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Anlegerunruhe: Die 7 Ängste der Märkte

Die Weltfinanzmärkte kommen nicht zur Ruhe: Aus den USA wehen düstere Befürchtungen nach Europa. Die Lust der Anleger ist gedämpft. Viele fragen sich: Haben Dax und Dow Jones ihre Jahreshöchststände womöglich schon hinter sich?

Händler an der Frankfurter Börse: Sieben Plagen für die Investoren Quelle: dpa
Händler an der Frankfurter Börse: Sieben Plagen für die Investoren Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Der erste und der letzte Tag dieser Woche werden die Wahrheit zeigen. Die US-Statistiker veröffentlichen am Montag Zahlen zum US-Konsum, am Freitag dann ihre Arbeitsmarktdaten für den August. Experten erwarten einen Verlust von 99 000 Arbeitsplätzen außerhalb der Landwirtschaft und nicht einmal halb so viele neue Jobs in der Privatwirtschaft. Die Chancen auf einen Aufschwung würden damit endgültig schwinden. Weniger Stellen bedeuten, dass die amerikanischen Haushalte weniger Geld ausgeben können. Und ausgerechnet vom Privatkonsum hängt die Konjunktur in den USA zu 70 Prozent ab.

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Für die Börsen wäre das fatal. Denn an den Finanzmärkten tobt der Kampf zwischen Bullen und Bären zurzeit besonders heftig. Der Zwischenstand am Beginn dieser Börsenwoche: unentschieden. "Werden die Investitionen in Anlagen und der Konsum rechtzeitig in Gang kommen? Oder kommen sie zu spät, um einen Rückfall in die Krise zu vermeiden?" fragt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer in seiner jüngsten Analyse und umgeht eine klare Antwort.

Die Börsen sind in der Tat an einem entscheidenden Punkt angelangt. Der Dax hat in den vergangenen drei Wochen ziemlich genau 400 Punkte verloren. Konservative Vermögensverwalter wie die der Schweizer Bank Sarasin denken nicht mehr daran, möglichst viel zu gewinnen, sondern sie unternehmen alles, möglichst wenig zu verlieren: "Kapitalerhalt genießt für uns oberste Priorität", lautet die Parole in ihrem aktuellen Strategiereport.

Es sind sieben Plagen, die derzeit die Anleger umtreiben: die Angst vor einem neuen Konjunkturabsturz in den USA; die Möglichkeit eines Kollapses im chinesischen Immobilienmarkt; eine rasante Geldentwertung in den USA und Europa oder, genauso schlimm, die Deflation; eine weitere Liquiditätsschwemme durch zu billiges Geld der Notenbanken; Staatspleiten und schließlich der Argwohn darüber, was tatsächlich in den Bankbilanzen schlummert. Diese siebenfache Verunsicherung lähmt die Investoren. Viele verkaufen ihre Aktien und steigen um auf sichere Anleihen.

Anleger in den USA bereiten sich erneut auf eine nervenaufreibende Woche an der Wall Street vor. Mit dem September steht zudem der traditionell schwächste Handelsmonat an. Hinzu kommen abermals Konjunkturbedenken, und wieder hält der Kalender Daten vom Arbeitsmarkt, zur Auslastung von Industrie und Dienstleistungssektor bereit. Sollten diese schlechter ausfallen als ohnehin erwartet, könnte es mit den Kursen deutlich bergab gehen. Einige Analysten fürchten gar, dass der entscheidende Index, der S&P 500, eine wichtige Unterstützungsmarke nach unten reißt.

Die US-Notenbank bereitet sich vor diesem Hintergrund auf einen neuen Ernstfall vor. Wenn es hart auf hart kommt, will sie der ins Stocken geratenen Konjunktur in den Vereinigten Staaten mit neuen Geldspritzen auf die Sprünge helfen. Die Federal Reserve werde dann weitere Schritte zur Unterstützung der Wirtschaft unternehmen, sagte Fed-Chef Ben Bernanke am Freitag. Auch eine Wiederaufnahme des Ankaufs von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren sei denkbar. "Wir sind bereit, zusätzliche Unterstützung über unkonventionelle Maßnahmen zu geben, vor allem dann, wenn sich die Wirtschaftsaussichten signifikant eintrüben."

Europa ist keine Insel der Glückseligen mehr. Der Aufschwung wird an Fahrt verlieren. Die wirtschaftliche Entwicklung dürfte sich künftig etwas abschwächen, sagt Bernankes deutscher Kollege Axel Weber, Präsident der Bundesbank. "Das dritte und das vierte Quartal werden schwächer sein als das zweite." Aber die Erholung bleibe intakt, fügt er hinzu. Andere sind deutlich pessimistischer als der deutsche Spitzenökonom. "Für mich gibt es keinen Zweifel, dass das Risiko eines Rückfalls in die Rezession derzeit größer ist als das Inflationsrisiko", sagt Jacques Cailloux, Europa-Chefvolkswirt der Royal Bank of Scotland.

  • 31.08.2010, 00:07 UhrAnonymer Benutzer: 18-formatic

    Das wäre Fatal für unsere Finanzwelt.
    .
    "will sie der ins Stocken geratenen Konjunktur in den Vereinigten Staaten mit neuen Geldspritzen auf die Sprünge helfen".
    .
    Djunkie Methoden die irgendwann das Ende bedeutet.
    Weiter machen Drogensüchtiges USA.

  • 30.08.2010, 19:19 UhrAnonymer Benutzer: Euro/USD unerheblich

    Das Verhältnis Euro zu USD ist nicht der Weisheit letzter Schluß, sondern der Vergleich des brennenden Autos mit dem sinkenden Schiff. Der Vergleich mit dem Yen, dem AUD, ja sogar mit dem SAR zeigt, wohin die Reise geht.
    Plötzlich, ganz plötzlich werden wir überrascht werden durch eine ungeahnte inflation, die natürlich ausschließlich ihre Ursache im Anziehen der Energiepreise haben wird (deren Fallen in Wahrheit die schon eingesetzte inflation nur statistisch verdeckt!).
    irgendwie haben wir immer irgendjemandes Hintern im Gesicht... wer soll da noch klar sehen?

  • 30.08.2010, 17:29 UhrAnonymer Benutzer: bodo

    Trichet hat recht, wenn er in Jackson Hole darauf hinwies, dass die schleppende Erholung der Weltmärkte auf die riesige Verschuldung aller westlichen Nationen zurück zu führen ist. Die Notenbanken könnten nun mal keine Wunder vollbringen. Schließlich waren es nicht die Notenbanken, sondern die Regierungen, die ihre Staaten in enorme Schulden stürzten.

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