Ist damit die Gefahr gebannt? Einige Marktteilnehmer äußern sich weiter sehr vorsichtig und glauben lediglich an eine Bärenmarktrally. Dafür spreche vor allem die Tatsache, dass auf die Erleichterungsrally nach den Nachrichten um die UBS
Anschlusskäufe an den Börsen ausgeblieben seien. Denn auch nach den Aktionen der Federal Reserve bleiben die zu Grunde liegenden Probleme - der Verfall der Häuserpreise und die steigende Zahl von Zwangsversteigerungen - ungelöst. Und ein Ende der Abwärtsspirale ist hier nicht in Sicht.
Auch kann mit Blick auf andere Konjunkturdaten aus den USA keine Entwarnung gegeben werden. Die ISM-Indizes notieren weiter unter der Kontraktionsschwelle von 50; die Stimmungsindikatoren sind rückläufig und der für die US-Wirtschaft so wichtige Konsum neigt zunehmend zur Schwäche. Der nun zum dritten Mal in Folge deutlich unter den Erwartungen ausgefallene Arbeitsmarktbericht spricht ebenfalls eine deutliche Sprache. Beim Thema Neueinstellungen herrscht bei den US-Unternehmen offenbar absolute Zurückhaltung. Selbst Fed-Chairman Ben Bernanke will nun die Möglichkeit einer Rezession nicht mehr ausschließen.
Chronik: Die schwärzesten Börsentage für den Dax seit 1987
Beobachter der UniCredit
verweist darauf, dass die Spillovereffekte aus der Finanzkrise in der Zwischenzeit die Realwirtschaft erreicht haben. Das spiegele sich auch in den jüngsten Daten zu Konsumentenkrediten wider. Der Zahlungsverzug bei Kreditkarten und Hypothekenkrediten habe im 4. Quartal 2007 den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht; der Ausfallzyklus sei damit voll im Gange. Der Bankensektor habe damit nicht nur die direkten Subprime-Verluste sondern auch mögliche Verluste aus anderen Sektoren zu verdauen. Bislang seien weltweit 235 Mrd. US-Dollar abgeschrieben worden, die jüngsten Schätzungen der Analysten lägen aber weit über dieser Summe.
Die Strategen der Landesbank Berlin halten gar einen Rückfall in die Nähe der Jahrestiefs für möglich. Die Erholung der vergangenen Wochen stehe auf sehr wackeligen Beinen. Die bevorstehende Berichtsssaison für das erste Quartal dürfte noch einmal enorme Abschreibungen zu Tage bringen. Des Weiteren sei das Ausmaß der US-Konjunkturschwäche sowie deren Auswirkungen für die Weltwirtschaft noch ungewiss, zumal die heimischen Konzerne unter der Euro-Stärke litten. Die Börsenexperten des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger gehen nicht von einem "langen Durchhaltevermögen" der jüngsten Aufwärtsbewegung aus; sie sehen "keinen Anlass, begeistert mitzumachen".
Für die Anleger heißt das konkret, dass ein Einstieg in den Aktienmarkt zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch mit erheblichen Risiken verbunden ist. Dafür ist die Transparenz einfach noch zu gering. Zwar kann sich die Erholung am deutschen Aktienmarkt durchaus noch eine Weile fortsetzen, bei Niveaus über 7 000 Punkten dürfte die Luft aber sehr schnell sehr dünn werden.

