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05.06.2008 
Spendable Reiche

Geldadel verpflichtet

von Michael Maisch

Galas für Kinder und Kranke statt Luxusyachten und Sportwagen: Die Superreichen haben Wohlttäigkeit als Statussymbol entdeckt. Neben moralischen Beweggründen folgen die Stars unter den Finanzinvestoren auch ganz handfesten PR-Zielen.

Hat seinen eigenen Wohltätigkeitsball: Hedgefonds-Star Arpad Busson mit seiner Frau, Hollywood-Star Uma Thurman. Foto: ReutersLupe

Hat seinen eigenen Wohltätigkeitsball: Hedgefonds-Star Arpad Busson mit seiner Frau, Hollywood-Star Uma Thurman. Foto: Reuters

LONDON. Einen besseren Platz hätte sich Arpad Busson für seine Party kaum aussuchen können. Das Royal Naval College in Greenwich, direkt am Ufer der Themse, wirkt mit seinen Türmen, Säulen und Kuppeln zwar wie ein klassischer Repräsentationsbau, doch tatsächlich entwarf Architekt Christopher Wren das College im 17. Jahrhundert für einen guten Zweck. Hinter der prächtigen Fassade verbarg sich damals ein Heim für Veteranen der Marine und deren Familien.

Heute Abend wird in den Hallen des Royal Naval College wieder Gutes getan. Arpad, genannt Arki, Busson, einer der buntesten Vögel der Hedge-Fonds-Welt, lädt zu seinem jährlichen Wohltätigkeitsball. Jeder, der in der Londoner Geldbranche Rang und Namen hat und eine der 5 000 Pfund teuren Einladungen ergattern konnte, wird sich auf den Weg in den Vorort Greenwich machen.

Im vergangenen Jahr spendete die Geldelite, angefeuert von Bill Clinton und Madonna, die Rekordsumme von 26 000 Pfund pro Kopf für Bussons Absolute Return for Kids (Ark), die sich um notleidende Kinder kümmert. Insgesamt kamen so knapp 27 Millionen Pfund zusammen. Aber eigentlich braucht Arki Busson gar keine prominenten Ehrengäste, um Glamour zu verbreiten, das schafft er ganz alleine.

Busson, der in Genf als Sohn eines französischen Offiziers und einer Engländerin aufwuchs, spielte in seiner Jugend mit dem Gedanken, Rennskiläufer zu werden. Am Ende entschied er sich doch für eine Karriere an den Finanzmärkten. 1992 gründete er seinen eigenen Hedge-Fonds EIM, der heute zwölf Milliarden Dollar verwaltet.

In den Klatschblättern rund um den Globus taucht der schwerreiche Finanzier mit dem gewellten dunklen Haar aber vor allem als Gesellschaftslöwe auf. Nach Beziehungen mit der Schauspielerin Farah Fawcett und dem Supermodel Elle Macpherson hat sich der Schweizer unlängst mit Hollywood-Star Uma Thurman verlobt.

Busson ist ein typisches Exemplar des neuen Geldadels: Selfmade-Männer, die im Boom der vergangenen Jahre mit Hedge-Fonds oder Private Equity Hunderte von Millionen verdient haben, und die Verpflichtung spüren, einen Teil dieses Reichtums an die Gesellschaft zurückzugeben. Fast sieht es so aus, als hätten Sportwagen und Yachten als Statussymbol ausgedient. Wer es sich leisten kann, der gründet heute seine eigene Wohltätigkeitsstiftung.

Die Londoner City ist ein zynischer Ort

Die Hilfsorganisationen profitieren vom Trend zur Philanthropie. 2006 spendeten die 30 reichsten Privatpersonen in Großbritannien fast zwei Milliarden Dollar. Das war fast dreimal so viel wie im Jahr zuvor.

"Männern wie Busson ist es sehr ernst mit ihrem Engagement für die Wohltätigkeit, aber natürlich gibt es auch andere Aspekte", meint ein Londoner PR-Berater. "Wer mit großen Spendenaktionen von sich reden macht, der vertreibt auch das lästige Image des kaltblütigen Spekulanten und der skrupellosen Heuschrecken."

Neben Busson zählt zweifellos Chris Hohn, der Chef des Hedge-Fonds TCI, zu den bekanntesten Wohltätern der Finanzbranche. TCI ist einer jener aggressiven Fonds, die Unternehmen angreifen, sie zu einem Strategiewechsel zwingen und damit den Aktienkurs nach oben treiben wollen. Doch der harte Spekulant, der bereits den ehemaligen Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, in die Knie zwang und den Übernahmekampf um die niederländische Großbank ABN Amro auslöste, hat auch eine weiche Seite. TCI - The Children?s Investment Fund - trägt seinen Namen nicht umsonst. Jahr für Jahr spendet Hohn einen bestimmten Anteil des Gewinns seines Fonds an eine Wohltätigkeitsorganisation, die er zusammen mit seiner Frau gegründet hat. Im Geschäftsjahr 2005/2006 überwies Hohn mehr als 230 Millionen Pfund an The Children?s Investment Fund Foundation (CIFF). Mit dem Geld kümmert sich die Stiftung um Kinder in der Dritten Welt, vor allem um Aids-Waisen in Kenia, Uganda, Malawi, Äthiopien und Indien.

Doch die Londoner City ist ein zynischer Ort. Deshalb sehen einige Konkurrenten TCI und seinen Chef trotz des humanitären Engagements kritisch. Einige Banker halten die enge Verbindung des aggressiven Hedge-Fonds mit der warmherzigen Kinderstiftung sogar für einen Trick, der es Hohn leichter mache, große Konzerne ungestraft anzugreifen. "Es ist sicher nicht ganz leicht für einen attackierten Manager, sich gegen einen Fonds zu wehren, der Millionen für kranke Kinder spendet", meint ein britischer Investmentbanker. Aber solche Stimmen sind selten zu hören. Die Wohltätigkeitsorganisationen sehen jedenfalls keinen Anlass zur Kritik. "Jedes zusätzliche Pfund, das einem guten Zweck zugutekommt und effektiv eingesetzt wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung", meint George Leigh von der britischen Charities Aid Foundation.

Kritik aus der Wissenschaft

Auf den effizienten Einsatz ihres Geldes legen die Finanzmanager naturgemäß großen Wert. So aggressiv sie um Finanztransaktionen feilschen, so penibel versuchen sie, den Erfolg ihrer Spenden zu sichern. "Für jedes unserer Projekte stellen wir einen Businessplan über fünf Jahre auf und versuchen möglichst genau zu prognostizieren, welche Verbesserungen wir mit unseren Mitteln wirklich erreichen können", erläutert Lesley Smith von Bussons Hilfsorganisation Ark. In diesem Jahr will Ark mit dem Erlös des Spenden-Dinners die Lehrerausbildung in Indien verbessern. "24 Millionen Kinder, gehen dort nicht in die Schule", sagt Smith. Geht der Plan von Ark auf, dann werden bald 90 000 indische Jugendliche mehr die Schulbank drücken.

Präzise Vorgaben und striktes Controlling sieht auch Dirk Matten, Professor an der kanadischen Schulich School of Business, als großes Plus gegenüber vielen staatlichen Hilfsorganisationen. "Zahlreiche Initiativen der privaten Spender beruhen auf direkter Marktforschung", sagt er. "Die Wohltäter sprechen nicht mit Regierungen in Entwicklungsländern, sondern fahren direkt in die Dörfer und fragen die Menschen vor Ort, was sie am dringendsten brauchen."

Aber Matten sieht durchaus auch Probleme bei der privaten Hilfe. Noch sei nicht klar, ob sich die versprochenen Effiziengewinne wirklich realisieren ließen. Die ganz großen privaten Stiftungen wie die von Microsoft-Gründer Bill Gates entwickelten bereits selbst bürokratische Wasserköpfe.

Als größtes Problem sieht der Wissenschaftler allerdings, dass die Entscheidung über förderungswürdige Projekte nicht mehr von demokratisch legitimierten Institutionen getroffen wird, sondern im Ermessen von Privatleuten liegt. "Was das heißt, wurde bei der Aidsbekämpfung sichtbar", erläutert Matten. "Bestimmte Kreise in den USA sehen Kampagnen zur sexuellen Enthaltsamkeit als die Lösung des Problems und würden sich weigern, Kondome zur Verfügung zu stellen."

Aber solche Legitmitationsdebatten beschäftigen die Spender aus der Finanzszene derzeit nur am Rande; sie kämpfen eigentlich mit ganz anderen Problemen. Denn auch die Wohltätigkeit entkommt der großen Kreditkrise nicht. Trotz des feudalen Rahmens des Royal Naval College hofft Busson in diesem Jahr nur auf Spenden von 15 Millionen Pfund - das wären 40 Prozent weniger als 2007, aber damals war die Finanzwelt ja auch noch in Ordnung.

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