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Anlagestrategie: Was die Historie lehrt

In einem sind alle Krisen gleich: Nach den ersten Einbrüchen reagieren die Anleger geschockt und verkaufen ihre Wertpapiere mit Verlust. Doch Panikverkäufe lassen sich vermeiden, wenn Anleger ihre Risiken beim Kauf kennen. Ein neuer Rechner zeigt, welche Risiken und Chancen in den Depots vieler Investoren schlummern.

Auch Profis leiden in schweren Marktphasen. Quelle: ap
Auch Profis leiden in schweren Marktphasen. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Der größte Feind des Geldanlegers ist sein schwaches Gedächtnis. Wenn es wie in den vergangenen Monaten an den Börsen kräftig aufwärts geht, möchten die meisten dabei sein. In der nächsten Baisse ist der Ärger dagegen groß: Anleger sind regelmäßig erschüttert, wenn das Vermögen dann im zweistelligem Prozentbereich schrumpft.

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„Die Erfahrung zeigt, dass kaum ein Anleger in der Lage ist, Risiko und Rendite bei der Wahl des Anlageklasse in ein richtiges Verhältnis zu bringen“, sagt Jörg Laser, Leiter des Geschäftsbereichs Private Banking der Hamburger Conrad Hinrich Donner Bank. Die wenigsten könnten rational abschätzen, welche Risiken in ihren Depots schlummern. Oder ob die erwünschte Rendite tatsächlich realistisch ist.

Die Sicht auf Risiken und Chancen ist zudem individuell höchst unterschiedlich. Wenn das Depot zehn Prozent im Minus steht, geht für einige Anleger die Welt unter, andere zucken nicht einmal mit der Wimper. „Die Entwicklung der Märkte in der Vergangenheit gibt einen guten Eindruck, welche Renditen Anleger in bestimmten Marktphasen erwarten können und mit welchen Verlusten sie rechnen müssen“, sagt Laser. Für Handelsblatt.com entwickelte das Bankhaus Donner einen Rechner, der Anleger in der der Wahl der Anlageklassen und der Zusammenstellung der gesamten Vermögensstruktur sicherer macht.

Mit dem Rendite-Risiko-Radar können Anleger berechnen, welche Rendite beispielsweise Aktienindizes, Rohstoffe oder Rentenindizes in verschiedenen Zeiträumen erzielt haben – eine wichtige Information für den richtigen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt. Die Anlageklassen lassen sich auch anteilig mischen, Anleger können so die Zusammensetzung ihrer persönlichen Vermögensstruktur nachbilden und der Risikoneigung anpassen.

Die Ergebnisse solcher Berechnungen überraschen. Der Dax erzielte etwa in den vergangenen 15 Jahren eine Rendite von maximal 47 Prozent. Und zwar bei einem Kauf 1996 und einen Verkauf ein Jahr später. Das Risiko lag in gleicher Höhe. Bei einem Verkauf 2007 und einem Verkauf 2008 verlor der Kunde dagegen rund 40 Prozent.

Aber auch konservative Depots können zwischenzeitlich tief im Minus landen. Ein Depot, das sich zu gleichen Teilen aus Dax, Gold und dem Rentenindex Rexp zusammensetzt, lag etwa bei einem Kauf 2001 und einem Verkauf 2002 mit mehr als 17 Prozent im Minus. Die maximale Rendite innerhalb eines Jahres lag bei mehr als 20 Prozent.

Wer lange Zeitreihen vergleicht, lernt in turbulenten Zeiten ruhig zu bleiben. Bei mehreren Jahren Laufzeit finden sich beim Dax etwa immer wieder Phasen, wo Anleger mit Gewinn verkaufen können. „Viele handeln in Krisenzeiten zu emotional, verkaufen und bleiben dann auf den Verlusten sitzen“, sagt Laser.

Neben einer ruhigen Hand bei Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkten ist eine langjährige Erfahrung auch bei der richtigen Zusammensetzung des Depots enorm wichtig. „Der Blick zurück macht auf Krisen- und Chancenszenarien an den Märkten aufmerksam“, sagt Jens Ehrhardt, Vorstand der Vermögensverwaltung DJE Kapital aus München. Die Internetblase im Jahr 2000 hatte etwa deutliche Ähnlichkeiten mit der Überbewertung von Aktien der Ölförderunternehmen Mitte der siebziger Jahre.

Auch damals gab es eine Rally bei Hoffnungswerten, die Anleger spekulierten auf den Fund neuer Ölfelder. Die Baisse 1987 war eine Folge einer monetären Bremsung der US Wirtschaft in den Reagan-Jahren. Eine ähnliche Situation hatte es schon vor der Baisse 1973/74 gegeben. Das „Goldilocks-Szenario“, das einen immer währenden, sich selbst tragenden Aufschwung für Jahrzehnte prognostizierte, war vor der Krise 2000 in aller Munde. Ebenfalls vor dem Abschwung wegen der Finanzkrise.

Vermögensverwalter Ehrhardt setzt bei der Vermögensaufteilung vor allem auf seine jahrzehntelange Erfahrung mit den Märkten. Aktuell empfiehlt er Standard-Anlegern Depots mit einem Aktienanteil von rund 50 Prozent. „Eine selektive Auswahl ist wird jetzt wichtiger“, sagt Ehrhardt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Die Luft an den Märkten wird allmählich dünn. Bei Erholungen nach Crashs reicht das Potenzial bis maximal 70 Prozent, diesmal sind es schon rund 60 Prozent.

Glaubt man der rückwärtigen Analyse ist die Chance auf einen neuen Crash beim Dax aktuell eher niedrig. Die Kurse haben noch keine historischen Höchststände erreicht. Internationale Investoren, Versicherer und Privatanleger sind nicht in dem Maße wie vor den letzten großen Krisen überinvestiert, die Notenbanken pumpen immer noch Geld in den Markt, alternative Investments rentieren schwach.

Außerdem ist die Zahl der Neuemissionen noch vergleichsweise niedrig. In der Vergangenheit war die Quote vor Crashs häufig besonders hoch. Neue Risiken könnten nächstes Jahr drohen, wenn Unternehmen im großen Stil neue Aktien auf den Markt werfen oder sich der klamme Staat von Unternehmensanteilen trennt.

Nach Empfehlung von Ehrhardt sollten Anleger Aktien mit hoher Dividenden-Rendite ebenso im Auge behalten wie Werte aus Schwellenländern. Ein möglicher Kauf sind auch Papiere, die von den Preisen für Agrarrohstoffe beeinflusst werden. Die Lagerbestände sind niedrig, Anbauflächen werden kleiner. Ebenso Aktien von Pharma- und Klinikkonzernen. Diese Unternehmen könnten wegen der demographischer Entwicklung auch in konjunkturell schlechteren Zeiten konstante Gewinne schreiben. Versorger-Werte sollten renditebedingt nach wie vor im Fokus der Anleger bleiben.

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  • 02.11.2009, 17:51 UhrAnonymer Benutzer: 18-formatic

    Das börsengeschehen ist nun mal auch mit Psychologieawendung zu betreiben. Die Nerven liegen manchmal blank wen sich Verluste anscheinend entwickeln. Aber man muss auch das Marktgeschehen verfolgen nicht nur wenn sich als positiv entwickelnde Strategien sich behaupten. Es ist freilich schwierig, zu kompensieren. Es muss auch daran gearbeitet werden und es muss einen Aktionär bewusst sein wen ich einsteige wie ist die Stimmung, wie hoch ist der Markt schon gelaufen, wie läuft es mit dem Unternehmen, was für Faktoren sprechen dafür zu kaufen, was für Faktoren sprechen dagegen. Also wen es leicht ist das börsentum zu beherrschen dann könnte es jeder praktizieren. ist wie im wirklichen Leben ohne Fleiß kein Preis.

    Mfg

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