0 Bewertungen
17.06.2008 

Dieses explosive Gemisch wirkte wie Raketentreibstoff für den Immobilienmarkt. Ausgestattet mit billigen Krediten verhalfen skrupellose Baufinanzierer finanzschwachen Amerikanern mit windigen Hypothekenangeboten zum Traum vom eigenen Heim. Daraus wurde für die Schuldner und später auch für ihre Gläubiger ein Alptraum. "Betrügerische Machenschaften haben viel zur Suprime-Krise beigetragen", berichtet ein ehemaliger Immobilienbroker. Während die Kreditgeber auf eine genaue Einkommensprüfung verzichteten, überlasen die gutgläubigen Darlehensnehmer das Kleingedruckte ihrer Verträge. Dort stand unter anderem, dass die niedrigen Lockzinsen sprunghaft ansteigen würden, sobald die Notenbank ihre Zügel wieder anziehen würde.

Die Baufinanzierer reichten die Hypotheken meist an Investmentbanken weiter, die daraus ominöse Finanzpakete wie die inzwischen berüchtigten "Collateralized Debt Obligations" (CDOs) schnürten. Die daran gebundenen Anleihen wurden an Investoren in aller Welt verkauft. Weitergereicht wurden damit oft auch die inhärenten Risiken der Papiere. So fanden sich später in den Bankdepots deutscher Zahnärzte jene Risikopapiere, deren Wert von den dubiosen Machenschaften auf dem US-Immobilienmarkt abhing. Es entstand eine verhängnisvolle Kette der Leichtsinnigkeit, zusammengehalten von der Gier aller Beteiligten und dem unerschütterlichen Glauben an steigende Hauspreise. Dank des Finanzturbos stieg das Volumen der Subprime-Hypotheken in Amerika innerhalb von zehn Jahren um das 20-Fache. Trotz der erkennbaren Spekulationsblase versicherte US-Notenbank-Chef Ben Bernanke noch im Juni 2007, dass keine Gefahr für die Wirtschaft oder das Finanzsystem bestehe.

Viel zu spät erkannte der Fed-Chef, dass sich aus den Erschütterungen auf dem US-Immobilienmarkt ein Finanz-Tsunami entwickelt hatte. Offenbar wurde das erst, als finanzschwachen Hausbesitzern das Geld ausging und sie in Zahlungsverzug gerieten. Die Blase platzte und seitdem purzeln die Hauspreise. Es folgte eine negative Kettenreaktion zurück bis zu den Investoren, deren Anleiheprodukte massiv an Wert verloren.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Markt-Monitor

Börse und Politik: Das Tempo passt nicht!  Artikel in Merkliste

17.11.2008 von Ralf Drescher

Was hat der G20-Gipfel den Märkten gebracht? Die Antwort fällt ernüchternd aus. Warum Anleger von der Politik keine Unterstützung erhoffen dürfen. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Weiche Südflanke  Artikel in Merkliste

06.11.2008 von Gerd Höhler

Griechenland und Italien werden im gefolge der Finanzmarktkrise abgestraft: Beide Länder müssen für Staatsanleihen deutlich höhere Zinsen zahlen als die Mitgliedstaaten, die bei der Verschuldung vorsichtiger agiert haben. Kommentar

Handelsblatt Börsenradio 21.11.2008 (Abendausgabe) 

21.11.2008Börsenradio

Bundespräsident Horst Köhler übt scharfe Kritik an Bankern - LBBW und BayernLB werden über Fusion verhandeln - Citigroup-Topmanager denken über Verkauf nach - Hypo Real Estate erhält Garantien über 20 Milliarden Euro aus Rettungsfonds - Dax bricht im Wochenverlauf um mehr als 12 Prozent ein Anhören


Anzeige