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17.12.2008 
Geldpolitik

„Die Fed nährt die nächste Blase“

von Ralf Drescher

Mit ihrem drastischen Zinsentscheid hat die US-Notenbank die Märkte überrascht. Die positive Sichtweise hielt aber nur kurz. Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, beurteilt den geldpolitischen Kurs der Fed kritisch. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, welche Gefahren dieser birgt.

Jörg Krämer ist Chefvolkswirt der Commerzbank. Foto: CommerzbankLupe

Jörg Krämer ist Chefvolkswirt der Commerzbank. Foto: Commerzbank

Herr Krämer, wie interpretieren Sie die deutliche Zinssenkung der Fed: als Hoffnungsschimmer oder als Hilferuf?

Für mich ist der Beschluss eher ein Hilferuf. Die Fed schätzt die Risiken für die US-Wirtschaft offenbar so hoch ein, dass sie sich zu solchen Mitteln gezwungen sieht.

Sind Sie anderer Meinung?

Die US-Wirtschaft ist ohne Zweifel in einem schlechten Zustand. Das Bruttoinlandsprodukt könnte 2009 um bis zu 2,5 Prozent schrumpfen. Aber eine Rezession alleine, auch eine tiefe, rechtfertigt noch nicht einen derart drastischen geldpolitischen Kurs der Fed. Dieser ist nur dann angesagt, wenn die US-Wirtschaft auf eine Deflation und eine jahrelange Stagnation zusteuert.

Wie realistisch ist ein solches Szenario?

Eine Unterversorgung mit Geld und Kredit und damit eine Deflation ist zwar nicht ausgeschlossen, aber eher unwahrscheinlich. Denn anders als im Japan der 90er Jahre haben das US-Finanzministerium und die Fed bisher rasch und entschieden gehandelt. Die Notenbank tut alles, um die Märkte mit Liquidität und die Unternehmen mit günstigen Krediten zu versorgen.

Also geht die Rechnung der Fed auf?

Die Rechnung kann durchaus aufgehen. Die Fed kann zwar die Rezession nicht verhindern, wohl aber die Deflation. Allerdings steckt die Notenbank in einem Dilemma. Denn der Preis für den Erfolg wäre hoch.

Inwiefern?

Mit ihrer Geldpolitik nährt die Fed die nächste spekulative Blase, nämlich die am Markt für Staatsanleihen. Denn sie stellt in Aussicht, direkt Staatsanleihen zu kaufen. Das hat die Anleihekurse nach oben getrieben und die Rendite zehnjähriger US-Anleihen auf unter 2,2 Prozent gesenkt. Ein solches Niveau ist aber nur dann angemessen, wenn wir wirklich auf eine Deflationsphase zusteuern. Verhindert aber die Fed die Deflation, werden die Renditen von Staatsanleihen wieder kräftig anziehen und Anleger deutliche Kursverluste erleiden. Sie zahlen die Zeche für die extreme Geldpolitik.

An den Märkten war die Reaktion auf den Fed-Beschluss aber zunächst positiv...

Ich bin immer wieder überrascht, wie einseitig die Märkte auf eine Politik des billigen Geldes setzen. Dass diese bisher wenig geholfen hat, sollte sich doch herumgesprochen haben. Auch zu der aktuellen Krise hat die Politik des billigen Geldes in der Ära von Alan Greenspan entscheidend beigetragen. Das wird leider oft vergessen.

Aktuelle Entwicklung in der Weltwirtschaft kommentiert Jörg Krämer auch in seinem Handelsblatt-Weblog Krämers Konjunktur-Kommentar

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