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20.05.2008 
Rohstoffpreise

Die Rolle der Spekulanten

von Udo Rettberg

Sind die Terminbörsen Schuld an den explodierenden Rohstoffpreisen? Experten weisen die Vorwürfe der Politik zurück, dass Spekulationen die realen Preise treiben würde. Vielmehr seien die Terminbörsen stabilisierend und nützlich.

Reishändler an der Chicago Mercantile Exchange. Foto: Reuters.Lupe

Reishändler an der Chicago Mercantile Exchange. Foto: Reuters.

FRANKFURT. Die Terminbörsen sind nicht die Schuldigen für die haussierenden Rohstoffpreise und für die vor allem in den Schwellenländern auftretende Nahrungsmittelkrise. Führende Vertreter der Börsen wehren sich mit Macht gegen entsprechende Schuldzuweisungen von Seiten der Politik. „Die Schuld bei den Spekulanten oder den Hedge-Fonds zu suchen, führt in die Irre“, sagt Terry Duffy, Chairman der weltgrößten Börse Chicago Mercantile Exchange (CME).

Weltweit waren in der Öffentlichkeit zuletzt Vorwürfe erhoben worden, der Preisaufschwung an den Rohstoffmärkten, der vor allem durch die starke Nachfrage der boomenden asiatischen Länder China und Indien hervorgerufen wurde, werde durch den Zufluss spekulativen Kapitals über die Terminbörsen noch zusätzlich verstärkt. An Indiens Börse wurde daraufhin sogar der Handel in vier Rohstoff-Futures eingestellt.

Aktivitäten der Spekulanten hätten keinen realwirtschaftlichen Bezug, sondern seien lediglich auf Gewinnerzielung ausgerichtet, wird argumentiert. Wenn die Preise für Energie und Agrarrohstoffe das tun, was sie aufgrund der fundamentalen Situation von Angebot und Nachfrage den Marktkräften zufolge tun müssen – nämlich steigen –, dann sei nicht verwunderlich, wenn auch die Politiker in Washington und anderswo darüber reden, sagt Duffy.

Die Welt müsse begreifen, dass solche Preisbewegungen durch die fundamentalen Kräfte des Marktes und nicht durch die ausufernde Spekulation verursacht werde. Seit der Gründung des Chicago Board of Trade (CBOT) – einer heutigen CME-Tochter – im Jahr 1848 haben die Terminbörsen ihre Vorteile in der Verbesserung der Markteffizienz, in der Preisfindung und im Risikomanagement unter Beweis gestellt. „Terminbörsen haben immer wieder ihren Nutzen für Farmer, Nahrungsmittelverarbeiter und Verbraucher nachgewiesen", sagt James Newsome, Vorstandschef der New York Mercantile Exchange (Nymex).

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Jüngste Studien in den USA haben sowohl am Gas-, wie auch am Silbermarkt keine Anzeichen für eine Schuld der Spekulation bei der Entwicklung der Rohstoffpreise ergeben. Auch die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig muss sich mit Vorwürfen von Energieverbrauchern und Politikern auseinandersetzen, die vier großen deutschen Energieproduzenten würden die Börse für eigene Zwecke einspannen und den Strompreis manipulieren.

„Ein nicht unerheblicher Teil unseres Geschäftes wird inzwischen von Akteuren aus dem Finanzsektor wie Banken und Hedge-Fonds nicht zuletzt aus London heraus generiert", sagt EEX-Vorstandschef Hans-Bernd Menzel im Handelsblatt-Gespräch. Dieser Anteil liege bereits über 40 Prozent des Gesamtgeschäfts. „Wir sehen das positiv, weil das jene Institute sind, die viel Erfahrung im Umgang mit Risiken haben", sagt Menzel.

Die in der Öffentlichkeit geführte Preisdiskussion sei häufig von kurzfristigen Bewegungen und deren Effekten geprägt und wende sich dann stets an den, der diese Effekte sichtbar macht – die Börse nämlich. „Die Sache ist einfach: Börsen sind ein Spiegelbild des Gesamtmarktes und machen in fairer Weise die Situation von Angebot und Nachfrage gegenüber der Öffentlichkeit sichtbar“, sagt Menzel.

Eine wichtige Aufgabe der Terminbörsen ist ihre Signalfunktion. Dort, wo die Börsenakteure aufgrund ihrer Aktivitäten durch höhere Preise für die Zukunft einen Engpass bei Energie- und Agrarrohstoffen signalisieren, erfüllen sie eine wichtige Aufgabe. Dies war im laufenden Zyklus der Fall, als die Terminbörsen bereits sehr frühzeitig eine drohende Verknappung an den Rohstofmärkten signalisierten. Hierdurch haben Energieproduzenten und Bauern die Chance, über höhere Investitionen künftig das Angebot zu erhöhen und den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die ist im laufenden Zyklus schwieriger. Die wohlstandsbedingte höhere Nachfrage der Verbraucher in China und Indien erfordert größere Anstrengungen als in früheren Zyklen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: die Funktionen der Terminbörsen

Die wichtige Funktion der Terminbörsen

Preisfindung Terminbörsen übernehmen als „Markt der Märkte“ seit 160 Jahren eine wichtige volkswirtschaftliche Funktion bei der Ermittlung fairer Preise für Rohstoffe. Hier treffen die Meinungen zahlreicher Marktteilnehmer aufeinander.

Preissignal Erspähen Akteure an den Terminbörsen die Gefahr von in der Zukunft liegenden Engpässen bei Getreide, werden sie Weizen-Futures kaufen. Der Farmer erhält ein wichtiges Preissignal, so dass er heute bereits Weizen zur Lieferung im kommenden Jahr verkauft. So stellt sich letztlich mittelfristig wieder ein Gleichgewichtspreis ein.

Marktführer Die größten Rohstoff-Terminbörsen sind die Chicago Mercantile Exchange und die New York Mercantile Exchange.

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