6 Bewertungen ****
05.01.2009 
Geldmärkte

Libor-Sätze so niedrig wie seit Jahren nicht

Die Sätze an den Geldmärkten sind zu Jahresbeginn weiter gefallen, trotzdem sehen Experten allenfalls vorsichtige Zeichen einer Erholung.

FRANKFURT. Der dreimonatige Dollar-Libor, also der Satz zu dem sich Banken untereinander für drei Monate Dollar leihen, lag am Montag bei 1,42 Prozent und damit so niedrig wie seit Juni 2004 nicht. Nach der Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers war der Libor bis zum Oktober auf 5,39 Prozent hochgeschossen. Seither sank er stetig.

Dies hängt laut Strategen jedoch vor allem mit den Leitzinssenkungen der US-Notenbank Fed zusammen. Sie hat seit Anfang Oktober den Schlüsselzins von zwei Prozent auf ein Zielband von 0,25 bis null Prozent gesenkt. Damit liegt der dreimonatige Dollar-Libor immer noch mindestens 1,17 Prozentpunkte über dem US-Leitzins. Vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Sommer 2007 betrug der Abstand zwischen Dreimonats-Libor und US-Leitzins im Schnitt nur 0,12 Prozentpunkte. Gleichzeitig pumpte die Fed wie auch andere Notenbanken Milliarden in den Geldmarkt.

"Die Aktionen der Notenbanken sind ganz klar die Treiber für die sinkenden Libor-Sätze", sagte Nick Stamenkovic, Stratege bei RIA Capital Markets in Edingburgh der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Der Trend für den Libor zeigt nach unten, aber es wird lange dauern bis wir wieder halbwegs von Normalität sprechen können."

Ein normal funktionierender Geldmarkt gilt als Voraussetzung dafür, dass sich auch die anderen Märkte entspannen. Denn wenn sich die Banken nicht einmal untereinander Geld leihen, sind sie kaum bereit, Unternehmen im nötigen Umfang Kredite zu geben.

Im Euro-Raum ist die Lage ähnlich. Der dreimonatige Euribor ist seit Anfang Oktober von 5,39 auf 2,81 Prozent und damit den tiefsten Stand seit Mai 2006 gefallen. Damit liegt er zwar nur 0,31 Prozentpunkte über dem seither auf 2,5 Prozent gesenkten Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Volkswirte rechnen aber damit, dass die EZB den Leitzins in der kommenden Woche um mindestens einen weiteren halben Prozentpunkt senken wird. cü

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Blogkommentare zu diesem Artikel

Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Gefährliches Spiel der amerikanischen Bankenretter  Artikel in Merkliste

09.07.2009 von Rolf Benders

Kein Vorbild für Europa: Die USA sparen ihre Bad Bank voreilig zusammen und gehen so ein hohes Risiko ein. Kommentar

Breakingviews

Ford braucht mehr Eigenkapital  Artikel in Merkliste

06.07.2009 von Antony Currie (breakingviews.com)

Der Autobauer Ford ist um einen staatsfinanzierten Konkurs herumgekommen und gewinnt wieder Marktanteile. Aber seine Schuldenlast ist nach wie vor erdrückend, anders als bei General Motors, wo nach schnellen Konkursverkäufen inzwischen deutlich weniger Schulden zu Buche stehen. Eine Kapitalerhöhung würde zwar das Ergebnis pro Aktie verwässern, könnte Ford aber helfen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Kommentar

Handelsblatt Börsenradio 09.07.2009 (Abendausgabe) 

09.07.2009Börsenradio

Top-Ökonomen dämpfen Konjunkturoptimismus - Alcoa sorgt für Stimmungshoch - Dax steigt - Öl-Preis unter 60 Dollar Anhören


Anzeige