Auch bei der BNP wird der Kunde umworben. Allerdings wollten die wenigsten Besucher eine richtige Beratung, sie nehmen Informationsmaterial mit. Auch das Ehepaar, das seit fast 40 Jahren Aktien kauft, sammelt Broschüren. „Wir sind für alles offen“, sagt der 71-jährige Ehemann.
Gefreut hat die beiden, dass auch das Landeskriminalamt Nordrhein Westfalen mit einem Stand vertreten ist. „Wir leisten hier vor allem Präventionsarbeit“, sagt Kriminalhauptkommissar Ralf Herrmann. Das LKA verteilt Broschüren zu den Vorgehensweisen unseriöser Anbieter. Die Beamten gehen aber auch selbst über die Messe, sprechen mit den Ausstellern und schauen, was die so in ihren Prospekten verbreiten. Exotisches finden sie allemal.
Mancher Aussteller hier geht mit ungewöhnlichen Einfällen auf Kundenfang. Die „International Caviar Corporation“ etwa hat ein Aquarium mit jungen Albino-Stören aufgestellt. Das Unternehmen, das im vergangenen Jahr gegründet wurde, will mit seiner Störzucht nach drei bis vier Jahren jährliche Gewinne von 10 Mill. US-Dollar erwirtschaften und wirbt kräftig mit dem Tennisprofi Ion Tiriac, der bereits Aktionär ist. Ein paar Stände weiter sprudelt flüssige Schokolade aus einem kleinen Brunnen. Aussteller Martin Lessing ist Inhaber eines Geschäfts für fairen Handel und hat eine Weiterbildung zum „Fachberater für faires und nachhaltiges Investment“ gemacht. Er vermittelt Geschäfte mit Europas größtem fairen Handelshaus Gepa. Gleich in der Nähe können Anleger ein Jahr lang eine Fläche pachten, auf der Bäume gepflanzt werden. Mindestens 25 Euro müssen sie im Monat dort investieren. Nach frühestens elf Jahren werden die Bäume gefällt, dann kann der Kunde mit einer zweistellige Rendite rechnen, wird versprochen. Motto: „Der Baum – die Kapitalanlage, die natürlich nur nach oben wächst.“
Bilanz am Ende des Tages: Es sind weniger Besucher gekommen, als erhofft. Am Stand der Deutschen Bank wird das mangelnde Interesse so begründet: „Geld vernünftig anzulegen, ist kein sexy Thema in Deutschland.“ Die Besucher aber tragen zufrieden ihre Prospekte nach Hause. Wie ein 70 Jahre alter Pensionär, der mit Fachbüchern wie dem Börsenlexikon bewaffnet die Messe besucht hat: „Ich bringe die Prospekte zu meiner Frau, die bestimmt, was wir machen.“ Leider liege sie krank zuhause im Bett.




