Insgesamt ist bislang die Bilanzsaison, die ihren Höhepunkt in den USA nun überschritten hat, nach Ansicht der Unicredit gemischt verlaufen. „Die Anzeichen für ein Überspringen der Kreditkrise auf die Realwirtschaft nehmen jedoch zu.“ Die Berichte der kommenden Wochen werden nun den Anlegern zeigen, wie viel an Gewinnrevisionen in den bisherigen Kursabschlägen schon enthalten sind. Die „Bullen“ unter den Investoren könnten durch die Nachrichten ausgebremst werden. Nach ihrer Ansicht sind Aktien derzeit so billig wie schon lange nicht mehr. Sollten allerdings die Unternehmen aufgrund des eingetrübten Umfelds die Gunst der Stunde nutzen und ihren Ausblick zurücknehmen, springt die Bewertung kräftig in die Höhe – aus billig wird teuer.
Während Europa lange Zeit die dunklen Wolken des Wirtschaftsabschwungs aus der Ferne betrachten konnten, ziehen sie nun über den Atlantik. Am Donnerstag brach der ifo-Geschäftsklima-Index in Deutschland ein, auch die schwachen europäischen Einkaufsmanagerindizes machten keinen Mut. Neben den weichen Stimmungsindikatoren fielen die britischen Einzelhandelsumsätze im Juni im Rekordtempo, Spaniens Arbeitslosenquote stieg im zweiten Quartal, die deutschen Importpreise sind auf Jahressicht so stark gestiegen wie seit November 2000 nicht mehr, und das BIP-Wachstum in Großbritannien verzeichnete im zweiten Quartal die niedrigste Rate seit dem ersten Vierteljahr 2005. Damit stehen den Börsen stürmische Zeiten bevor.
Das nachlassende Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone, zuletzt belegt durch den Einbruch von Ifo-Geschäftsklimaindex und Einkaufsmanagerindizes, ist der Commerzbank zufolge ein Zeichen, dass die Dax-Unternehmen ihre Gewinne 2009 nicht wie von Analysten erwartet um 18 Prozent steigern können. Die Experten dürften ihre Prognosen für die Ergebnissteigerungen deshalb in den kommenden Monaten auf Null herunterschrauben. „Das sollte den Dax in den kommenden Wochen belasten“, kommentierte die Commerzbank.
Auch Daniel Schär, Marktbeobachter der Weberbank, hält die aktuelle Kurserholung nicht für nachhaltig: „Zu groß sind die derzeitigen Belastungsfaktoren, als das wir schon ein Ende der schwierigen Börsenphase ausrufen möchten.“ Aktieninvestoren sollten die Gewinnentwicklung der Unternehmen aktuell genau im Auge behalten, empfiehlt der Experte, da hier neues Ungemach auch außerhalb des Finanzbereichs drohen könnte.

