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05.06.2008 

Die Londoner City ist ein zynischer Ort

Die Hilfsorganisationen profitieren vom Trend zur Philanthropie. 2006 spendeten die 30 reichsten Privatpersonen in Großbritannien fast zwei Milliarden Dollar. Das war fast dreimal so viel wie im Jahr zuvor.

"Männern wie Busson ist es sehr ernst mit ihrem Engagement für die Wohltätigkeit, aber natürlich gibt es auch andere Aspekte", meint ein Londoner PR-Berater. "Wer mit großen Spendenaktionen von sich reden macht, der vertreibt auch das lästige Image des kaltblütigen Spekulanten und der skrupellosen Heuschrecken."

Neben Busson zählt zweifellos Chris Hohn, der Chef des Hedge-Fonds TCI, zu den bekanntesten Wohltätern der Finanzbranche. TCI ist einer jener aggressiven Fonds, die Unternehmen angreifen, sie zu einem Strategiewechsel zwingen und damit den Aktienkurs nach oben treiben wollen. Doch der harte Spekulant, der bereits den ehemaligen Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, in die Knie zwang und den Übernahmekampf um die niederländische Großbank ABN Amro auslöste, hat auch eine weiche Seite. TCI - The Children?s Investment Fund - trägt seinen Namen nicht umsonst. Jahr für Jahr spendet Hohn einen bestimmten Anteil des Gewinns seines Fonds an eine Wohltätigkeitsorganisation, die er zusammen mit seiner Frau gegründet hat. Im Geschäftsjahr 2005/2006 überwies Hohn mehr als 230 Millionen Pfund an The Children?s Investment Fund Foundation (CIFF). Mit dem Geld kümmert sich die Stiftung um Kinder in der Dritten Welt, vor allem um Aids-Waisen in Kenia, Uganda, Malawi, Äthiopien und Indien.

Doch die Londoner City ist ein zynischer Ort. Deshalb sehen einige Konkurrenten TCI und seinen Chef trotz des humanitären Engagements kritisch. Einige Banker halten die enge Verbindung des aggressiven Hedge-Fonds mit der warmherzigen Kinderstiftung sogar für einen Trick, der es Hohn leichter mache, große Konzerne ungestraft anzugreifen. "Es ist sicher nicht ganz leicht für einen attackierten Manager, sich gegen einen Fonds zu wehren, der Millionen für kranke Kinder spendet", meint ein britischer Investmentbanker. Aber solche Stimmen sind selten zu hören. Die Wohltätigkeitsorganisationen sehen jedenfalls keinen Anlass zur Kritik. "Jedes zusätzliche Pfund, das einem guten Zweck zugutekommt und effektiv eingesetzt wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung", meint George Leigh von der britischen Charities Aid Foundation.

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