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14.07.2008 
Regionalbörse

München plant Plattform für europäische Nebenwerte

von Ralf Drescher

Die Börse München will ihr Handelssegment für kleine und mittelgroße Unternehmen international aufstellen, um sich im intensiven Wettbewerb dieses Sektors zu behaupten. Gemeinsam mit einem britischem Partner tritt die Regionalbörse in Konkurrenz zum Londoner Alternative Investment Market.

FRANKFURT. Mit dem Londoner Börsenbetreiber Plus Markets arbeiten die Münchener an einer europäischen Plattform für Nebenwerte. Das Segment nach deutschem Recht soll unter dem Namen "Plus Europe" laufen und im Schlussquartal dieses Jahres starten. In einem ersten Schritt sei die Aufnahme der rund 1 600 Werte geplant, die auch am Londoner Nebenwertesegment Alternative Investment Market (AIM) notiert seien, teilten die Unternehmen mit. Wie alle deutschen Regionalbörsen kämpft auch München mit dem harten Wettbewerb in der Branche. In den vergangenen Monaten sind einige neue Handelsplattformen wie die von Investmentbanken vorangetriebenen Turquoise oder Chi-X gestartet. Die Neulinge versuchen, mit niedrigen Gebühren Marktanteile von etablierten Börsen wie der Londoner LSE oder der Deutschen Börse zu gewinnen. Diese wiederum geben den Druck an kleinere Konkurrenten weiter.

Um ihre Existenz zu sichern, weichen die Regionalbörsen auf Nischen aus, in denen der Wettbewerb weniger intensiv ist. Am besten ist das bisher der Stuttgarter Börse gelungen, die im boomenden Geschäft mit Zertifikaten und Optionsscheinen Marktführer in Deutschland ist. Auch Hamburg hat im Fondshandel eine Nische gefunden, hat die Marktführerschaft hier aber an Frankfurt verloren. In Berlin versucht man derzeit, sich mit der eigenen Plattform Equiduct als Handelsplatz für ausländische Werte zu etablieren.

Börsenplatz Deutschland.

Einen ähnlichen Weg geht nun die Börse München mit Plus Europe. Allerdings konzentriert sich das Unternehmen dabei auf Nebenwerte: "Es macht keinen Sinn, den etablierten Börsen im Geschäft mit Standardwerten Konkurrenz zu machen, zumal der Wettbewerb dort durch die neuen Handelsplattformen noch härter wird", erklärt Vorstandsmitglied Andreas Schmidt. "Deswegen haben wir uns entschieden, das Geschäft mit Nebenwerten, das bei uns traditionell eine große Rolle spielt, weiter auszubauen."

Mit "Maccess" betreibt die Börse München seit 2005 ein spezielles Segment für mittelständische Firmen. Aktuell sind dort 22 Unternehmen gelistet. Durch die Kooperation mit Plus Markets könne man diesen Firmen einen besseren Zugang zu Londoner Investoren verschaffen, die bisher wenig auf deutsche Mittelständler schauten, hofft Schmidt. Mit Plus Markets haben sich die Münchener dabei einen Partner gesucht, der ebenfalls auf Nebenwerte spezialisiert ist. Die Londoner Börse wurde vor zweieinhalb Jahren von Simon Brickles gegründet. Brickles hatte zuvor das AIM-Segment der LSE aufgebaut. Jetzt macht er seinem ehemaligen Arbeitgeber Konkurrenz.

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