Kritik aus der Wissenschaft
Auf den effizienten Einsatz ihres Geldes legen die Finanzmanager naturgemäß großen Wert. So aggressiv sie um Finanztransaktionen feilschen, so penibel versuchen sie, den Erfolg ihrer Spenden zu sichern. "Für jedes unserer Projekte stellen wir einen Businessplan über fünf Jahre auf und versuchen möglichst genau zu prognostizieren, welche Verbesserungen wir mit unseren Mitteln wirklich erreichen können", erläutert Lesley Smith von Bussons Hilfsorganisation Ark. In diesem Jahr will Ark mit dem Erlös des Spenden-Dinners die Lehrerausbildung in Indien verbessern. "24 Millionen Kinder, gehen dort nicht in die Schule", sagt Smith. Geht der Plan von Ark auf, dann werden bald 90 000 indische Jugendliche mehr die Schulbank drücken.
Präzise Vorgaben und striktes Controlling sieht auch Dirk Matten, Professor an der kanadischen Schulich School of Business, als großes Plus gegenüber vielen staatlichen Hilfsorganisationen. "Zahlreiche Initiativen der privaten Spender beruhen auf direkter Marktforschung", sagt er. "Die Wohltäter sprechen nicht mit Regierungen in Entwicklungsländern, sondern fahren direkt in die Dörfer und fragen die Menschen vor Ort, was sie am dringendsten brauchen."
Aber Matten sieht durchaus auch Probleme bei der privaten Hilfe. Noch sei nicht klar, ob sich die versprochenen Effiziengewinne wirklich realisieren ließen. Die ganz großen privaten Stiftungen wie die von Microsoft-Gründer Bill Gates entwickelten bereits selbst bürokratische Wasserköpfe.
Als größtes Problem sieht der Wissenschaftler allerdings, dass die Entscheidung über förderungswürdige Projekte nicht mehr von demokratisch legitimierten Institutionen getroffen wird, sondern im Ermessen von Privatleuten liegt. "Was das heißt, wurde bei der Aidsbekämpfung sichtbar", erläutert Matten. "Bestimmte Kreise in den USA sehen Kampagnen zur sexuellen Enthaltsamkeit als die Lösung des Problems und würden sich weigern, Kondome zur Verfügung zu stellen."
Aber solche Legitmitationsdebatten beschäftigen die Spender aus der Finanzszene derzeit nur am Rande; sie kämpfen eigentlich mit ganz anderen Problemen. Denn auch die Wohltätigkeit entkommt der großen Kreditkrise nicht. Trotz des feudalen Rahmens des Royal Naval College hofft Busson in diesem Jahr nur auf Spenden von 15 Millionen Pfund - das wären 40 Prozent weniger als 2007, aber damals war die Finanzwelt ja auch noch in Ordnung.

