Dass der deutsche Aktienmarkt angesichts eines Ölpreises von rund 127 US-Dollar je Barrel, eines Euro bei 1,55 Dollar und einer gewaltigen Bankenkrise über 7 000 Punkte geklettert ist, spricht für die innere Stärke des Marktes, der nur auf einen Ausbruch nach oben hin zu warten scheint. Günstig wirkt auch die abnehmende inflationäre Gefahr. Die jüngsten Preisdaten aus den USA, aber auch aus dem Euro-Raum signalisieren einen abnehmenden Druck. Das Thema Stagflation hat damit an Relevanz verloren.
Für die Notenbanken ergibt sich damit wieder größerer Spielraum bei der Ausschöpfung ihrer Spielräume. Zwar dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Politik der ruhigen Hand noch über einen gewissen Zeitraum beibehalten, doch eine nachlassende Inflation würde die Möglichkeit eröffnen, bei sinkender Wachstumsdynamik im Euroraum in der zweiten Jahreshälfte eine Zinssenkung vorzunehmen.
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Mit dem Ende der Berichtssaison erlangen die Konjunkturdaten wieder größere Bedeutung. Hohe Relevanz kommt dabei vor allem den Zahlen zu, die Aussagen über die Lage der US-Konsumenten machen. "Es wird in den nächsten Monaten vor allem vom amerikanischen Verbraucher abhängen, ob die US-Wirtschaft in eine tiefgreifende Rezession abrutscht oder noch einmal mit einem blauen Auge davonkommt", stellen die Experten der ING fest.
Obwohl eine harte Rezession in den USA derzeit nicht abzusehen sei, brauche die Stabilisierung der US-Wirtschaft vor allem Zeit. "Es dürfte lange dauern, bis die Wachstumsentwicklung wieder ein solides Niveau erreicht. Die Schuldenlast der amerikanischen Privathaushalte und eine Sparquote von nahezu Null könnten die Konsumausgaben noch auf lange Sicht hemmen", warnen die Volkswirte der ING vor ungerechtfertigtem Optimismus. Erst 2010 sei wieder mit überdurchschnittlichem, nachhaltigem Wachstum zu rechnen.
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"Überraschenderweise ist die Konsumnachfrage in den USA immer noch stärker als bisher angenommen", meinen hingegen die Börsenexperten des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger. Sie verweisen auf die Einzelhandelsumsätze, die stärker ausgefallen sind als zunächst erwartet. "Entweder haben inzwischen die Zinssenkungsmaßnahmen der amerikanischen Fed geholfen, oder die US-Wirtschaft steht bei Weitem nicht so katastrophal da, wie von vielen Auguren prophezeit wurde", mutmaßen die Marktbeobachter. Eine Rückkehr der Finanzmärkte zur Normalität sehen sie indes noch nicht, wie weitere Gewinnrückgänge der Kreditinstitute gezeigt hätten. "Die Märkte werden wohl auch noch in den kommenden Wochen volatil bleiben", erwarten die Stuttgarter.
In der neuen Woche wird die Luft für den Dax dünner, glaubt auch Aktienexperte Matthias Jörss von Sal. Oppenheim: "Die Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet damit, dass sich die Kurse in der kommenden Woche weiter freundlich entwickeln dürften, und hat sich entsprechend positioniert." Das bedeute nicht, "dass es nicht noch ein kleines Stück weiter nach oben gehen kann, aber nachdem sich die Aktienkurse zuletzt so positiv entwickelt haben, sollten wir langsam vorsichtiger werden."
Auch Carsten Klude von MM Warburg rechnet nicht damit, dass es in diesem Tempo weitergeht. Dass der Dax am Freitag so deutlich über die Marke von 7 100 Punkten steigen konnte, sei zwar erfreulich, "aber der Kampf um diese Marke wird in der neuen Woche weitergehen", prognostiziert der Volkswirt. Der Dax dürfte erst einmal eine Pause einlegen. "Wir haben in einem Monat fast zehn Prozent zugelegt - jetzt werden einige erst einmal Gewinne mitnehmen", sagte Klude.
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