0 Bewertungen
17.03.2008 

Die Krisenherde in den Bankbilanzen liegen immer noch in den Portfolios strukturierter Finanzprodukte wie Collateralized Debt Obligations (CDOs) sowie bei den leichtfertigen Kreditzusagen für stark gehebelte Übernahmefinanzierungen. So sorgt sich Lehman vor allem um so genannte Kreditderivate, die mit Forderungen aus sogenannten "Alt-A-Hypotheken" besichert sind. Dabei handelt es sich um Darlehen, die trotz unzureichender Einkommensnachweise vergeben wurden. David Trone, Analyst beim Investmenthaus Fox-Pitt Kelton Cochran schätzt den Abschreibungsbedarf allein in diesem Segment auf rund drei Mrd. Dollar. Hinzu kommen bislang schwer abschätzbare Risiken aus dem gewerblichen Immobilienmarkt, wo Lehman und Goldman ebenfalls als Finanziers tätig sind. "Der Markt für Gewerbeimmobilien litt zum Teil unter den gleichen Exzessen wie der Häusermarkt", schreiben die Experten des Investmenthauses Keefe, Bruyette and Woods. Auch hier können die Wertberichtigungen nach Meinung der Analysten im Einzelfall die Milliardenschwelle übersteigen.

Dass Gleiche gilt für die Finanzierungszusagen, mit denen die Banken den Private-Equity-Boom angeheizt haben. Die Rückkehr der Angst auf den Kreditmärkten hat dazu geführt, dass die Kreditpakete gar nicht oder nur mit empfindlichen Preisabschlägen von den Banken an Investoren weitergereicht werden können. Fox-Pitt-Analyst Trone rechnet hier mit Abschreibungen von bis zu 1,7 Mrd. Dollar für die Goldmänner.

Inwieweit es den Investmentbanken gelingt, diese enormen Verluste durch Erfolge im Handelsgeschäft aufzufangen, ist die große Frage. Der rege Handel mit Devisen, Aktien, Zinsprodukten und Rohstoffen dürfte die ansonsten traurigen Bilanzen etwas aufpolieren. Wer zudem ein starkes Geschäft in Europa und Asien besitzt, kann daraus Trost schöpfen. An dem verkorksten Start in das Krisenjahr 2008 wird das aber kaum etwas ändern.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Acht Mythen der Krise  Artikel in Merkliste

15.10.2008 von Bernd Ziesemer

Schon setzen sich die ersten Mythen über die Finanzkrise fest. Dabei ist es für eine seriöse Bewertung noch zu früh, auch weil die wichtigsten Zeitzeugen schweigen: die Banker selbst. Kommentar

Markt-Monitor

Ein erster Strohhalm  Artikel in Merkliste

13.10.2008 von Ralf Drescher

Heftige Kursgewinne zum Start lassen auf eine erfreulichere Woche an den Börsen hoffen. Für Euphorie gibt es angesicht von Rezessionssorgen und anhaltender Unsicherheit im Bankensektor keinen Anlass. Aber die Hoffnung auf ein Ende der rasanten Talfahrt wächst. Kommentar

weiterAnzeige - Aktuelle Umfrage

Umfrage zum Thema "Bankpräferenzen" 

Welche Bankgeschäfte wickeln Sie privat online ab und wie zufrieden sind Sie mit dem Online-Angebot? Was erwarten Sie von Ihrer Bank? Unter allen Teilnehmern der Umfrage wird ein iPod nano (8GB) von Apple im Wert von 149 Euro verlost. Machen Sie jetzt mit! Hier geht es zur Umfrage WEB-Link


Handelsblatt Börsenradio 15.10.2008 (Abendausgabe) 

15.10.2008Börsenradio

Ein Ende der Kursgewinne: Dax schließt tief im Minus - Rückschlag für Merkel: Bundeskanzlerin verliert Krisenmanager - Automobiltitel unter Druck - Bankentitel geben Gewinne der vergangenen Tage ab - Ölpreis fällt auf neue Jahrestiefststände Anhören


Anzeige