Wegen dieser eher positiven Situation vieler Schwellenländer schätzen Analysten und Fondsmanager das Risiko einer Krise in den Emerging Markets als gering ein. Stattdessen sehen viele jetzt Einstiegschancen, weil sich das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Schwellenländerwerte von rund zwölf auf knapp über zehn verringert hat. „Diese Korrektur war notwendig und gesund. Ich glaube, dass wir mindestens zwei Drittel hinter uns haben“, sagt Thomas Gerhardt, Leiter des Teams Emerging Markets bei der Fondsgesellschaft DWS.
Die meisten vom Handelsblatt befragten Experten halten in den nächsten zwölf Monaten Kursgewinne von rund 20 Prozent für realistisch. „Nach den Korrekturen in dieser Woche sind die Einstiegsmöglichkeiten in vielen Ländern sehr günstig. In den vergangenen Monaten hatten die Märkte nach oben überreagiert, nun übertreiben sie in die andere Richtung“, sagt Michael Konstantinov, Leiter des Aktienteams Emerging-Markets bei der Fondsgesellschaft Dit.
Ganz losgelöst von den Fundamentaldaten in den betroffenen Ländern war die aktuelle Entwicklung allerdings nicht. Einige Experten weisen darauf hin, dass Investoren besonders Länder mit hohem Leistungsbilanzdefiziten abgestraft hätten. Beispiele dafür sind die Türkei, Ungarn und Indien. In der Kritik der Investoren steht auch Russland. „Es wird künftig wichtiger, sich die einzelnen Länder genau anzuschauen und nicht mehr blind auf Emerging Markets zu setzen, weil die Wachstumspotenziale und Risiken doch sehr unterschiedlich sind“, sagt Lanzeni von der Deutschen Bank.
Positiv bewerten die Experten Korea, Brasilien und Indien. Gerade in Indien sehen die Analysten aufgrund des erwarteten Gewinnwachstums von fast 20 Prozent und einem KGV von rund 15 noch Potenzial. „Wenn der Markt noch ein wenig weiter fällt, ist das eine richtig gute Einstiegschance“, sagt Thomas Gerhardt, Leiter des Teams Emerging Markets bei der Fondsgesellschaft DWS.

