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26.07.2008 
Unternehmen im Fokus

Dax-Ausblick: Bilanzen senden Schockwellen

In der kommenden Woche geben Unternehmen den Ton an den Börsen an. Zahlreiche Dax-Unternehmen werden Einblick in ihre Bücher gewähren. Die Zahlen könnten für Turbulenzen an den Aktienmärkten sorgen, meinen Beobachter.

Börsenmakler auf dem Parkett der Börse in Frankfurt. Foto: dpaLupe

Börsenmakler auf dem Parkett der Börse in Frankfurt. Foto: dpa

HB FRANKFURT. Die Bilanzsaison hierzulande wird in der neuen Woche volle Fahrt aufnehmen. Nach Ansicht von LBBW-Aktienstratege Michael Köhler könnte der Dax darauf mit heftigen Schwankungen reagieren. „Der Markt wird voraussichtlich hin- und hergerissen zwischen Erleichterung, wenn sich die Erwartungen erfüllen, und Abstürzen, wie bei den Gewinnwarnungen von Daimler und Münchener Rück“, betonte Köhler. Grundsätzlich geht er von einer Seitwärtsbewegung des Dax aus, die aber bei schlechten Nachrichten auch kippen könne.

Die Anleger werden also auch weiterhin starke Nerven brauchen. Nach einem Fall unter 6 000 Punkte vergangenen Mittwoch setzte der Leitindex zu einer rasanten Erholung an, die durch gut aufgenommene Zahlen von US-Großbanken ausgelöst wurden. Am Freitag sorgten zudem überraschend positive US-Konjunkturdaten für gute Stimmung. „Die Aufwärtskräfte scheinen jedoch bereits zu ermatten“, schreibt HSBC Trinkaus in ihrem Ausblick. Am Freitag Nachmittag peilte der Dax die Linie von 6 500 Punkten an, gab schließlich aber wieder nach.

Dax-Sentiment: Was erwarten Sie für den deutschen Leitindex?

Zwischenzeitlich schockten indes immer wieder Unternehmensnachrichten die Anleger. Nach der Gewinnwarnung von Daimler am Donnerstag beendete die Aktie den Handel mit einem Minus von knapp zehn Prozent. Am Freitag überraschte die Münchener Rück die Anleger mit der Aussage, das bisher kommunizierte Ergebnis nicht zu erzielen, was zu einem Kursabschlag von über zehn Prozent führte. Auch die Hannover Rückversicherungs AG meldete Bedenken an, in dem schwierigen Umfeld die Prognose zu erreichen. Die Meldung bescherte dem MDax-Wert ein zwischenzeitliches Minus von 15 Prozent.

Während die Automobilwerte seit Jahresbeginn auf der Verkaufsliste der Investoren standen, stellen die Aussagen der Rückversicherer eine handfeste Überraschung dar. Der Premiumhersteller Daimler leidet an der weltweiten Konsumzurückhaltung sowie steigenden Benzinpreisen. Die Rückversicherer bestanden die Kreditkrise bisher nahezu unbeschadet, die stürmischen Zeiten stehen mit Beginn der Wirbelsturm-Saison noch bevor.

Investmentidee: Täglich neue Tipps für Anleger

Insgesamt ist bislang die Bilanzsaison, die ihren Höhepunkt in den USA nun überschritten hat, nach Ansicht der Unicredit gemischt verlaufen. „Die Anzeichen für ein Überspringen der Kreditkrise auf die Realwirtschaft nehmen jedoch zu.“ Die Berichte der kommenden Wochen werden nun den Anlegern zeigen, wie viel an Gewinnrevisionen in den bisherigen Kursabschlägen schon enthalten sind. Die „Bullen“ unter den Investoren könnten durch die Nachrichten ausgebremst werden. Nach ihrer Ansicht sind Aktien derzeit so billig wie schon lange nicht mehr. Sollten allerdings die Unternehmen aufgrund des eingetrübten Umfelds die Gunst der Stunde nutzen und ihren Ausblick zurücknehmen, springt die Bewertung kräftig in die Höhe – aus billig wird teuer.

Während Europa lange Zeit die dunklen Wolken des Wirtschaftsabschwungs aus der Ferne betrachten konnten, ziehen sie nun über den Atlantik. Am Donnerstag brach der ifo-Geschäftsklima-Index in Deutschland ein, auch die schwachen europäischen Einkaufsmanagerindizes machten keinen Mut. Neben den weichen Stimmungsindikatoren fielen die britischen Einzelhandelsumsätze im Juni im Rekordtempo, Spaniens Arbeitslosenquote stieg im zweiten Quartal, die deutschen Importpreise sind auf Jahressicht so stark gestiegen wie seit November 2000 nicht mehr, und das BIP-Wachstum in Großbritannien verzeichnete im zweiten Quartal die niedrigste Rate seit dem ersten Vierteljahr 2005. Damit stehen den Börsen stürmische Zeiten bevor.

Indexlisten im Überblick: Wie sich die deutschen, europäischen und internationalen Indizes entwickeln

Das nachlassende Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone, zuletzt belegt durch den Einbruch von Ifo-Geschäftsklimaindex und Einkaufsmanagerindizes, ist der Commerzbank zufolge ein Zeichen, dass die Dax-Unternehmen ihre Gewinne 2009 nicht wie von Analysten erwartet um 18 Prozent steigern können. Die Experten dürften ihre Prognosen für die Ergebnissteigerungen deshalb in den kommenden Monaten auf Null herunterschrauben. „Das sollte den Dax in den kommenden Wochen belasten“, kommentierte die Commerzbank.

Auch Daniel Schär, Marktbeobachter der Weberbank, hält die aktuelle Kurserholung nicht für nachhaltig: „Zu groß sind die derzeitigen Belastungsfaktoren, als das wir schon ein Ende der schwierigen Börsenphase ausrufen möchten.“ Aktieninvestoren sollten die Gewinnentwicklung der Unternehmen aktuell genau im Auge behalten, empfiehlt der Experte, da hier neues Ungemach auch außerhalb des Finanzbereichs drohen könnte.

Chartanalyse: Was die Techniker erwarten

Dass es auch die Analysten momentan nicht einfach haben, zeigte zuletzt das Auseinanderlaufen von Konsensschätzungen und tatsächlichen Ergebnissen. Dabei muss nicht einmal in die zweite oder dritte Unternehmensreihe geschaut werden oder in den Bankensektor mit der zuletzt sehr volatilen Ertragsentwicklung. Bei Ford erwarteten die Analysten im Konsens einen Verlust von 0,27 US-Dollar je Aktie, der Automobilgigant schockte mit einem Verlust von 3,88 Dollar je Anteilschein.

Positive Nachrichten, die die Bärenmarkt-Rally der vergangenen zwei Wochen begleiteten, haben zwar auch am Freitag die Anleger überrascht – und prompte Reaktionen an den Börsen hervorgerufen. Dennoch bleibt die Macht der Belastungsfaktoren. Der US-Immobilienmarkt wirft weiter seine Schatten. Der Ölpreis, dessen Rückgang auf 125 US-Dollar von knapp 150 US-Dollar die Stimmung an den Aktienmärkten aufhellte, scheint seine Schwäche zunächst überwunden zu haben. Und dann gibt es noch die Gefahr steigender Inflation.

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Die westliche Welt importiert die Inflation nun aus den Wachstumsmärkten, nachdem sich die Globalisierung lange deflationär ausgewirkt hatte. Die ING-Bank rechnet damit, dass sich die Inflationsrate auf einem höheren Niveau einpendelt. Eine hohe Inflation wirke sich auf die Aktienmärkte ungünstig aus, da sie zu Zinserhöhungen und damit zu niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) führe. Die Inflationsrate von rund vier Prozent in der westlichen Welt wirke sich bereits negativ auf die KGV aus. In der Vergangenheit führten Inflationsraten ab sechs Prozent regelmäßig zu einem Verfall der KGV an den entwickelten Märkten. Diesmal sollte es aber nach Einschätzung der ING nicht so weit kommen.

Termine der kommenden Woche

Bei den deutschen Unternehmen werden die Anleger wohl vor allem auf die Zahlen der Finanzwerte warten. So stehen unter anderem die Quartalszahlen von Postbank, Deutsche Bank und Deutsche Börse an. „Die Banken führen die laufende Erleichterungsrally an, das Potenzial für eine nachhaltige Erholung sehen wir jedoch nicht“, heißt es bei der Unicredit.

Nach einem ruhigen Wochenstart geht es am Dienstag richtig los. Aus dem Dax veröffentlichen SAP, aus dem MDax Krones und Symrise und aus dem TecDax IDS Scheer, Morphosys, Epcos und Pfeiffer Vacuum ihre Daten. Am Mittwoch folgen Postbank, Bayer, Fresenius Medical Care, Lufthansa, MAN und Siemens aus dem Dax. Aus der zweiten Reihe stehen EADS und Vossloh auf der Agenda. Traditionell bildet der Donnerstag den Höhepunkt der Woche, mit Deutsche Bank, Metro, BASF, Deutsche Post, Continental und Deutsche Börse aus der ersten Reihe. Aus dem MDax veröffentlichen Wacker Chemie, GEA, SGL, Hugo Boss sowie Gildemeister ihre Geschäftsausweise. Am Freitag folgt noch Linde.

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Neben dem Zahlenregen der Unternehmen stehen im Terminkalender einige Konjunkturdaten, die nach Meinung von Experten allerdings eher die zweite Geige spielen werden. „Dass von volkswirtschaftlicher Seite etwas Gutes kommt, damit rechnet eigentlich eh keiner mehr zur Zeit“, sagt LBBW-Aktienstratege Michael Köhler. Der Fokus der Anleger werde am Freitag auf dem US-Arbeitsmarktbericht und dem ISM-Index liegen, zudem werden Daten zum angeschlagenen US-Immobiliensektor und die erste Schätzung für das US-BIP im zweiten Quartal erwartet.

Aktien im Fokus: Wie Experten ausgewählte Werte einschätzen

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