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10.10.2008 
Finanzkrise trifft Osteuropa

Ungarn rutscht besonders tief in die Krise

von Stefan Menzel

Die Finanzkrise trifft Ungarn mit voller Wucht. Die Börse Budapest bricht noch stärker ein als andernorts, die Landeswährung Forint fällt auf ein Rekordtief gegenüber dem Euro und seit Donnerstag ist auch der Handel mit Staatsanleihen in der ungarischen Hauptstadt zusammengebrochen.

WIEN. "Niemand versteht, warum es zu dieser Entwicklung gekommen ist", sagte Orsolya Nyeste, Volkswirtin bei der Ersten Bank in Budapest. Die fundamentalen Daten in Ungarn seien absolut in Ordnung. Erst vor wenigen Tagen haben die Regierung angekündigt, dass das Staatsdefizit in diesem Jahr unter den bisherigen Erwartungen liegen werde. Auch das Bankensytem in Ungarn sei absolut in Ordnung.

Trotzdem gibt es in Budapest immer wieder Gerüchte, OTP, die größte Bank des Landes, könnte vielleicht doch in Schwierigkeiten gekommen sein. Kapital- und Liquiditätsausstattung der Bank seien jedoch "extrem stark", sagte OTP-Chef Sandor Csanyi nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg heute in der ungarischen Hauptstadt. Trotzdem war der OTP-Kurs am Donnerstag in den letzten 30 Handelsminuten um 14 Prozent eingebrochen. Die ungarische Finanzmarktaufsicht will den plötzlichen Kursverfall von OTP jetzt untersuchen.

Regierung und Nationalbank haben heute versucht, den Kursverfall und den Vertrauensverlust zu stoppen. Parallel zu den anderen europäischen Börsen ist der Budapester Index Bux auch heute bis zum Mittag um etwa zehn Prozent eingebrochen. Gestern lag der Rückgang bei sieben Prozent, deutlich mehr als an den meisten anderen europäischen Börsenplätzen.

Ungarns Nationalbank ist nach den Worten ihres Gouverneurs Andras Simor zur Verteidigung des stark unter Druck geratenen Forint bereit. "Unser Hauptinstrument ist der Leitzins", sagte Simor am Freitag. Unter außergewöhnlichen Umständen könne er gar nichts ausschließen. "Wir schauen, wie sich die Märkte entwickeln und werden darauf reagieren", sagte der Nationalbankgouverneur. Der Forint war gestern auf ein Zwei-Jahres-Tief gegenüber dem Euro gefallen: Für einen Euro mussten 272,50 gezahlt werden.

Um den Handel mit Staatsanleihen wieder zu beleben, hat die Regierung eine Einlagenbegrenzung für Pensionsfonds aufgehoben. Sie dürfen Staatspapiere jetzt in unbegrenztem Umfang in ihr Portfolio aufnehmen. Außerdem will der ungarische Staat Kredite und Ausleihungen zwischen Banken garantieren.

Ungarn ist schon in der gesamten Woche massiv unter Druck geraten. Anleger befürchten, dass der Zehn-Millionen-Staat massiv unter der drohenden Rezession in Westeuropa leiden könnte. Ungarn exportiert einen Großteil seiner Waren in den Westen. Investoren ziehen deshalb ihr Geld aus dem Land ab

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