Auf der Konjunkturseite stehen vorwiegend internationale Preisdaten im Blick. Verbraucherpreise von Großbritannien über Italien bis Portugal und Deutschland werden zeigen, dass sich der Markt wieder mit neuen Rekordmarken bei der Inflation anfreunden muss. Per Saldo könnten neue Zinserhöhungsängste geweckt werden und den Euro weiter über die Marke von 1,58 Euro treiben - für exportorientierte Aktien keine gute Nachricht.
Die scheinbar endlose Geschichte der US-Finanzkrise dürfte sich weiter verschärfen. Öl ins Feuer goss im Wochenverlauf der ehemalige Fed-Gouverneur William Poole, der die halbstaatlichen US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae
und Freddie Mac
als "bankrott" bezeichnete. Deren Aktienkurse brachen am Donnerstag um bis zu 30 Prozent ein. Nach dem fairen Wert bei der Rechnungslegung sei Freddie Mac
insolvent, der faire Wert von Fannie Mae
könne im kommenden Quartal sogar negativ sein, erklärte Poole, der im März in den Ruhestand gegangen war.
Händler werteten die klare Sprache Pooles gerade deswegen als ehrlich: "Das zeigt doch, dass die Offiziellen, die noch im Amt sind, uns nicht alles erzählen", so ein Händler. Kein Wunder also, dass kurz nach den Poole-Aussagen in den USA Rettungspläne für die Finanzierer laut wurden. Per Saldo dürfte das Ergebnis auf eine Sozialisierung der Verluste hinauslaufen, also eine Verstaatlichung der Institute wie bei der britischen Northern Rock. Sobald der Markt aber begreift, dass die USA damit ihre Staatsverschuldung nahezu verdoppeln werde, dürfte der nächste Kurseinbruch bevorstehen.
Dax-Sentiment: Geben Sie Ihre Einschätzung weiter
Kein Optimismus kommt auch von Seiten der technischen Analysten. Für eine Bodenbildung im Dax sei die Abwärtsdynamik noch zu hoch. Zu viele angebliche Kurserholungen hätten sich im Nachhinein als Bullenfallen erwiesen. Zudem drohe der Dax auf Dollar-Basis gerechnet nach unten zu brechen. Dieser Index spiegelt das Anlageverhalten von US-Anlegern, da er den kombinierten Wert ihrer Dax-Aktien- und Euro-Devisen-Gewinne zeigt. Sollte er durchbrechen, wäre mit einem massiven Kapitalabzug von Anlegern auf Dollar-Basis zu rechnen. "Das würde bedeuten, dass selbst die Euro-Gewinne die Dax-Verluste nicht mehr aus gleichen", so ein Techniker. Der Dax dürfte in seinem Abwärtstrend bis rund 5 600 Punkte fallen.
"Solange der Strom der Negativmeldungen aus Konjunktur und Wirtschaft nicht abreißt, bleiben auch wir vorsichtig gestimmt und entsprechend defensiv positioniert", schreibt Jan Gengel von der Weberbank in einem Marktausblick. "Allerdings möchten wir vor einer Panikmache warnen." Trotz des Tests der bisherigen Jahrestiefstände sieht Gengel "aktuell nicht den Beginn einer Kursbewegung wie wir sie zuletzt im Jahr 2000 gesehen haben". Trotz der schwachen US-Konjunktur schätzt er die mittelfristigen Aussichten positiv ein. "Die Schwellenländer und nicht die USA haben in den letzten Jahren die entscheidenden weltwirtschaftlichen Wachstumsbeiträge generiert und zeigen sich auch im aktuellen Umfeld verhältnismäßig robust." Auch die Verschuldung innerhalb der europäischen und amerikanischen Unternehmen sei aktuell gering. "Selbst bei leicht rückläufigen Gewinnen sind die Bewertungen der Aktienmärkte im historischen Vergleich attraktiv."

