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23.06.2008 

Die nutzten stattdessen den FAZ-Index der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der die Jahre des Vakuums Anfang der Achtziger geschickt genutzt hatte, um sich als Platzhirsch zu etablieren. Der FAZ-Index hatte jedoch einen entscheidenden Fehler: Er war träge; größere Bewegungen, die für Börsianer das tägliche Brot sind, gab es kaum.

Den entscheidenden Anstoß für einen allgemein akzeptierten Leitindex gab dann Frank Mella, damals Redakteur bei der Börsen-Zeitung.

Er schaffte es, die entscheidende Dynamik in den Index zu bringen und gilt deswegen heute als "Vater des Dax". Mella bediente sich eines einfachen Tricks: Der Dax ignoriert - anders als der Dow Jones - die jährlichen Dividendenabschläge und geht stattdessen davon aus, dass diese nicht ausgeschüttet, sondern wieder investiert werden. Diese Konzeption als "Performance-Index" hat zur Folge, dass die Dax-Entwicklung stets besser aussieht als die der Konkurrenz-Produkte. Mella bekam dafür 1995 das Bundesverdienstkreuz.

Neben der Berücksichtigung von Dividenden hat der Dax noch eine weitere Besonderheit, die wesentlich zu seinem Mythos beiträgt: Der Auf- und Abstieg ist noch immer einem Geheimbund namens "Arbeitskreis Aktienindizes" vorbehalten. Während man bei den darunter angesiedelten Indizes wie MDax oder TecDax nur die reinen Zahlen von Börsenumsatz und Marktwert zur Entscheidungsfindung heranzieht, haben beim Dax immer noch die elf Vertreter von Banken, Börse und Vermögensverwaltern das letzte Wort. Deren Namen sind geheim, das Abstimmungsergebnis ebenfalls. Erst wenn eine Entscheidung gefallen ist, öffnet sich die Tür. Der Vergleich zur Papst-Wahl wird deshalb immer wieder bemüht.

Dass der Dax heute hauptsächlich aus süd- und westdeutschen Unternehmen besteht, liegt aber weniger am Arbeitskreis Aktienindizes als an der unterschiedlichen Wirtschaftskraft der deutschen Regionen. Mit Allianz, BMW, Hypo Real Estate, Infineon, Münchener Rück und Siemens stellt München ein Fünftel der Dax-Werte, aus Düsseldorf, Bonn und Frankfurt kommen immerhin je drei Mitglieder. Dagegen stammt kein einziges der 30 Top-Unternehmen aus Ostdeutschland. Und auch nördlich von Wolfsburg sucht man vergeblich nach einem Dax-Konzern.

Wenn der Arbeitskreis Aktienindizes im September das nächste Mal über Auf- und Abstieg entscheidet, könnte sich das Nord-Süd-Gefälle im Dax noch weiter verschärfen. Denn der Hannoveraner Touristikkonzern Tui gilt als stark abstiegsgefährdet. Im Gegenzug werden dem Düngemittelproduzenten K+S die besten Aufstiegschancen zugerechnet. Und der hat seine Zentrale rund 100 Kilometer südlich von Hannover in Kassel.

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