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11.05.2008 
Vorschau auf die kommende Börsenwoche

Dax-Ausblick: Hausse vorerst ausgesetzt

Die Investoren am deutschen Aktienmarkt werden in der kommenden Woche wieder eine Flut von Quartalszahlen zu verarbeiten haben. Die Richtung an der Börse dürfte Aktienstrategen zufolge aber von neuen Hinweisen zum Zustand der US-Wirtschaft bestimmt werden.

HB FRANKFURT. „Die US-Konjunktur ist einfach das dominierende Thema, und die anstehenden Daten werden kaum erfreulich ausfallen“, sagt Steffen Neumann von der LBBW, der sinkende Kurse für den Dax prognostiziert. Der stetig steigende Ölpreis werde zunehmend zum Belastungsfaktor, und die Unternehmensbilanzen seien bislang eher enttäuschend ausgefallen.

Seit Ende vergangener Woche hat der Dax rund ein Prozent an Wert verloren und notierte zuletzt knapp unter 7 000 Zähler. Börsianern zufolge hat sich die Stimmung an den Märkten in den vergangenen Wochen dennoch deutlich aufgehellt. Krisenszenarien wie zu Jahresbeginn würden kaum noch gespielt. „Vom Sentiment her setzt der Markt darauf, dass das Schlimmste überstanden ist“, sagt Susanne Lahmann von der Bremer Landesbank. „Die Börsen nehmen vorweg, dass zwar noch aufgeräumt werden muss, die Zeichen aber auf Erholung stehen.“ Im März hatte der Dax zeitweise unter 6 200 Punkten notiert.

Hoffen auf Ausbleiben böser Überraschungen bei Bilanzen

Von den Dax-Unternehmen informieren die Energiekonzerne Eon und RWE, außerdem Thyssen-Krupp, die Deutsche Post und die zuletzt mit ihrer turbulenten Hauptversammlung in die Schlagzeilen gekommene Tui über ihre Geschäftsentwicklung. Außerdem legen zahlreiche Unternehmen aus der zweiten und dritten Börsenreihe ihre Bilanzen vor. „Eine glänzende Berichtssaison wird das nicht mehr. Aber bislang dominiert eine gewisse Erleichterung, dass es nicht noch schlimmer gekommen ist“, sagt Neumann. „Die Quartalsberichte der nächsten Woche werden sicher Einzelwerte bewegen aber nicht auf den Gesamtmarkt durchschlagen.“



Bei RWE und Eon hoffen Investoren auf konkretere Aussagen zu ihren geplanten Beteiligungen am Bau neuer Atomkraftwerke in Großbritannien. RWE-Chef Jürgen Großmann muss sich zudem auf Fragen nach dem weiteren Börsengang der US-Wassertochter gefasst machen, während von Eon-Chef Wulf Bernotat Details zum geplanten Verkauf der Höchstspannungsnetze und von Kraftwerken erhofft werden.

Das Interesse der Anleger dürfte sich auch auf die Hauptversammlung der Telekom richten. Sie wollen Antworten, wie Vorstandschef Rene Obermann dem vor sich hindümpelnden Aktienkurs auf die Beine helfen will. In diesem Zusammenhang steht die Frage im Raum, ob bald eine größere Übernahme ansteht. Kreisen zufolge schaut sich die Telekom schon seit Monaten die US-Telefongesellschaft Sprint Nextel an. Zur Hauptversammlung laden unter anderem auch die Commerzbank und Metro ein.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hat die US-Konjunktur ihren Tiefpunkt schon durchschritten?

In den USA stehen eine Reihe wichtiger Inflations- und Konjunkturdaten an. „Mit den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion vom April werden die ersten harten Nachfrage- und Produktionsdaten zum zweiten Quartal veröffentlicht“, merkt Commerzbank-Analyst Patrick Franke an. „Sie sollten zeigen, dass die unterliegende Lage derzeit schlechter ist als die Stimmung.“ Zur Stimmung unter den für die US-Wirtschaft so wichtigen Konsumenten werden die Einzelhandelsumsätze und das von der Universität Michigan erfasste Verbrauchervertrauen neue Hinweise geben.

Einige technische Analysten gehen von einer Stabilisierung der Kurse im Dax aus: "Der Leitindex ist an der Widerstandslinie bei 7 080 Punkten gescheitert und in eine Konsolidierungsphase getreten. Die Hausse ist vorerst ausgesetzt", sagte Mathieu Driol, der als unabhängiger Analyst für den Online-Broker Click-Options tätig ist.


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Analyst: Die Luft ist raus

Eine handfeste Konsolidierungswoche dürfte den Aktienmärkten in der kommenden Woche bevorstehen, vermuteten einige Aktienhändler am Freitag. Die Euphorie der vergangenen Erholungsmonate sei verflogen, der Markt schaue bei jedem Unternehmensergebnis wieder genau hin. Zudem dürfte das Pfingstfest eher zu Urlaubsplänen als zu strategischen Neupositionierungen inspirieren. Einige Marktteilnehmer sind sich aber zumindest einig, dass man auch nicht „undankbar“ sein sollte: „Immerhin hat der Dax seit dem März-Tief fast 15 Prozent zugelegt“, sagte ein Händler.

Angesichts der auf Hochtouren laufenden Berichtssaison sei weiter mit Zurückhaltung zu rechnen. Eine Konsolidierung bis auf 6 800 Punkte im Dax sei daher möglich, so die Meinung im Handel. Zudem übten die volkswirtschaftlichen Rahmendaten Druck aus. Der US-Ölpreis eilt von einem Hoch zum anderen und erschreckt aktuell mit einem Allzeithoch über 126 US-Dollar.


»Großes Special: Alles, was man zum Thema Abgeltungsteuer wissen muss.


Lesen Sie weiter auf Seite 3: Kann K+S erneut positiv überraschen?

Für Sorgenfalten könnten die Inflationsdaten der kommenden Woche sorgen: So veröffentlichen unter anderem Spanien und Großbritannien ihre Länderdaten, am Donnerstag dann Eurostat die europäische Verbraucherpreis-Inflation für April. „Gerade die europäischen Inflationsdaten sind dazu geeignet, den Markt nach unten zu drücken“, erklärte ein Händler.

Und die Berichtssaison der Unternehmen zeigt sich auch eher gemischt. Die Finanzinstitute wie UBS, Münchener Rück und Hypo Real enttäuschten überwiegend. Nur aus der Industrie gab es gute Zahlen. Dort wurden die Ziele überwiegend getroffen, manchmal sogar übertroffen. „Aber genau da liegt das Problem“, erklärte ein Analyst: „Die Unternehmen überraschen uns nicht mehr positiv - sie erfüllen nur noch die Erwartung“. Ein klassischer Rahmen also für Gewinnmitnahmen.

In der kommenden Woche berichten vor allem die Immobilien- und die Solarbranche und zahlreiche Firmen aus der zweiten Reihe. Die wichtigen Zahlen kommen von den europäischen Großunternehmen. Nach Pfingstmontag startet der Dienstag mit Enel, Intesa, Vinci, Repsol, Societe Generale und Carrefour gleich mit einigen europäischen Schwergewichten. Am Mittwoch dürften Deutsche Post, Thyssen, EADS und K+S im Fokus stehen. Sollten K+S erneut begeistern, dürfte ein Dax-Aufstieg wahrscheinlicher werden. Donnerstag ist „Großkampftag“ in Europa: Unter anderem berichten RWE, Fraport, Salzgitter, Tui und weitere Europäer. Bei Deutscher Telekom ist Hauptversammlung und die Europäische Verbraucherpreisinflation wird enthüllt. Aus den USA kommen der Empire-State- und der Philadelphia-Fed-Index. Der Freitag sorgt für Entspannung, hier stehen nur die Metro-HV, Acea-Auto-Zulassungen für April und die US-Verbraucherstimmung der Uni Michigan an.


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