Auf breiter Front setzte nun eine Gegenbewegung ein, die sich wie ein Flächenbrand auf fast alle Kreditmärkte ausdehnte. Banken begannen aus Furcht vor eigenen Verlusten Geld zu horten. Ratingagenturen degradierten eben noch erstklassige Finanzprodukte über Nacht zu Schrottanleihen. Ob Übernahmefinanzierungen, Hypothekenanleihen, Kommunaldarlehen oder kurzfristige Kredite unter den Banken - überall grassierte Misstrauen und die Risikoaufschläge schnellten in die Höhe. Investoren entdeckten, dass sie für die eingegangenen Risiken einen zu geringen Zins verlangt hatten. Quasi über Nacht war das billige Geld verschwunden. Auf die Gier folgte die Panik.
Die Finanzbranche hat diesen Schock bis heute nicht verdaut. Bei einzelnen Häusern wie Merrill Lynch
sind durch die Krise innerhalb von zwölf Monaten nicht nur die gesamten Gewinne der Boomjahre verschwunden. Auch die Geldmaschine an der Wall Street ist ins Stottern geraten. "Die Banken müssen ein neues Geschäftsmodell entwickeln", sagt Richard Bove, Analyst beim Investmenthaus Ladenburg Thalmann & Co. Die Verbriefung von Risiken durch Kreditderivate fällt für die nächsten Jahre als Gewinnträger aus. Der von kreditfinanzierten Buy-outs angetriebene Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A) ist auf einen Bruchteil der Vorjahre zusammengeschmolzen. Den Investmentbanken sind damit schlagartig zwei Ertragsmotoren abhanden gekommen.
Selbst die Absicherungsstrategien erfahrener Broker wie Lehman Brothers
haben dem Sturm nicht standgehalten. Und inzwischen zweifeln viele Investoren daran, dass die Banken ihrer wichtigsten Aufgabe gewachsen sind - nämlich Risiken zu managen.

