Britische Vermögensverwalter aber sprechen von "Extra-financials". "Weil weiche Faktoren wie zufriedene Mitarbeiter und ethisches Verhalten durchaus finanzielle Konsequenzen haben", begründet Investmentmanagerin Katie Gordon von Cazenove Capital Management. Cazenove integriert das Nachhaltigkeitsresearch in den konventionellen Investmentprozess für das verwaltete Kapital von elf Mrd. Euro.
Langfristig orientierte institutionelle Investoren nutzen nicht nur Negativkriterien und das "Best-in-Class-Prinzip", sondern stimmen bei Hauptversammlungen ab und treten in direkten Kontakt mit Unternehmen. In Europa erreichen nachhaltige Kapitalanlagen bereits ein Volumen von 500 Mrd. Euro, schätzt das Sustainable Business Institute an der European Business School.
Der "Engagement"-Ansatz hat jetzt auch Deutschland erreicht. F&C Asset Management bietet seit Anfang April das "Responsible Engagement Overlay" (REO) an. Mit Unternehmen in den Portfolios der Kunden wird ein konstruktiver Dialog geführt, um sie an zentrale Standards von Corporate Governance und SRI heranzuführen. Ohne die Portfolio-Zusammensetzung zu ändern, werden Interessen und Einfluss vieler Investoren gebündelt. So wurde der Energiekonzern RWE bereits 2003 auf die Risiken der Verquickung mit der Politik hingewiesen - lange bevor herauskam, dass sich Politiker auf RWE-Gehaltslisten befanden.
Immer mehr Investoren beklagen jedoch, dass die traditionelle Aktienanalyse potenziell Kurs beeinflussende Risiken und Chancen aus ökologischen, sozialen und ethischen Aspekten nicht erkennt. Führende europäische Vermögensverwalter, Pensionsfonds und Stiftungen mit 376 Mrd. Euro verwaltetem Vermögen schlossen sich daher zur Enhanced Analytics Initiative zusammen und vergeben seit diesem Jahr vermehrt Aufträge an Broker, die eine umfassendere Aktienanalysen machen.




