
FRANKFURT. Die Strategie, die Bankstrategen, Fondsmanager und Vermögensverwalter für das vierte Quartal ausgeben, zeigt einen klaren Trend: Mehr Risiko, so lautet die Devise. Der Grund für den weiter anhaltenden Optimismus ist weniger der seit einem halben Jahr spürbare Aufwärtstrend an den Märkten, der sich im historisch guten vierten Quartal fortsetzen dürfte. Die Experten stützen ihren Optimismus vielmehr darauf, dass die "zyklischen Auftriebskräfte" zu wirken beginnen, wie es Gertrud Traud von der Helaba ausdrückt.
Speziell der Mix aus einer allgemein wieder spürbaren Vertrauensbildung, dem Auffüllen von Vorräten in den Lagern der Unternehmen und der Korrektur der Überreaktion nach der Lehman-Pleite stützen den Aufschwung. Mehr Risiko bedeutet für die meisten Experten, den Anteil an Aktien und Unternehmensanleihen im Depot aufzustocken. Dagegen sollten Staatsanleihen oder bisher am Geldmarkt geparkte Summen reduziert werden.
Dass bei historisch niedrigen Zinsen von knapp über null Prozent am Geldmarkt niemand mehr Geld dort parkt als unbedingt nötig, erscheint verständlich. Auf der Gegenseite werden die höheren Risiken bei Aktien oder Unternehmensanleihen durch höhere Renditen wettgemacht, so die einfache Rechnung. "Risikoreiche Investments könnten die Erholung anführen", sagt Michael Harms, Leiter der Investmentstrategie bei Delbrück Bethmann Maffei.
Zwar waren in den vergangenen Wochen noch Stimmen zu hören, die vor einem Überborden der Stimmung und einer Korrektur warnten. Fraglich ist, wie lange diese Experten sich dem allgemeinen Aufwärtstrend noch widersetzen können. Gerade im Verlauf des vierten Quartals wächst der Druck auf sie stetig, doch noch einzusteigen, wollen sie nicht bei der Abrechnung am Jahresende dem Markt weit hinterherhinken. Hinzu kommt die überreichliche Liquidität, die wieder nach Anlagemöglichkeiten sucht. Beides deutet für Martin Luley, Geschäftsführer bei Metzler Asset Management, auf anhaltenden Druck bei den Investoren hin, ihre Aktienpositionen aufzustocken.




