Die Krisenherde in den Bankbilanzen liegen immer noch in den Portfolios strukturierter Finanzprodukte wie Collateralized Debt Obligations (CDOs) sowie bei den leichtfertigen Kreditzusagen für stark gehebelte Übernahmefinanzierungen. So sorgt sich Lehman vor allem um so genannte Kreditderivate, die mit Forderungen aus sogenannten "Alt-A-Hypotheken" besichert sind. Dabei handelt es sich um Darlehen, die trotz unzureichender Einkommensnachweise vergeben wurden. David Trone, Analyst beim Investmenthaus Fox-Pitt Kelton Cochran schätzt den Abschreibungsbedarf allein in diesem Segment auf rund drei Mrd. Dollar. Hinzu kommen bislang schwer abschätzbare Risiken aus dem gewerblichen Immobilienmarkt, wo Lehman und Goldman ebenfalls als Finanziers tätig sind. "Der Markt für Gewerbeimmobilien litt zum Teil unter den gleichen Exzessen wie der Häusermarkt", schreiben die Experten des Investmenthauses Keefe, Bruyette and Woods. Auch hier können die Wertberichtigungen nach Meinung der Analysten im Einzelfall die Milliardenschwelle übersteigen.
Dass Gleiche gilt für die Finanzierungszusagen, mit denen die Banken den Private-Equity-Boom angeheizt haben. Die Rückkehr der Angst auf den Kreditmärkten hat dazu geführt, dass die Kreditpakete gar nicht oder nur mit empfindlichen Preisabschlägen von den Banken an Investoren weitergereicht werden können. Fox-Pitt-Analyst Trone rechnet hier mit Abschreibungen von bis zu 1,7 Mrd. Dollar für die Goldmänner.
Inwieweit es den Investmentbanken gelingt, diese enormen Verluste durch Erfolge im Handelsgeschäft aufzufangen, ist die große Frage. Der rege Handel mit Devisen, Aktien, Zinsprodukten und Rohstoffen dürfte die ansonsten traurigen Bilanzen etwas aufpolieren. Wer zudem ein starkes Geschäft in Europa und Asien besitzt, kann daraus Trost schöpfen. An dem verkorksten Start in das Krisenjahr 2008 wird das aber kaum etwas ändern.

