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01.10.2008 
Folgen der Finanzkrise

Jim Rogers: „Die USA verlieren ein Jahrzehnt“

von Udo Rettberg und Ingo Narat

Die Finanzkrise hat die Börsen weltweit fest im Griff. Investmentlegende Jim Rogers erklärt im Handelsblatt-Interview, warum es besser wäre, Problembanken pleite gehen zu lassen, anstatt sie mit staatlichen Geldern zu retten. Anlegern rät er, auf fallende Kurse zu setzen.

Jim Rogers setzt auf China. Foto: BloombergLupe

Jim Rogers setzt auf China. Foto: Bloomberg

Die Finanzmärkte erleben das von Ihnen angekündigte Chaos. Wie geht es weiter?

Was in Washington und New York abläuft, ist nicht nur schlecht für die USA, sondern für die ganze Welt. Das Auffangen von Pleitebanken führt lediglich dazu, dass die riesigen Probleme weiter in die Zukunft verlagert werden. Es muss darum gehen, dass Finanzsystem zu reinigen, nicht weiter zu stützen.

Also kann heute noch keine Entwarnung gegeben werden?

Nein, ganz im Gegenteil. Wenn die Notenbanker und Finanzminister durch das Schnüren riesiger Hilfspakete ihr Pulver verschossen haben, werden die Finanzmärkte im nächsten Jahr noch mehr Probleme bekommen. Die Politik bekämpft das Übel nicht an der Wurzel.

Was wäre die Alternative für die Politiker gewesen?

Sie hätten all die Investmentbanken pleite gehen lassen sollen, die in der Vergangenheit unsolide gewirtschaftet, die Grundlagen des soliden Bankgeschäfts missachtet und die ganze Welt fahrlässig in die Krise gestürzt haben.

Wäre das Chaos an den Finanzmärkten dann nicht noch größer gewesen?

Kurzfristig möglicherweise ja. Doch diese marktwirtschaftliche Lösung hätte die allgemeine Bereitschaft und Kraft zur Erneuerung deutlich erhöht. Bekanntlich sind nur dann grundlegende Veränderungen möglich, wenn es in einer Krise so richtig weh tut.

Gilt das vor allem für die USA oder auch für andere Regionen in der Welt?

Am stärksten sind zweifellos die USA betroffen. Die werden sehr, sehr lange brauchen, bis sie diese Krise überstanden haben. Das erinnert mich an Japans 80er Jahre, die als "verlorene Dekade" in die Geschichte eingegangen sind. Ähnliches befürchte ich für die USA.

Haben Politiker erneut die falsche Medizin verabreicht?

Ja. Sie wählen erneut den Weg, der schon in der Vergangenheit keinen Erfolg brachte. Wir sollten uns daran erinnern, dass Russland und Südkorea bei Krisen in den 90er Jahren anders reagiert und ungesunde Unternehmen in die Insolvenz haben abgleiten lassen. Das hat die Märkte bereinigt und beiden Volkswirtschaften zum langfristigen Aufschwung verholfen. Das wäre auch in den USA die richtige Medizin gewesen.

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