Dirk Müller saß stets günstig direkt unter der Kurstafel, und tat den Fotografen und Journalisten den Gefallen, für Schnappschüsse bereitzustehen. Das kommt ihm heute sehr gelegen. Der Bekanntheitsgrad wird zum zweiten beruflichen Standbein. Immer öfter wollten Fernsereporter auch seine Meinung hören. "Aus vielen Einzelheiten wird irgendwann ein Gesamtbild", sagt der erfahrene Händler. Besonders gefreut hat ihn, dass der Wirtschaftssender n-tv nach dem letzten Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank direkt zu ihm geschaltet hat, um seine Meinung zu hören. Inzwischen hält Müller auch Vorträge. Bei einer Sparkasse sprach er zuletzt vor 800 Menschen. Eine willkommene zweite Karriere. Von ihren Einkünften können Skontroführer auch heute noch gut leben, ist am Parkett zu hören. Doch Handelschef Fidel Helmer von Hauck und Aufhäuser sagt auch: "Die Zeiten zu denen ein Makler mehrere Hunderttausend Mark im Jahr verdiente, sind vorbei."
Seit Beginn der Finanzkrise ist Müller erst recht gefragt. "Privat bin ich vor gut einem Jahr aus allen Aktien ausgestiegen", sagt er, "wir stehen vor einer üblen Nummer."Als schlimmste Variante kann er sich den Zusammenbruch des Wirtschaftssystems vorstellen. Während Washington heimlich schon einen Rettungsplan für die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae
und Freddie Mac
festzurrt, sagt er: "Jetzt müssen Notenbank und US-Regierung so rasch wie möglich alle Löcher stopfen, sonst sinkt das Schiff." Die Meinung der Experten großer Banken ist im oft zu optimistisch und manchmal auch zu weltfremd. "Da fehlt die händlerische Sicht", sagt er.
Bald wechselt Müller zur Konkurrenzfirma MWB. Deren Handelsplätze befinden sich in den hinteren Räumen der Börse. "Ein Skontroführer kann heute auch auf der grünen Wiese arbeiten", sagt Helmer. Doch auf das Gesicht von Mr. Dax muss die Presse nicht verzichten. Er hat sich ausbedungen, dass sein Platz auf dem Parkett bleibt. "Da wird es dann für Fotografen und Journalisten ein kleines Tischchen geben, wo sie sich auch mal einen Kaffee nehmen können."

