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09.10.2008 
Interview

Finanzkrise: „Die Lügnerkredite waren bekannt“

von Christian Panster

Warum die Welt auf eine neue Wirtschaftskrise zusteuert und Zertifikate nichts für Privatanleger sind. Handelsblatt.com sprach mit Max Otte, Professor an der Fachhochschule Worms und Autor des Buches "Der Crash kommt".

Max Otte, Autor des Bestsellers "Der Crash kommt".Lupe

Max Otte, Autor des Bestsellers "Der Crash kommt".

Herr Otte, die Krise auf den Finanzmärkten verschärft sich fast täglich. Wie lange geht das noch so weiter?

Eine Rezession ist unvermeidbar. Die Auswirkungen der Finanzkrise schlagen schon auf die Realwirtschaft durch. Besonders hart wird es die USA treffen. Die Tiefstpreise bei den Immobilien sind noch nicht erreicht. Da werden noch einige Hypotheken ausfallen. Interessant wird auch sein, wie stabil die Finanzbranche in China ist. Ich vermute, sie ist nicht so robust, wie es im Moment scheint.

Hätten die Signale nicht schon viel früher erkannt werden müssen?

Mit Sicherheit. Diese Lügnerkredite, die in den USA an Menschen vergeben worden sind, die es sich eigentlich nicht leisten können, waren doch lange bekannt. Das gleiche gilt für die Praxis der Verbriefungen der Kredite. Die Investorengemeinde wusste, mit was für Papieren sie da handelt. Das Ganze hätte nur funktionieren können, wenn die Zinsen extrem niedrig bleiben und die Häuserpreise immer weiter steigen. Schon 2000 waren die aber jenseits von Gut und Böse.

Warum hat niemand reagiert?

Weil Gier die Menschen oft blendet. Man wollte Geld verdienen und hat die Risiken unterschätzt. Der Zweckoptimismus war groß, insbesondere bei den Investmentbanken.

Was hätte man tun können?

Eigentlich bin ich Liberaler. Trotzdem ist es auch für mich überraschend und unverständlich, wie wenige Regeln es für die internationalen Finanzmärkte gibt. Die Finanzwirtschaft ist eine relativ flüchtige Branche, die die vergleichsweise starre Realwirtschaft maßgeblich beeinflusst. Da muss es mehr regulatorischen Ausgleich geben. Jeder Rasenmäher muss durch den Tüv. Warum nicht auch Finanzprodukte?

Welche Produkte meinen Sie?

Nehmen wir die Zertifikate. Der Wildwuchs der vergangenen Jahre ist beeindruckend und beunruhigend zugleich. Viele von ihnen versteht und braucht kein Mensch. Ich würde die ganz abgedrehten sogar für Privatanleger verbieten. Warren Buffett nennt Zertifikate Massenvernichtungswaffen. Und die sind schließlich auch nicht erlaubt.

Sie waren Doktorrand bei Ben Bernanke, dem Chef der US-Notenbank Fed. Wie beurteilen Sie dessen Arbeit als Krisenmanager?

Ben Bernanke hat sich bereits in seiner Forschungszeit schwerpunktmäßig mit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre beschäftigt, ihren Ursachen und Wirkungen. Vor diesem Hintergrund könnte man meinen, er habe sich schon frühzeitig auf seine späteren Aufgaben vorbereitet. Ich bin davon überzeugt, dass es derzeit keinen besseren Krisenmanager gibt als ihn.

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