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22.07.2008 
Präsenzbörse in der Krise

Überleben auf dem Parkett

von Gertrud A. Hussla

Dirk Müller ist das Gesicht der Börse. Doch sein Arbeitsplatz, das klassische Börsenparkett, wird zunehmend unwichtiger. Der moderne Handel findet in Hintergrund statt. Für den Star-Händler ist das keine gute Entwicklung.

Er gibt der Börse ein Gesicht: Skontohändler Dirk Müller. Foto: dpaLupe

Er gibt der Börse ein Gesicht: Skontohändler Dirk Müller. Foto: dpa

FRANKFURT. Es ist wie ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Dirk Müller steht lächelnd am Eingang der Frankfurter Börse. Dirk Müller? Na, der Kerl, der jedesmal in der Zeitung abgelichtet ist, wenn es beim Dax mal wieder so richtig rund geht. Entsetzt, begeistert, angespannt, jubelnd, je nach Situation liefert er schon seit Jahren das passende Bild von der Börse. Auf Webseiten, im Fernsehen, immer wieder das gleiche Gesicht. Die Visitenkarte hat er schon in der Hand: "Mr. Dax" steht dort in großen Lettern, wo eigentlich Dirk Müller stehen sollte. Mr. Dax, so nennen sie ihn an der Wall Street, in London, im übrigen Europa. Es ist mittlerweile sein persönliches Markenzeichen.

Jeden Tag aufs Neue beweist Dirk Müller, dass der längst tot geglaubte Parketthandel weiterlebt. Auch wenn der Börsensaal nur noch dünn besiedelt ist und rund 95 Prozent der Geschäfte heutzutage über das elektronische Handelssystem Xetra laufen. Auch wenn immer wieder neue Konkurrenz entsteht und die Margen dünn werden. Es geht nicht ohne Parkett. Von hier berichten Tagesthemen, Heute Journal, n-tv, N24 und zahlreiche Hörfunkreporter. Hierher schalten CNBC aus New York und BBC aus London. Hier geben Analysten der großen Banken, ihre Einschätzung. Die runden weißen Schranken und der neue Holzboden immer im Hintergrund.

"Das Parkett wird es auch weiterhin geben", sagt ein Sprecher der Deutschen Börse. Als Beweis mag auch gelten, dass der Saal erst vor zwei Jahren komplett renoviert wurde. Oben auf der Empore gibt heute Folker Hellmeyer, Chefstratege der Bremer Landesbank, ein Interview nach dem anderen. Eine Dienstreise nach Frankfurt. Denn so viel Öffentlichkeit auf einen Schlag bekommt er in Bremen nicht. "Um das Prinzip Börse verständlich zu machen, brauchen wir eine Darstellungsform", sagt Hellmeyer in einer seiner knappen Sendepausen. Geld werde hier im Saal sicher auch noch verdient. Aber das Parkett sei vordringlich ein Transportmittel für Informationen.

Im Stundentakt blickt die Welt auf ein paar runde weiße Schranken. Eine davon gemietet von Müllers Maklerfirma ICF. Elf Stühle, 60 Bildschirme und jede Menge Keyboards. Einige Sessel unbesetzt. Der Raum wirkt ein wenig verlassen. Die gedämpfte Atmosphäre steht im merkwürdigen Kontrast zu den lebhaften Reporterberichten von der Empore im Umfeld chaotischer Märkte. Müller handelt seit zehn Jahren mit Aktien, andere sind noch länger da. Als "Skontroführer" legt er den Kurs fest, zu dem ein Paket Aktien den Besitzer wechselt, passt Gebote und Kaufwünsche aneinander an. Im Blick immer mehrere Monitore, dort sieht er, was Käufer zahlen und Verkäufer haben wollen. Daneben Kurscharts über Kurscharts, angereichert mit technischen Linien. Unterstützungslinien, Mehrtageslinien. Die großen Daxwerte handelt das Team, besonders aber auch liquide Nebenwerte, weil dort der Makler noch am ehesten gebraucht wird. Angebot und Nachfrage passen dort oft nicht zusammen.

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