz kommt dabei vor allem den Zahlen zu, die Aussagen über die Lage der US-Konsumenten machen. "Es wird in den nächsten Monaten vor allem vom amerikanischen Verbraucher abhängen, ob die US-Wirtschaft in eine tiefgreifende Rezession abrutscht oder noch einmal mit einem blauen Auge davonkommt", stellen die Experten der ING fest.

Obwohl eine harte Rezession in den USA derzeit nicht abzusehen sei, brauche die Stabilisierung der US-Wirtschaft vor allem Zeit. "Es dürfte lange dauern, bis die Wachstumsentwicklung wieder ein solides Niveau erreicht. Die Schuldenlast der amerikanischen Privathaushalte und eine Sparquote von nahezu Null könnten die Konsumausgaben noch auf lange Sicht hemmen", warnen die Volkswirte der ING vor ungerechtfertigtem Optimismus. Erst 2010 sei wieder mit überdurchschnittlichem, nachhaltigem Wachstum zu rechnen.


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"Überraschenderweise ist die Konsumnachfrage in den USA immer noch stärker als bisher angenommen", meinen hingegen die Börsenexperten des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger. Sie verweisen auf die Einzelhandelsumsätze, die stärker ausgefallen sind als zunächst erwartet. "Entweder haben inzwischen die Zinssenkungsmaßnahmen der amerikanischen Fed geholfen, oder die US-Wirtschaft steht bei Weitem nicht so katastrophal da, wie von vielen Auguren prophezeit wurde", mutmaßen die Marktbeobachter. Eine Rückkehr der Finanzmärkte zur Normalität sehen sie indes noch nicht, wie weitere Gewinnrückgänge der Kreditinstitute gezeigt hätten. "Die Märkte werden wohl auch noch in den kommenden Wochen volatil bleiben", erwarten die Stuttgarter.

In der neuen Woche wird die Luft für den Dax dünner, glaubt auch Aktienexperte Matthias Jörss von Sal. Oppenheim: "Die Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet damit, dass sich die Kurse in der kommenden Woche weiter freundlich entwickeln dürften, und hat sich entsprechend positioniert." Das bedeute nicht, "dass es nicht noch ein kleines Stück weiter nach oben gehen kann, aber nachdem sich die Aktienkurse zuletzt so positiv entwickelt haben, sollten wir langsam vorsichtiger werden."

Auch Carsten Klude von MM Warburg rechnet nicht damit, dass es in diesem Tempo weitergeht. Dass der Dax am Freitag so deutlich über die Marke von 7 100 Punkten steigen konnte, sei zwar erfreulich, "aber der Kampf um diese Marke wird in der neuen Woche weitergehen", prognostiziert der Volkswirt. Der Dax dürfte erst einmal eine Pause einlegen. "Wir haben in einem Monat fast zehn Prozent zugelegt - jetzt werden einige erst einmal Gewinne mitnehmen", sagte Klude.



Lesen Sie weiter auf Seite 3: Termine der kommenden Woche

In der neuen Woche müssen die Anleger am Aktienmarkt kaum Konjunkturdaten oder Unternehmensberichte verdauen - sondern vielmehr die Häppchen von den zahlreichen Hauptversammlungen. "Jetzt, mit dem Ende der Berichtssaison, gehen uns die Impulse aus", sagt Markus Wallner, Aktienstratege der Commerzbank. Für Gesprächsstoff bei den Anlegern könnten eine Vielzahl von Hauptversammlungen - unter anderem von Allianz, Deutsche Börse und Fresenius Medical Care - sorgen.


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Für Gesprächsstoff dürften in der neuen Woche vor allem die ZEW-Konjunkturerwartungen am Dienstag und der Ifo-Geschäftsklimaindex am Mittwoch sorgen. Der Ifo-Index sollte Experten zufolge leicht sinken auf 102 von 102,4 Punkten im März. Die Stimmung unter den Finanzexperten, aus deren Aussagen der ZEW berechnet wird, dürfte sich dagegen etwas gebessert haben: Im Schnitt sagen Analysten für den Index ein Minus von 37 Punkten nach minus 40,7 im Monat zuvor voraus. Dennoch dürften die beiden Indizes den Markt kaum bewegen, sollten die Daten nicht stark von den Prognosen abweichen, merkte Wallner an.

Auch aus den USA fehlen richtungsweisende Konjunkturdaten: Am Montag werden lediglich die Frühindikatoren für April, am Dienstag die Erzeugerpreise und am Donnerstag und Freitag Daten vom Immobilienmarkt (Verkäufe bestehender Häuser und OFHEO-Hauspreisindex) bekanntgegeben. Daneben veröffentlicht die US-Notenbank am Mittwoch das Protokoll ihrer Sitzung vom 29./30. April. Bei den Erzeugerpreisen rechnen Beobachter für April mit einer Abschwächung auf plus 0,4 nach 1,1 Prozent, wobei die Kernrate mit einem Anstieg um 0,2 Prozent aber gleich bleiben dürfte. "Es steht in der kommenden Woche keine Zahl bevor, die uns so richtig durchschütteln könnte", zieht Sal. Oppenheim-Experte Jörss Fazit. "Aber dafür war die abgelaufene Woche spannend genug", sagt MM Warburg-Experte Carsten Klude.




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