19 Bewertungen ****
05.10.2008 
Pessimistische Marktbeobachter

Dax-Ausblick: Im Würgegriff der Krise

Die Finanzmarktkrise lähmt nicht nur den Geldfluss zwischen den Banken. Anleger reagieren mal panisch, mal vorsichtig optimistisch auf jede Nachricht aus dem Bankensektor und der Politik. Die Märkte dürften auch in der kommenden Woche stark schwanken, glauben Beobachter.

HB FRANKFURT. Beherrschendes Thema in der kommenden Woche dürfte das US-Rettungspaket für den Finanzsektor bleiben. Es könnte allerdings durch eine mögliche Insolvenz des deutschen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate noch überlagert werden. Hoffnungen legen Experten auch auf mögliche Hilfen für Europa. „Man kann nicht mehr sagen, es ist ein amerikanisches Problem, wenn man sich anschaut, wie jetzt europäische Finanzhäuser umfallen“, sagt Aktienstratege Michael Köhler von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Unabhängig von den Ergebnissen der Abstimmung im US-Repräsentantenhaus über das Rettungspaket für die Wall Street gehen die Marktbeobachter der Landesbank Berlin (LBB) grundsätzlich nicht von einer nachhaltigen Bodenbildung oder gar Trendwende am Aktienmarkt aus. „Die Unsicherheit bleibt insgesamt hoch“, schätzen die LBB-Analysten. Im Zuge der sich ausbreitenden Finanzkrise sind immer mehr europäische Institute in Schieflage geraten.

Investmentidee: Täglich neue Tipps für Anleger

Für die im Dax notierte Hypo Real Estate musste von Bund und Banken ein milliardenschweres Rettungspaket geschnürt werden, das am Samstag vorerst gescheitert ist. Beim belgisch-niederländischen Geldhaus Fortis, beim Immobilienfinanzierer Dexia und der britischen Hypothekenbank Bradford & Bingley kam es zu Teilverstaatlichungen. Das sorgte im Wochenverlauf für heftige Kursverluste an den Börsen. Der Dax fiel zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Tief bei 5658 Punkten. Am Freitag nachmittag notierte der Leitindex rund sieben Prozent niedriger als vor einer Woche.

Die traditionsgemäß mit der Bilanz des US-Konzerns Alcoa am Dienstag startende Berichtssaison zum dritten Quartal wird Experten zufolge den Fokus der Anleger verstärkt auf zu hoch gesteckte Gewinnerwartungen lenken. „Nach unserer Einschätzung werden die Gewinnwarnungen in vielen Sektoren im dritten und vierten Quartal zunehmen“, schreiben die Strategen von ING Investment Management.

Am Freitag stehen die Zahlen von General Electric an. Der breit aufgestellte Mischkonzern hat bereits eine Gewinnwarnung für das dritte Quartal abgegeben, was US-Multimilliardär Warren Buffett nicht daran hinderte, drei Milliarden Dollar in den Industriegiganten zu investieren.

Neue Hinweise zur heimischen Konjunkturentwicklung dürften am Dienstag die Daten zu den Auftragseingängen der Industrie im August geben. Am Mittwoch folgt die Statistik des produzierenden Gewerbes. „Die deutsche Industrie dürfte ihre Produktion im August weiter zurückgefahren haben“, prognostiziert Ralph Solveen von der Commerzbank. „Damit wäre so gut wie sicher, dass das reale Bruttoinlandsprodukt auch im dritten Quartal zurückgegangen ist, die an den Märkten allgemein verwendete Definition für eine Rezession wäre erfüllt.“ Als Rezession gelten zwei Quartale mit rückläufiger Wirtschaftsleistung hintereinander.

Zertifikate-selektor: Finden Sie die passenden Papiere für Ihre Anlagestrategie

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Markt-Monitor

Börse und Politik: Das Tempo passt nicht!  Artikel in Merkliste

17.11.2008 von Ralf Drescher

Was hat der G20-Gipfel den Märkten gebracht? Die Antwort fällt ernüchternd aus. Warum Anleger von der Politik keine Unterstützung erhoffen dürfen. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Weiche Südflanke  Artikel in Merkliste

06.11.2008 von Gerd Höhler

Griechenland und Italien werden im gefolge der Finanzmarktkrise abgestraft: Beide Länder müssen für Staatsanleihen deutlich höhere Zinsen zahlen als die Mitgliedstaaten, die bei der Verschuldung vorsichtiger agiert haben. Kommentar

Handelsblatt Börsenradio 21.11.2008 (Abendausgabe) 

21.11.2008Börsenradio

Bundespräsident Horst Köhler übt scharfe Kritik an Bankern - LBBW und BayernLB werden über Fusion verhandeln - Citigroup-Topmanager denken über Verkauf nach - Hypo Real Estate erhält Garantien über 20 Milliarden Euro aus Rettungsfonds - Dax bricht im Wochenverlauf um mehr als 12 Prozent ein Anhören


Anzeige