Diese Woche lief für Anleger leidlich positiv. Marktbeobachter sind nun sehr vorsichtig bei der Beurteilung der weiteren Entwicklung. Die Pessimisten verweisen auf die anhaltenden Sorgen über die konjunkturelle Entwicklung. Andere Analysten äußern sich durchaus vorsichtig optimistisch.
HB FRANKFURT. Allein in der zurückliegenden Woche hat der Leitindex mehr als zwei Prozent auf rund 6 500 Punkte gewonnen. Dem Mitte Juli erreichten Jahrestief von knapp unter 6 000 Zählern ist er damit schon neun Prozent enteilt. Die Erholung könnte sich tendenziell fortsetzen, sagen Händler mit Blick auf die sinkenden Zinsen, die fallenden Rohstoffpreise und den steigenden Dollar. Damit seien klassische Korrelationen zwischen Dax und Umfeldfaktoren in den vergangenen Tagen wiederhergestellt worden, meinen Optimisten.
Skeptiker hingegen warnen: "Der Anstieg im Dax ist eine technische Gegenbewegung, aber keine Trendbewegung", sagt zum Beispiel Folker Hellmeyer, Analyst bei der Bremer Landesbank. "Ich gehe davon aus, dass wir bald wieder in Richtung der Jahrestiefs laufen werden." Daran könne auch der Rückgang des Eurokurses nichts ändern. Zwar profitiere die Exportindustrie von einem niedrigeren Wechselkurs. "Eine primäre Auswirkung auf den Aktienmarkt wird das aber nicht haben", sagt Hellmeyer. Die europäische Konjunktur habe sich unerwartet stark eingetrübt. Deshalb könnte der Euro, der am 15. Juli mit 1,6038 Dollar ein Allzeithoch markiert hatte, fast bis auf 1,50 Dollar fallen.
Anleger sollten also die Risiken in der derzeitigen Rally nicht aus dem Auge verlieren. Die Unsicherheit spiegelt sich auch in den zum Teil widersprüchlichen Einschätzungen der Experten. Einige Beobachter halten neue Tiefs im Dax für wenig wahrscheinlich. Sie verweisen auf das deutliche Umschlagen an der 6 000er Marke und die zurzeit positiv wirkenden Umfeldfaktoren. Die Handelsspanne zwischen knapp 6 300 und gut 6 600 Punkten könnte also noch weiter Bestand haben, ein Ausweiten der Erholung bis an den Baisse-Abwärtstrend bei derzeit gut 6 750 Punkten sei aber möglich, so technische Analysten.
Chartanalyse: Was die Techniker erwarten
"Die richtige Kraft, um weiter nach oben zu laufen, sehe ich nicht", fasst Postbank
-Analyst Heinz-Gerd Sonnenschein die Aussichten für den Aktienmarkt zusammen. Der Dax dürfte seiner Ansicht nach spätestens bei 6 700 Punkten abprallen. Bis 6 700 - oder 6 750 - Punkten gilt die Erholung als Bärenmarktrally. Signifikant verbessern würde sich die Situation erst, wenn der Dax den Baisse-Trend überwinden würde, so technische Analysten, denen für dieses positive Szenario derzeit aber die Hinweise fehlen.
Etwas positiver schätzen die Börsenexperten des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger die Lage ein. Für den Dax sehen sie "die Möglichkeit, nicht nur an die Widerstandslinie von 6 600 Punkten zu kommen, sondern diese auch zu überschreiten und damit auch die Sechs-Monats-Durschnittslinie zu durchbrechen." Der nächste Widerstand läge demnach bei 6 800 Punkten. "Falls dies nur, wie in den letzten Wochen, ein kurzes Aufbäumen wäre, würde auf der anderen Seite ein Rückschlag bis 6 200 Punkte wieder möglich", schreiben die Beobachter in ihrer aktuellen "Marktmeinung aus Stuttgart".
Befürchtungen, das rückläufige Wirtschaftswachstum, steigende Inflationsraten und Folgen der Kreditkrise könnten die Aktienmärkte nochmals in einen Abwärtsstrudel reißen, teilen die Stuttgarter nicht. "Augenblicklich ist dies mit einem klaren Nein zu beantworten", schreiben sie in ihrer aktuellen "Marktmeinung aus Stuttgart". Starke Schwankungsbreiten von 100 Indexpunkten am Tag dürften die Anleger aber weiterhin zu sehen bekommen. "Horrorszenarien wie ein Dax-Stand von 5 200 Punkten" erscheinen den Beobachtern indes trotz negativer Rahmendaten nicht möglich.
Dax-Sentiment: Was erwarten Sie für den deutschen Leitindex?
Für die zunächst positiven Erwartungen spricht nach Ansicht einiger technischer Analysten, dass der Bund-Future mit dem Sprung über die 113er-Marke ein Kaufsignal nach einem Doppel- oder Dreifachtief knapp unter 110 gegeben hat. Daraus ließen sich aus technischer Sicht Ziele im Bereich von über 116 Prozent ableiten. Von der Zinsseite dürfte der Rückenwind für die Aktien demnach weiter wehen.
Dazu passt, dass die Rohstoff-Hausse aus technischer Sicht gebrochen zu sein scheint. Zwar sollte eine kurzfristige Erholung der Ölpreise nicht überraschen, denn die letzte große Anstiegswelle hatte den Ölpreis von 87 auf 147 Dollar geführt. Er hat nun also genau die Hälfte der Gewinne wieder abgegeben. Bei solchen Marken gibt es häufig Gegenbewegungen.
Diese dürften aber schnell zum Ausstieg genutzt werden, meint Marktanalyst Christoph Zwermann von Zwermann Financial. Rohstoffe seien zur Asset-Klasse geworden. Anleger müssten deshalb nun die Reißleine mit Stop-Loss-Verkäufen ziehen, wenn der Trend wie jetzt gegen sie laufe. Zwermann rechnet mit einem schnellen Fall auf etwa 109 Dollar je Barrel und hält auch Preise knapp unter 100 Dollar für möglich.
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Mit dem Fall des Euro unter 1,5290 Dollar bahnt sich auch am Devisenmarkt die Trendwende an. Euro-Kurse unter 1,50 Dollar sind nun wieder wahrscheinlich geworden, was gut ist für die Ertragssituation der exportorientierten Industrie, wie es heißt. Doch alle diese auf den ersten Blick positiven Faktoren haben ihren Haken. Zwermann warnt, ein fallender Euro könnte zum Verkauf deutscher Aktien durch US-Anleger führen. Auf Dollar-Basis liege der Dax nicht allzu weit weg von seinem Allzeithoch, das reize zu Gewinnmitnahmen, wenn die Währungsseite kippe.
Zudem wurde das Wirtschaftswachstum in den USA im zweiten Quartal unter anderem von der guten Exportkonjunktur gestützt. Ein fester Dollar könnte diesen Konjunkturpfeiler zum Einsturz bringen, warnt Heino Ruland von FrankfurtFinanz. Ruland erwartet auch, dass der fallende Ölpreis die Aufträge für die deutsche Industrie aus den Öl- und Bric-Staaten dämpft.
Ruland fürchtet zudem mit Blick auf schwache Auftragseingänge und Indikatoren für die Konsumentenstimmung, Deutschland sei bereits in die Rezession gerutscht, und diese könnte bis Mitte 2009 anhalten. Der Markt rechne aber mit einer technischen V-Umkehr der Konjunktur und deshalb mit deutlich steigenden Unternehmensgewinnen im kommenden Jahr. Ruland selbst rechnet mit einem Minus bei den akkumulierten Dax-Gewinnen von 18 Prozent im laufenden und 15 Prozent im kommenden Jahr. Er erwartet deshalb einen Fall des Dax auf 5 400 Punkte.
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Termine der kommenden Woche
Angesichts der Konjunkturängste kommt den Wachstumsdaten aus Europa in der neuen Woche besondere Bedeutung zu: Am Donnerstag stehen Daten aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Spanien an. "Die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal werden noch einmal unterstreichen, dass sich die Konjunktur im Euroraum deutlich abgeschwächt hat", erwarten die Marktbeobachter der Commerzbank
. "Daraus abgeleitet könnte dann natürlich auch das Thema Leitzinsen in den Vordergrund rücken - es könnten sogar auch Zinssenkungsfantasien in den Markt einziehen", erklärt LBBW-Aktienstratege Michael Koehler.
Weitere Impulse könnten auch von den US-Einzelhandelsumsätzen am Mittwoch ausgehen, ferner von der Veröffentlichung der Verbraucherpreise am Donnerstag sowie von Zahlen zur US-Industrieproduktion am Freitag. An diesem Tag werden mit dem Empire State Manufacturing Index und dem Michigan-Index zum Verbrauchervertrauen auch erstmals Sentiment-Indikatoren für August veröffentlicht. Am Freitag wird zudem Wal
-Mart, der weltgrößte Einzelhändler, seine Quartalszahlen veröffentlichen.
In Deutschland wird eine Flut von Zwischenberichten erwartet - allein am Donnerstag berichten mehr als 50 Unternehmen, davon die meisten aus der zweiten und dritten Reihe. Aber auch einige Dax-Konzerne ziehen noch Zwischenbilanz, darunter die Versorger Eon
am Mittwoch und RWE
am Donnerstag. Zudem berichten am Donnerstag die Stahlkonzerne Thyssen
-Krupp und Salzgitter. Salzgitter-Aktien
sind im MDax notiert, das Unternehmen gilt aber als potenzieller Dax-Aufsteiger. Der Düngemittelhersteller K+S
, der gesetzt ist als Kandidat für den Leitindex, wird am Mittwoch seinen Quartalsbericht veröffentlichen.
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Daneben werden die Anleger sich auch die Zwischenbilanzen der Hypo Real Estate
(Mittwoch) und einiger Landesbanken genau anschauen. Am Mittwoch berichtet die BayernLB, der wegen ihrer hohen Belastungen aus der Finanzkrise eine schlechtere Bonitätseinstufung durch die Ratingagentur S&P droht, am Donnerstag die Landesbank Berlin. In der Schweiz wartet die UBS
am Dienstag mit Zahlen auf.
Die größte Schweizer Bank rechnet mit einem ausgeglichenen bis leicht negativen Ergebnis. Das Institut wird aber voraussichtlich auch weitere Abschreibungen vornehmen, Schätzungen reichen bis zu neun Milliarden Schweizer Franken. Von einem Ende der Finanzkrise könne keine Rede sein, heißt es im Handel. Am Mittwoch veröffentlicht auch die ING ihre Zahlen.
Im Übernahmekampf um Continental
geht es in die nächste Runde: Der Aufsichtsrat des Autozulieferers will sich offiziell zu dem Angebot der Schaeffler-Gruppe äußern, das vom Conti
-Management bislang abgelehnt wird.

