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14.05.2007 
Gezielte Falschinformation

„Kursrakete des Monats“ per E-Mail

von Oliver Voss

Derzeit sind Massen-E-Mails (Spam) im Umlauf, die zum Kauf so genannter „Pennystocks“ raten – Aktien mit einem Kurs von unter einem Euro. Gewinner dabei sind jedoch nur die dubiosen Drahtzieher der Kursmanipulationen, die damit mehr Geld als mit klassischen Erotik-Angeboten verdienen.

FRANKFURT. Dubiose Kaufempfehlungen per massenhaft versandter E-Mail (Spam) haben bei kleinen deutschen Aktien heftige Kursbewegungen ausgelöst und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf den Plan gerufen. Die BaFin gehe dem Verdacht auf Kursmanipulation und Insiderhandel nach, sagte eine Sprecherin. Derzeit untersuche sie auffällige Kursbewegungen bei acht Gesellschaften.

In den USA sind solch dubiose Kaufempfehlungen per Massenmail schon länger ein Problem. Erst kürzlich setzte die US-Börsenaufsicht SEC 35 kleine Werte bis zum 21. März vom Handel aus. Mittlerweile ist die Spamwelle auch nach Deutschland geschwappt. „Das Problem hat sich im letzten halben Jahr drastisch verstärkt“, sagt Frank Felzmann, Experte für Internetkriminalität beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Kam früher gelegentlich mal eine E–Mail am Tag, so seien es inzwischen zehn bis zwanzig. Längst sind es nicht mehr nur amerikanische Titel, die Anlegern hohe Gewinne vorgaukeln, wie die BaFin feststellt. „Seit Anfang des Jahres erhalten wir verstärkt Beschwerden, täglich werden es mehr“, sagte eine Sprecherin.

Das Schema ist immer gleich: Per Mail werden so genannte Pennystocks empfohlen, also Werte die weniger als einen Dollar oder einen Euro kosten. „Kursrakete des Monats“ oder „unbedingt kaufen, bevor der Kurs explodiert“, heißt es in den Schreiben etwa. Absender sind Phantasiefirmen wie „Deutscher Anlage Report“ oder renommierte Titel wie "Börse Online“, die missbraucht werden.

Nicht immer wissen die so angepriesenen Firmen von ihrem Glück. So empfahl am Freitag eine „Gesellschaft für Aktien-Analyse“ die Papiere der Realquadrat Immobilien AG zum Kauf und lockte mit „200% Gewinnerwartung in der kommenden Woche“. Die flaue Begründung: „Bei schwacher Dax-Performance werden kleine Werte wieder attraktiv.“ Tatsächlich stieg der Kurs um bis zu 30 Prozent, brach aber sofort wieder ein. Realquadrat-Vorstandschef Thomas Löhr fürchtet um das Ansehen seines Unternehmen. „Wir haben die BaFin informiert und um eine Untersuchung gebeten“, sagt er.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Damit lässt sich einfach mehr Geld verdienen als mit den klassischen Erotikangeboten“

Ähnliche Kursbewegungen zeigten auch die Aktien von Artstor, der Multimediaagentur Popnet Internet, Adori oder Knorr Capital Partner. Sie sind teilweise Überbleibsel des neuen Marktes; bei einigen laufen Insolvenzverfahren. Die Titel werden kaum gehandelt, der Kurs dümpelt fast bewegungslos. Doch nach dem Versand der E-Mails stieg das Handelsvolumen jedesmal massiv an.

„Die Initiatoren decken sich vorher ein und verkaufen, sobald der Kurs anzieht“, sagt Volker Pietsch vom Deutschen Institut für Anlegerschutz (Dias). Die Anleger dagegen bleiben auf den Verlusten sitzen, wenn sie kaufen, weil der Kurs schnell wieder sinkt.

Die Deutsche Börse erklärte, Versuche, Kurse mit Fehlinformationen zu manipulieren, seien nicht neu. Hier handele es sich um einen neuen Verbreitungsweg, sagte ein Sprecher. Vom Handel aussetzen kann die Börse die Titel nicht. Sie meldet Unregelmäßigkeiten der BaFin.

Nach Schätzung von Symantec, einem Anbieter von Sicherheitssoftware, ist bereits jede dritte Spam-Mail ein unerwünschter Aktientipp, Tendenz steigend. „Damit lässt sich einfach mehr Geld verdienen als mit den klassischen Erotikangeboten“, sagt Symantec-Spamexperte Candid Wüst.

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